Dino | 34 | Berlin

„Eigentlich darf man bei mir nicht mit Schuhen aufs Bett.“

An einem wunderbar warmen, sonnigen Frühlingstag machen wir uns auf den Weg Richtung Hermannstraße, ins hektische Neukölln, den Teil Berlins, in dem es noch mehr Dönerbuden als hippe Cafés gibt. Dino empfängt uns in seiner angenehm kühlen Altbau-WG und wir machen es uns bei einem Kaffee, seinem liebsten Koffein-Gebräu, gemütlich.

Weit aus dem Süden hat Dino seinen Weg nach Berlin gefunden, geboren ist unser heutiger Single nämlich in Singen am Hohentwiel. In der idyllischen Kleinstadt am Bodensee entdeckte Dino dann auch schon früh eine große Leidenschaft für sich: die Musik. Schlagzeug spielen war von Kindheitstagen an sein großer Wunsch. Umso größer dann die Enttäuschung des Sechsjährigen beim ersten Besuch der Musikschule: Leider war Dino zu klein, Hocker und Schlagzeug zu groß. Ein Jahr und ein paar Zentimeter später zahlte sich das Warten jedoch endlich aus, die Füße kamen an den Boden und Dino konnte sich von nun an fröhlich an den Drums austoben.

Bis zum 15. Lebensjahr waren die ruhige Wohngegend, Natur und viel Bewegung noch ganz wunderbar und zauberhaft. Doch das ging, wie es manchmal kommt, nicht für immer so entspannt weiter. Ein Umzug weg aus der gewohnten Umgebung in ein nahegelegenes langweiliges Dorf mit noch langweiligeren Leuten brachte schwierige Zeiten ins Rollen. Dinos alter Freundeskreis war nicht mehr ganz so entspannt und gesetzeskonform unterwegs wie zuvor, feiern stand an der Tagesordnung und das Rudel zeichnete sich durch besondere Coolness und intensiven Marihuana-Konsum aus.

Das ging nicht lange gut und hier zeigte sich mal wieder, wie wichtig Freundschaft ist. Helfer in der Not war nämlich ein guter Freund von Dino. Anstatt Party und Posen gab es zwischen den beiden tiefgründige Gespräche und kulturellen Austausch. Mit positiven Auswirkungen, denn anstatt im verrauchten Keller hängenzubleiben, machte Dino im Jahr 2002 ein top Abi. Die nächste Station? Zivildienst bei einem Behindertenwohnheim in Freiburg.

Gerade auf der ersten Stufe der Unabhängigkeit brachte eine Familientragödie Dino jedoch ordentlich aus dem Konzept. Nun wollte er einfach nur noch möglichst schnell möglichst weit weg. Eines stand jedoch in Stein gemeißelt: Der Wunsch Musik, genauer gesagt Jazz, zu studieren, hatte sich seit den ersten Versuchen mit den Drumsticks herauskristallisiert. Also ab nach Holland, an die ArtEZ in Arnheim. Ablenkung pur stand für Dino an der riesigen Kunsthochschule auf dem Programm.

Der Wunsch, der „beste Schlagzeuger der Welt“ zu werden und ein großer Haufen emotionaler Ballast führten bei Dino indes dazu, dass das Studium zur Quälerei wurde. Doch dann kam eines zum anderen, denn auch von romantischen Gefühlen blieb der Student natürlich nicht verschont. Während in der Musik eher wenig potenzielle Dating-Kandidatinnen für Dino in Frage gekommen wären, sah das im Tanzdepartment schon ganz anders aus. Wen wundert es da, dass die männlichen Kommilitonen gerne mal für die hübschen Tänzerinnen musizierten?

Wurde am Anfang noch beim Training zugeschaut und später mal beim Warm-Up mitgemacht, entdeckte Dino nach einiger Zeit sein neues Steckenpferd, die Alexander-Technik. Hatten wir ehrlich gesagt noch nie gehört, also hier eine kleine Definition mit Hilfe der besten Online-Quelle Wikipedia: „Die Alexander-Technik ist eine pädagogische Methode und beschäftigt sich mit dem Erkennen und Ändern von Gewohnheiten, besonders von körperlichen Fehlhaltungen, die sich durch Verspannungen, Schmerzen oder Funktionseinschränkungen äußern.“

So hat Dino nach drei Jahren Studium und einem Jahr Rumlümmeln tatsächlich das Handtuch geworfen und ist 2010 nach Berlin gezogen. Zack, Zertifikat in der Alexander-Technik gemacht und so hat er im Unterrichten eben dieser seinen neuen Lebensinhalt gefunden. Ganz ist die Musik jedoch nicht in Vergessenheit geraten, die Begeisterung für Jazz ist geblieben. So lauscht Dino mit Vorliebe Joey Baron an den Drums, Brad Mehldau am Piano oder auch der Musik von Bill Frisell. Gehört wird jedoch nicht nur Jazz, sondern genreübergreifend alles was gefällt – auch Elektro, wie zum Beispiel Kalabrese.

In der schönen Hauptstadt ist Dino mittlerweile auch verantwortlich für die eine oder andere Produktionsleitung für Tanz und Theater. Körperlich betätigt wird sich bei ihm jedoch nicht nur beruflich, sondern ebenso in der Freizeit. Das Fahrrad ist Dinos treuer Begleiter und so wird es auch zu unserem Kiezspaziergang mit kleiner Ping-Pong-Session direkt mitgenommen. Den Kosenamen des Bikes wollte er uns leider nicht verraten – zu schade!

Anzutreffen ist Dino in Berlin übrigens am Schlachtensee oder Landwehrkanal sowie im Reuterkiez. Dort wird gerne im Lager Lager das Craft-Beer-Sortiment durchprobiert. Lädt das Wetter mal nicht unbedingt dazu ein, Zeit in der Natur zu verbringen, dann genießt Dino das Serienangebot von Netflix, sei es mit Master of None, Better Call Saul oder Chef‘s Table. Kulinarisch geht’s übrigens nicht nur auf dem Bildschirm zu, sondern auch in der heimischen Küche. Kochen mit Freunden steht ganz weit oben auf Dinos Liste der liebsten Abendgestaltungen. Da wird dann eine richtig gute Pasta oder gerne auch ein richtig gutes Steak gezaubert.

Was Zukunft und Träume betrifft, hat Dino sich schon einen großen Traum verwirklicht: Vor einigen Jahren gründete er mit einem Freund und seiner Schwester das Comedy Café Berlin. Leider wollte der passionierte Kaffeetrinker sich insbesondere auf das Café konzentrieren, welches im Gegensatz zur abendlichen Bar mit Comedy-Programm eher wenig Publikum anzog. So verkauft Dino nun seine Teile nach schönen zweieinhalb Jahren. Der Traum vom eigenen Ort, an dem sich eine Community zusammenfindet und man sich austauschen kann, der besteht jedoch noch immer. Wer weiß, was die Zukunft noch bringt?

Bei so viel Aktivität in Beruf und Freizeit kann Dino mit Dating-Apps nicht viel anfangen. Treffen, reden und sich kennenlernen anstatt großem Hin und Her und oberflächlichem Geswipe – aber dafür gibt es ja im gegenteil! Dino ist ein richtig cooler Typ, der noch viel mehr zu berichten hat, als wir hier hätten unterbringen können. Also, ran da!

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