Anne | 33 | Berlin

„Es gibt für jede Lebenssituation auch eine Sex-and-the-City-Folge!“

Anne hat mich sofort begeistert. Zum ersten Mal als ich ihre Wer-ich-so-bin-Beschreibung gelesen habe und mehrmals herzlich lachen musste. Jetzt, nach unserem Treffen im Schöneberger Norden — zwischen Kunst und Nutten, in einer Straße wie der Sesamstraße — wie sie so lebhaft beschreibt, bin ich noch viel mehr verknallt. Nicht nur, weil Anne Köln und ein kaltes Kölsch genauso schätzt wie ich, sondern weil sie echt eine coole Sau ist.

Während wir Schorle schlürfend in der Küche sitzen und uns durch jegliche Meilensteine ihres Lebens denglischen, kann ich kaum glauben, dass diese Frau auf dem Berliner Markt sein soll.

Anne und die Großstadt feierten kürzlich 10-jähriges Jubiläum, Rosenhochzeit, wenn man so will. Rosig war in dieser Zeit bestimmt nicht immer alles — aber Anne ist total vernarrt in ihre kunterbunte City. Inmitten des Mixes aus 60er-Jahre-Glanz und Gentrifizierung (be)lebt Anne die urbanen und „gritty“ Bars, Cafés und Kneipen in der Perle des Berliner Westens. Wenn sie im Kiez ausgeht, könnte man sie beim Schmaus in der Joseph Roth Diele oder auf einen Kaffee im The Visit erwischen. „Ich mag es, dass ich nicht aus der Haustür in das nächste Hipster-Café stolpere oder mir eine Gruppe orientierungsloser Touristen den Gehweg blockiert“, verrät sie uns und schaut dabei ein bisschen verliebt drein. Ja, das ist halt schön, schöner, Schöneberg.

Hier in der Metropole führt sich Anne gerne selber aus — in eine Ausstellung, auf ein Konzert oder ins Kino. Jackpot wäre, wenn ihr Begleiter auch am liebsten Filme im Originalton genießen würde. Ich zeige auf das Konzertticket von José Gonzalez, das neben uns an der Küchenwand klebt. „Es war so ein Tag, da wollte ich einfach eine Konzertkarte kaufen“, haut sie raus, als wäre es ganz selbstverständlich, dort dann auch alleine hinzugehen, weil man Bock hat. Die Frau haut mich um.

Wir sitzen also in Annes geräumigen Küche und trinken mittlerweile grünen Tee. Im Hintergrund läuft chillig Radio 1 — ein Sender, der so ziemlich Annes Musikgeschmack in einem Satz beschreiben würde. Zwischennotiz: Ihr Radio ist eine Sache, von der sie sich niemals trennen würde! „Ja, da hat Berlin auf jeden Fall geholfen, dass ich nicht mehr so ein Musiknazi bin“, bekennt sie ein bisschen ironisch und mit spitzer Zunge. Erste Tendenzen zum Groupietum gab es bei Anne aber schon als Teenager, so à la alternatives Kind mit Schlaghose, das die ganze Zeit Oasis und Nirvana hört. Vielleicht heimlich auch Take That? Haha, liebe Anne, da warst du sicher nicht alleine. Und aktuell? Da hört unser sympathisches Girl gerne Arcade Fire oder smoothe Tunes von Nina Simone und Loyle Carner.

Aufgewachsen ist Anne in Bocholt, ganz nah zur holländischen Grenze. Niederländische Wurzeln hat sie väterlicherseits — was die gemütliche Holland-Ecke mit Clog-Anhängern in ihrem Schlafzimmer erklärt. Der holländischen Sprache ist sie schon immer verfallen, genauso wie dem süßen Städtchen Amsterdam, samt seiner legendären Frittenbuden. „Pommes und Mayo sind schon geil“, sprudelt es aus ihr heraus. Dank je wel, damit sprichst du auch uns aus der Seele.

Apropos Essen: neue Geschmäcker auszuprobieren findet sie richtig nice. Vor einigen Monaten stieg sie versuchsweise auf vegane Kost um. Das klappt ganz gut, auch wenn ein wenig Ziegenkäse das Mahl hier und da noch etwas genussvoller machen könnte.

Reflektiertes Handeln — ein Aspekt, auf den Anne Wert legt. Wenn sie sich einer neuen Sache annimmt, dann versucht sie diese auch bewusst durchzuziehen. „Fehlbar und inkonsequent sind wir alle irgendwo. Ein ‚richtig‘ oder ‚falsch‘ ändert sich ständig mit der Lebensphase, mir ist aber wichtig, dass Leute zumindest darüber nachdenken, was sie tun.“ Word.

Beim Schlendern durch Annes wunderschöne Altbauwohnung fallen mir sofort zwei Dinge auf. Erstens: Ihre Einrichtung erinnert an eine Art Kunstgalerie kombiniert mit DIY-Pieces — wie dem selbstgebauten Esstisch aus Holz oder dem Couchtisch aus Zement — im Mid-Century Modern Style. Zweitens: Es ist wirklich ordentlich. Ihre Erklärung dafür haut mich schier von den Socken. Denn entgegen der Das-kann-man-doch-noch-gebrauchen-Philosophie hat sich unsere Titelheldin selber beigebracht, frei nach der Marie-Kondo-Methode auszumisten. Gefallen tut ihr daran insbesondere das Wertschätzen der Gegenstände, eben nur Sachen zu behalten, die einem wirklich Freude bereiten. Dass das gerade einer Frau nicht so leicht fällt, sieht man meist an ihrem Schuhschrank. Aber auch den hat Anne gerade um knapp 20 Paar erleichtert. Respekt.

Auf der Abschussliste stehen momentan auch ihre (ersten und letzten) Chucks aus Jugendzeiten. Für uns schlüpft sie noch einmal kurz in die abgetragenen Erinnerungs-Latschen. „Na ja, Geschmack evolves“, setzt Anne an, aber da brechen wir schon vor Lachen ab.

Ihr Bücherregal ist übrigens farblich sortiert. Hier finden sich ihre Lieblingsexemplare wie The Catcher in the Rye oder Der Vorleser und Bücher von Annes Herzens-Autoren Thomas Pynchon oder Siri Hustvedt wieder.

In ihrem Wohnzimmer entdecken wir auch eine eingerollte Yogamatte. Das passt, wie ich finde, denn die liebe Anne macht einen sehr ausgeglichenen Eindruck. Das kommt natürlich nicht von ungefähr. Nach der Trennung von ihrem Freund vor vier Jahren wollte sie erst mal Neues ausprobieren — da musste schließlich noch einiges raus. Kurzum: Anne reiste, bestieg Berge, lief den Halbmarathon und blieb nur zu gerne am Yoga hängen. Selbst wenn sie ihren Seelensport im bekannten Jivamukti Studio auslebt, begeistert sie im Kern eher die körperliche Arbeit, die viele unterschätzen. Yoga schafft es in ihren Augen, zwei essenzielle Sichtweisen zu kombinieren, indem es auf der einen Seite bestärkt, das Hier und Jetzt zu akzeptieren, aber darüber hinaus auch hilft, immer ein bisschen besser zu werden — für sich und für andere. Tja, positive Vibes kann unsere Anne.

Obwohl sie nicht spirituell wirkt — mal abgesehen von ihren glitzernden Slip-Ons aus Thailand, die sie gerade trägt — bringt sie viele Eigenschaften ihres Sternzeichens Waage mit. Zum Beispiel geht sie die Dinge grundsätzlich ausgeglichen an, findet gerne Kompromisse und vermittelt. Mit guten Argumenten kannst du Anne schnell überzeugen. „Ich verhandle mega gerne, außer auf Flohmärkten, da müsste ich noch dran arbeiten“, belächelt sie ihre kleine Kaufschwäche. Gewissenlosigkeit ist allerdings ein No-go. Jemand, der mit einer „Ist mir egal“-Einstellung durchs Leben rennt, schreckt sie mindestens genauso ab, wie jemand, der um jeden Preis mega korrekt sein möchte.

Ihr merkt: Anne steht mit beiden Beinen im Leben und weiß, dass man sich die Welt am besten so macht, “widdewiddewie sie einem gefällt“. Das spiegelt sich nicht zuletzt auch in ihren Job wider. Zur Zeit arbeitet sie in der Beratung eines sozialen Berliner Start-ups, das Geflüchteten Zugang zur höherer Bildung durch E-Learning Ressourcen verschafft. Echt stark, Anne.

In einer anderen Ecke ihres arty Wohnzimmers fällt mein Blick auf einen goldenen Vintage-Barwagen. Unsere Anne ist nicht nur ein kulinarischer, sondern auch ein Hochgenussmensch, wenn es um deliziöse Erfrischungen geht. Wäre sie ein Longdrink, dann sicher ein klassischer Old Fashioned (den trinkt sie auch am liebsten) – ein reifer (und nicht gerade schwacher) Drink mit einer spritzigen, erfrischenden Note für den gewissen Kick.

Bier und Wein gehen natürlich auch immer. „Sich nach dem Yoga am Kotti erst mal ein Alkoholfreies reinziehen — es gibt nichts Geileres“, haut sie dann raus und ich verliebe mich noch ein bisschen mehr.

So, jetzt noch mal zum Mitschreiben: Diese reizende, fleißig-intellektuelle Dame ist noch zu haben! Und sie ist ein richtiger Allrounder-Jackpot, denn sie bringt die lockere Vielfältigkeit gleich mit. Camping, Dixi, Festival, Rucksacktour? Logo! Oder lieber mal im Bikini und mit Sektchen in der Hand in der dampfenden Sauna entspannen? Anne ist am Start — und dann garantiert mit guter Laune und einem breiten Grinsen im Gesicht.

Deshalb staune ich mich auch nicht schlecht, als sie auf meine Frage hin mal eben einen Kopfstand vor uns macht oder am Ende unseres Spazierganges durch ihren Lieblingspark genau so viel Bock auf ein großes Bier verspür, wie wir. Traumfrau, sag ich ja!

Und wenn Anne jemanden kennen lernt, dann ist sie auch in dieser Hinsicht All-In. Das liegt auch daran, dass sie über die Zeit ihre eigenen Erfahrungen gemacht hat. Wie sonst hat sie es geschafft, aus ersten Tinderdates Freundschaften fürs Leben zu machen?

„Ich öffne mich recht schnell, weil ich denke, das braucht’s irgendwie dann auch, da investiere ich immer sehr viel von mir“, verrät sie uns. Unser Girls des Tages weiß also, was es braucht, um mögliche weitere Liebes-Türen zu öffnen. Und wer weiß, vielleicht bist du ja ihr nächstes Herzblatt?

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