Annabelle | 25 | Berlin

„Ich kann Tütensuppen nicht verstehen.“

Unsere heutige Single-Lady führt uns in den wunderschönen und (wie ich finde) zu Recht sehr beliebten Berliner Bergmann-Kiez. Auf uns wartet Annabelle und ein Team der ARD, die unser Porträt heute begleiten werden. Aufregend, also Klingelknopf gedrückt und los geht’s!

An der Tür steht eine sehr entspannt wirkende Annabelle und empfängt uns mit offenen Armen in ihrer entzückenden Wohnung. Auch ihre Katze Ophelia lässt sich das Geschehen nicht entgehen und bezirzt gekonnt alle Besucher. Nach einem kleinen Rundgang kann ich einen Anflug von Neid nicht unterdrücken – Annabelles Wohnung besticht nicht nur durch ihre Lage, sondern besonders durch ihren nostalgischen Charme – und on top natürlich durch die Bewohnerin, die wir gleich besser kennenlernen dürfen.

Aufgewachsen ist Annabelle in einem anderen schönen Berliner Kiez, dem Akazienkiez in Schöneberg. Die Liebe zu Berlin und einer geschmackvollen Umgebung wurden Annabelle also schon in die Wiege gelegt. Auf die Frage, ob sie noch Geschwister habe, antwortet Annabelle zwar mit nein, betont aber im gleichen Atemzug, dass sie sich trotzdem selten als Einzelkind gefühlt habe. Den Freunden ihrer Eltern und deren Kindern sei Dank. Gemeinsam erkundeten sie den Kiez, magisch angezogen von leerstehenden Häusern, die es zu entdecken galt, oder spielten mit Playmobil.

Manchmal schnappte sich Annabelles Papa auch spontan das Auto, packte Annabelle ein und los ging die Abenteuerreise – zu Freunden, der Tante nach Hamburg oder einfach mal raus aus Berlin. Gehört wurden dabei selbstgemixte Tapes und immer, wenn Annabelle ein Song gefiel, baute ihr Papa darauf ein neues Mixtape auf. We love that spirit! So entstand unter anderem auch Annabelles Vorliebe für die 20er bis 40er Jahre, aber dazu später mehr.

Umgeben von kreativen Eltern, abenteuerlustigen Freunden und Büchern wundert es nicht, dass Annabelle eigentlich kein klassisches Kindheitsidol hatte. Sie ging einfach ihren eigenen Weg. Na gut – Mary Poppins fand sie schon nice. Und die Freunde von Mullewupp lernte sie Wort für Wort auswendig und „las“ dann stolz aus dem Buch vor. An Einfallsreichtum hat es Annabelle einfach nie gemangelt.

Wenn sie nicht gerade mit ihren Freunden den Kiez unsicher machte oder ihre Nase in Bücher steckte, liebte sie es zu basteln, mit Holz zu arbeiten und wie wild mit der Kamera ihres Vaters zu knipsen. Weil der irgendwann seine Kamera wahrscheinlich auch gern mal wieder selbst nutzen wollte, bekam Annabelle mit 7 ihre erste eigene geschenkt. Eine Schule mit kreativer Förderung lag da auf der Hand.

Nach der Grundschulzeit, in der Annabelle sich kreativ ausprobieren und noch richtig Kind sein durfte, ging es weiter auf die Sophie-Scholl-Schule. Die unbeschwerte Zeit war erst mal vorbei und es hieß diszipliniert pauken, der Druck war ziemlich hoch. Mit 16, kurz vor dem MSA, streikten Körper und Seele und Annabelle entschied, dass sie so nicht weitermachen konnte. Sie wollte weg vom permanenten Leistungsdruck, wieder kreativ arbeiten und etwas mit den Händen (er)schaffen. Sie wechselte auf die Berufsschule, genauer gesagt zum OSZ Bekleidung und Mode und begann dort eine Ausbildung zur Schneiderin.

Das war besser, aber Annabelle war noch nicht am Ziel, es fühlte sich einfach noch nicht ganz wie der richtige Weg für sie an. Mit 18 holte sie also erst mal ihren mittleren Abschluss an der Volkshochschule nach. Mit diesem in der Tasche sollte eine weitere Ausbildung her. Während Annabelle in einem Ausbildungsbuch blätterte, folgte das Aha-Erlebnis. Sie entdeckte die Ausbildung zur Buchhändlerin und war völlig überwältigt von dieser, ihr bis dato unbekannten Möglichkeit, ihre Leidenschaft für Literatur zum Beruf zu machen. Gesagt, getan.

Es folgte eine Ausbildung bei Hugendubel, die Annabelle als „super Zeit“ beschreibt. Sie hatte sich gefunden und liebte die Vielfältigkeit dort – Buchempfehlungen schreiben, Marketing, Rechnungswesen – alles dabei. Eines ihrer liebsten Bücher ist übrigens Das Böse kommt auf leisen Sohlen von Ray Bradbury.

Wer denkt, wir seien jetzt am Ende von Annabelles Ausbildungsweg angekommen, irrt sich. Diese Frau steckt nicht nur voller kreativer Energie, sondern auch voller Biss und Tatendrang. Weil sie auch noch in 20 Jahren als Buchhändlerin arbeiten könne, wie sie sagt, sollte es für Annabelle vorerst noch einen Schritt weiter gehen.

2014/15 zog sie für die Liebe nach Kiel und holte dort ihr Fach-Abi nach. So landete sie im Bereich Wirtschaft und fand das zu ihrem eigenen Erstaunen sogar ziemlich geil. Kiel als Stadt hingegen konnte nicht wirklich überzeugen – zu viel Industrie, zu wenig Altstadt – und so kam Annabelle mit Wirtschafts-Abi und als Single vor zwei Jahren zurück nach Berlin. Welcome back!

Hier studiert sie seitdem Marketingkommunikation an der design akademie berlin und arbeitet nebenbei im Bereich Brand Marketing. Freie Tage weiß Annabelle deshalb besonders zu schätzen und lässt sich an diesen gern treiben. Ausschlafen, lesen, gemütlich frühstücken z.B. in der Mokkabar oder im Café Milagro, durch den Kiez oder über einen Flohmarkt schlendern – sich Zeit nehmen für die schönen Dinge eben.

Ihre Feier-Hochphase hatte Annabelle schon zwischen 16 und 20, deshalb verbringt sie Abende mit Freunden jetzt viel lieber in einer Bar wie z.B. Nathanja & Heinrich in Neukölln oder auf Veranstaltungen der Bohème Sauvage. Gerade hat sie als liebstes Getränk für den Abend Gin für sich entdeckt, findet aber auch „Bier mit Charakter“ (O-Ton) gut. Bei der Wahl der Location geht es für Annabelle aber vor allem um die Musik. Elektroswing oder Musik mit viel Bass – hallo Elektro und Techno! – bringen ihr Ausgeh-Herz zum Hüpfen. Zuhause hört sie viel Jazz, Swing, Rock’n’Roll oder Akustik/Indie und legt gern mal eine Platte von Billy Holiday, Frank Sinatra, Nina Simone, Leon Bridges oder Cat Power auf. Genau unser Geschmack!

Ihre Liebe zu Vintage zieht sich durch Annabelles gesamte Persönlichkeit. Sie liebt es, durch Vintageläden oder über Flohmärkte zu streifen, in die Jahre gekommenen Möbelstücken zu neuem Glanz zu verhelfen, alte Schnittmuster modern zu interpretieren und zieht generell den analogen Genuss dem digitalen (Konsum) gern vor. Die digitale Welt ist ihr manchmal einfach zu unverbindlich.

Auch bei Filmen wird Annabelle gern „in eine komplett andere Welt entführt“ und wer kann das so gut wie kaum ein anderer? Richtig – Wes Anderson! Seine Filme bringen Annabelle zum Schwärmen. Bei Serien darf es dann gern in Richtung Spannung und Krimi gehen – Peaky Blinders und True Detective werden uns von Annabelle als Favoriten genannt.

Annabelle liebt Regen, das Meer, Worte und Persönlichkeiten (im Leben wie in Filmen). Mit smalltalkliebenden Besserwissern, die ihr die Welt erklären wollen und Auberginen umgibt sie sich weniger gern. Und worauf legt Annabelle bei einem Partner wert? Punkten kannst du mit Charakter(stärke), Authentizität, Stilbewusstsein und als absolutes Plus (aber nicht Muss) mit Bart (hihi). Mit dir kann man gut reden, auch mal diskutieren, Pferde stehlen und du lässt dich auch von ihrem starken Charakter nicht so schnell einschüchtern? Perfekt!

Ich könnte euch noch so viel mehr von Annabelle erzählen, aber findet den Rest mal lieber schön selbst raus. Nur so viel sei noch kurz verraten: Ganz nebenbei erwähnte Annabelle noch im Gespräch, dass sie seit Kurzem Burlesque tanzt. Wahnsinn, oder?

Wir sind ganz verliebt in diese ehrliche, kreative Vintage-Liebhaberin mit viel Kopf und Herz und dem Blick fürs Detail. Dir geht es ganz genauso? Dann nix wie ran ans Kontaktformular und in die Tasten hauen! Eine große Portion deines Charakters, einen Löffel Humor und eine Prise Selbstironie in deinen Text und dann schlenderst du vielleicht schon ganz bald, mit einem Pale Ale in der Hand, gemeinsam mit Annabelle durch den Kiez. Lass dich verzaubern!

Kontakt

Sorry, Annabelle hat jemanden kennengelernt. Du kannst ihr leider nicht mehr schreiben.

Aber keine Sorge. Mehr Mädels aus Berlin gibt es hier.

Written By
More from Jule

Lofoten | Von Mitternachtssonne, Felsen und Trockenfisch

Seitdem ich im Fernsehen eine Reisedoku über die Lofoten – einer Inselgruppe...
Read More