Christina | 34 | Hamburg

„Man kann sich auch mal neu erfinden!“

Alle Partypeople, Barhopper, Fitbit-Enthusiasten oder Workaholics, die ihr zu frühester Stunde die Schanze unsicher macht, vielleicht seid ihr an unserem heutigen Single schon einmal vorbeigestolpert. Bei Tagesanbruch ist nämlich auch Christina häufig unterwegs – entweder früher-vogel-style auf dem Weg zur vorarbeitlichen Flügelstärkung oder nachteulig nach dem “einen Drink” auf dem Weg ins Nest. Noch gar nicht so lange befindet sich dieses wieder im heimatlichen Hamburg.

2008 ging Christina für ein Jahr nach London, um acht Jahre zu bleiben. Wenn sie nun durch die Straßen rund um das Karoviertel geht, erlebt sie immer wieder kleine Verliebtmoment, Momente in dem ihr Herz vor Freude hüpft – einfach so. Einfach, weil sie angekommen ist. Aber fangen wir doch damit an, wie wir im Pollengestöber vor Christinas Türe standen und sie uns unaufgeregt, barfuß, strahlend, nicht mit Fish ’n Chips sondern einem Wildkräuterstrudel à la Eat this auf dem Tisch begrüßte. Yummy! Off to a good start!

Das Radio läuft, Zeitschriften ihres Arbeitgebers – dem zweitgrößten Verlagshaus Europas – liegen auf restaurierten Tischen und wir fühlen uns bei und mit Christina gleich richtig wohl. Kaffee, Strudel und Datteln im Cashew-Kokosmantel tun ihr übriges. Da führt nichts am Thema “Essen” vorbei. Also, why not … Essen geht schließlich immer. Bedingt durch die ein oder andere Unverträglichkeit, jedoch vor allem durch einen gesundheitsbewussten Lebensstil, legt Christina Wert auf ihre Ernährung. Mit anderen Worten: Der Weg in ihr Herz führt nicht durch die Fertiggerichteabteilung des Supermarkts deines Vertrauens!

Ausreden lässt sie nur in Ausnahmefällen gelten. Für was gibt es schließlich Dosen-Kichererbsen? Überhaupt, Christina experimentiert gerne beim Essen und obwohl wir gegen Schubladendenken sind, öffnen wir an dieser Stelle die der Flexitarier. Schon alleine deswegen freute sie sich über die Neueröffnung des Happenpappen in ihrer Nachbarschaft. Die Zeiten, in denen sich ihre kindliche Food-porn-Vorstellung so gar nicht mit Grünkernbratlingen vereinbaren ließ und eine Reformhaus-Staubschicht auf der gesunden Ernährung lag, sind zum Glück passé. Zwar erholt sich Christina nach wie vor von einem in der Kindheit zugezogenen Grünkern-Trauma, doch selbst diesem würde sie inzwischen eine zweite Chance geben. Also, viva la Grünkern!

Es folgt eine Überleitung aus dem 101 der Hohen Schreiberschule: Wo wir schon einmal bei Kindheit sind – aufgewachsen ist Christina als mittlere von drei Schwestern in Nienwohld in der Nähe von Bad Oldesloe oder für andere Nordneulinge und Landkartenlegastheniker: Zwischen Hamburg und Lübeck. Aha! Gleich mal gegooglemapped. Kühe. Dorfidyll. Schön! Wie es sich für ein Dorfkind gehört, verbrachte Christina ihre Kinderzeit vor allem draußen. Schule fand sie nie wirklich toll, alles Praktische lag ihr deutlich näher – die selbstgebauten Tischchen in ihrem Wohnzimmer sind dafür der möbelgewordene Beweis!

Ähnlich wie zur Schule bestand es um ihr Verhältnis zu Sportvereinen – zum Leidwesen ihres Vaters. Phasenweise versuchte sie sich erst im Kunstturnen, dann im Schwimmen. Damit hätte sie sich sogar fast angefreundet, hätte nicht ein Wettkampf den Traum der little future van Almsick eiskalt beendet. Vorletzter Platz. Das Ding war gelaufen! Am deutlichsten ist ihr jedoch ihre Freundin, die ebenfalls angetreten war, in Erinnerung geblieben. Diese hatten den Tag ihres Lebens – dabei wurde sie letzte! Tja, das mag man als Kind denkbar dämlich finden, im weisen Alter von Mitte dreißig weiß man, irgendwie die einzig richtige Einstellung für wahrscheinlich so ziemlich alles.

Christina fand indessen Zeitvertreibe, die ihr mehr zusagten: Sie wurde Teil des Vorstands der örtlichen Landjugend, ein Ehrenamt, das mit einem hohen Cola-Korn-Konsum einherging, und spielte das French Horn im Jugendorchester Bargfeld e.V. Da Christina ihre aktuellen Nachbarn nicht nur kennt, sondern auch sehr mag, fristet das Horn sein Dasein noch immer auf dem Lande.

Nach dem Realschulabschluss folgte eine Ausbildung zur Kauffrau im Einzelhandel, von der Christina bereits am zweiten Tag wusste: “Das ist es nicht!” Sie zog die Ausbildung durch und, nach einem Umweg über die Fachhochschulreife, in die Stadt, die sie schon immer als ihr künftiges Zuhause sah: Hamburg. Endlich! Bei einem Segelsportausrüster arbeitete sie als Assistentin im Einkauf und alles war gut. Irgendwie. Puh, war’s das jetzt etwa?

Glücklicherweise hat das Schicksal in solchen Momenten oft einen Joker in der Tasche, wenn man nur gut genug hinschaut. Christinas Joker war eine in London lebende Freundin, die en passant oder sagen wir lieber: casually von einem frei werdenden Zimmer in ihrer WG berichtete. Christina wusste: Sie würde umziehen. Zur Feier entwarf sie einen elternsicheren Plan, der allen Einwänden und Zweifeln standhalten sollte. Und weil Entscheidungen und Nachtisch nicht nur in der Weltpolitik harmonieren, eröffnete auch Christina beim Dessert, dass sie nach … ähm … welches Land war es gleich noch mal, in das sie ziehen wollte? Egal! Dieser Schokokuchen! Beautiful!

Anyway, im Mai 2008 saß sie im Flugzeug – ohne Job, ohne Plan, voll Vorfreude! Dieser Kunstsprung ins kalte Wasser zwang Christina, viele Jahre nach dem Ende ihrer Schwimmkarriere, zu schwimmen. Sie ergatterte einen Job bei der Schifffahrtsgesellschaft zwischen anderen Expats, die sie noch weniger verstand als die Briten, und schwamm. Retrospektiv betrachtet hätte ihr nichts besseres passieren können. London veränderte sie. Positiv. Sie merkte schnell, dass jeder Neuling eine Chance auf ein Ride auf dem London-Karussell hat – nur aufspringen muss man alleine. Zum Heimat-vermissen blieb keine Zeit. Christina öffnete sie sich neuen Menschen und Erfahrungen, wurde out-going, wie sie sagt, und, wer hätte das gedacht, eine glühende Mannschaftssportlerin!

Tag Rugby ist das Stichwort, das mir ehrlicherweise zunächst einmal nichts sagte. So überhaupt nichts. Da Christinas Erklärungen mit Flaggen und Hüftdrehen die Mannschaften in meinem Kopf shakira-esk übers Feld hüftschwungen lässt, schaue ich lieber noch einmal was Wiki sagt: “… eine kontaktlose Sportart aus der Mannschaftssportfamilie des Rugby, die sich unmittelbar aus der kontaktarmen Variante Touch Rugby entwickelt hat…” Öhm, hilft jetzt nur so semi. YouTube-Time. So sieht das also aus!

Christina ging es übrigens ähnlich, als sie zum ersten Training zwischen den Mädels und Jungs (Tag Rugby = Mixed Teams) auf dem Feld stand. Aber es lief. Zumindest nachdem ihr jemand, während sie sich noch im Siegestaumel ihres vermeintlich ersten Trys (= Ball über die Linie) befand, die Regeln erklärte. American Football-like auf die Erde touchdownen, wie Christina es gemacht hatte, zählt bei den Briten nämlich rein gar nichts. Irgendwann spielte Pups (“kleines Hündchen”), wie sie von ihren Kameraden genannt wurde, nicht nur für England, sondern wurde schon mal als MVP ausgezeichnet! Pfff … Überrascht uns jetzt nicht! Wie wussten sofort, wie valuable unser heutiger Single ist!

Alles war perfekt in der Metropole: toller Freundeskreis, neuer Job als Advertising Solutions Manager bei TripAdvisor, gute Wohnung. Da wusste Christina: Es ist Zeit Ben gegen Michel zu tauschen, Zeit nach Hause zu gehen! Sie sprang aus dem Karussell und landete weich in ihrem liebevoll eingerichteten und ruhigen Rückzugsort im Dorf in der Stadt.

Am meisten fehlen ihr heute ihr Team, die Wettkämpfe, die Emotionen, aber mit ihrem Crossfit-Studio hat sie einen würdigen Ersatz gefunden. Hier fühlt sie sich genauso heimisch wie auf dem Feld und ihr vom Flaggen-klauen geschundener Daumen freut sich. Ist Christina einmal nicht crossfitten, nippt sie mit alten und neuen Freunden in den Bars der Nachbarschaft, wie der Möwe oder dem Deathpresso, an einer Skinny Bitch oder einem Black Russian, genießt die wertvollen Sonnenstunden im Planten un Blomen oder lässt sich auch mal auf ein (kleines!) Non-Techno-Konzert mitschleppen.

Begeistern kann sich Christina für so ziemlich alles. Aber während Bars, Cafés und andere places to be bei Christina einen festen Platz in einer Exceltabelle finden – man will ja nicht den Überblick verlieren – und Rezepte mit Anmerkungen versehen werden, verlässt sie sich bei Musik auf Radio Hamburg und den guten Geschmack ihrer Freunde. Dabei singt sie selbst gerne passioniert mit und würde sofort ‘nem entspannten Kneipenchor wie den Goldkehlchen in weiblich beitreten.

Das passt, würde ich mal hobby-psychologisieren. Fröhlich, offen, neugierig, geradeaus, mit einem Faible für Struktur. Ihre größte Angst ist, dass bei ihr eingebrochen wird. Das macht ihr ohnehin etwas paradoxes Verhältnis zu dem Crime-Genre noch ein bisschen verrückter. Während sie noch nicht einmal alleine Tatort schauen kann, liest sie überwiegend Thriller. Aktuell empfiehlt sie allen, die es hören wollen, das in Hamburg spielende Anonym von Poznanski und Strobel. Dass sie sich alleine einen Film ansieht, kommt so gut wie nie vor. Zu langweilig! Hm …

Wie müsste er denn aussehen, der ideale Filmpartner? Auf Äußerlichkeiten will sich Christina nicht festnageln lassen – wichtiger ist ihr, dass er mit Spaß durchs Leben geht, aufgeschlossen und zielstrebig ist. Eine gewisse Eloquenz wäre ein Pluspunkt, ebenso Freude an Sport. Selbstdarsteller haben tendenziell keine Chance. Wenn er länger als sie im Bad bräuchte, wäre sie etwas irritiert – kleiner Servicehinweis für alle, die nie Mannschaftssportler waren: Post-Game-Drinks fördern die Duschschnelligkeit.

Für uns hatte Christina übrigens nur Zeit, weil ihr Autokennzeichen geklaut wurde. Schicksal? Und ich muss zugeben, dass ich darüber ein kleines bisschen froh bin! Wenn ihr Christina jetzt ebenfalls ganz wahnsinnig toll findet und kennenlernen wollt, schreibt! Am besten fix, denn es kann nicht mehr lange dauern, bis die anderen Hamburger Single-Boys bemerken, dass Christina wieder in Town ist!

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