Zwischen MDMA-Tief und der Verantwortung für ein Kind

Wenn man Kids hat, ist es mit dem Feiern vorbei. Schluss, Ende, ausdiemaus. Das muss ich mir unter anderem von meinem Freund sagen lassen, wenn ich verlauten lasse, dass ich ja auch schon mal gerne eins hätte. In Zukunft. Naher Zukunft, vielleicht. Wenn alles klappt, vorausgesetzt. Und ich mit dem gelegentlichen (lol, ziemlich regelmäßigen) Rauchen aufhöre.

Ob das denn wirklich so ausschließlich und in Stein gemeißelt ist, bleibt fraglich. Sicher eine Individualentscheidung. Dann gibt es noch unbeeinflussbare Umstände, glückliche, weniger glückliche oder ambivalente, die machen die Sache eh uneindeutig. Aber es gibt Eltern, die weiterhin ihr Geld im Nachtleben verdienen, als DJ, Techniker*in, Türsteher*in, Barfrau/-mann, whatever. Und weiterhin Menschen mit Kiddies, die auch ab und an noch ausgiebig feiern sind. Eltern in ihren Zwanzigern, Dreißigern, Vierzigern.

 

1 + 1 = 3

Ich habe zwei höchst elterliche Menschen aus dem Nachtleben befragt – eine Mama, einen Papa. Papa PERM ist DJ und Liveact (hier anzusehen bei seinem Boilerroom-Auftritt im Institut für Zukunft, den sogar die Groove ab und zu empfiehlt), Mama Luise ist Grafikdesignerin, Friend-in-need und in-deed, Feiergängerin und Dschungelkönigin, wenn sie mit dem Rucksack durch Thailand läuft.

Luise ist 32, selbstständig, macht Filmschnitt und Motiondesign (und so Sachen), hat in Dessau studiert und einen Sohn. Ihr Sohn ist drei Jahre alt und hat keine allzu großen Sympathiegefühle für mich, da ich seine Mutti in Anspruch nehme. Mir fällt wieder ein, dass ich generell nicht so die Kinderflüsterin zu sein scheine …

Kleine Sidestory: Ich stand einmal auf unserem Balkon im Erdgeschoss und hängte meine Wäsche ab. Ein Kind spielte im Vorgarten und wollte mich doch tatsächlich mit einem Stock bewerfen – es war der Meinung, ich sei eine Gefahr für die Gesellschaft, nämlich eine Hexe. WTF. Kinder und ihre blühende Fantasie. Nun ja, zurück zum Thema.

 

Gästeliste + 1

Luise feiert seit sie 15 ist, gerne auch ausgelassen die Nächte durch, WG-Party, Festival, Club – alles, her damit. Es wäre offensichtlich gelogen, hätte es seit der Geburt ihres Sohnes keine Veränderung gegeben. Man muss sich gemeinsam mit irgendwem organisieren, sei es nun der/die Partner/in, ein enger Freund, die eigene Mama oder der Opa. Man muss genau auswählen, wofür man seinen wortwörtlichen Feierabend einlöst, seit die Beziehung zu sich und anderen zwangsweise aus Gästeliste+1 besteht.

Luise ist es aber elementar wichtig, nicht nur eine „verantwortungsfreie“ (aufgepasst, nicht verantwortungslose) Zeit für sich nutzen zu dürfen, sondern auch einfach mal Gespräche und Erlebnisse mit Menschen zu teilen, die keine Kinder haben und damit vielleicht auch nicht viel anfangen können (soll‘s geben…).

Als Mami eines Sohnes schwankt Luise im Alltag von „Wo ist mein Leben hin?“ zu „Ich vermiss‘ ihn“.

Wie das funktionieren kann? Mit dem Partner absprechen und sich einem ganz neuen Genuss hingeben: Vorfreude. Vorfreude. Vorfreude, denn man kann nur noch bewusst und geplant ausgehen, „spontan zwei oder drei Wein um die Ecke trinken“ geht eher nicht so oft. Eher mal so gar nicht. Als Mami eines Sohnes schwankt Luise im Alltag von „Wo ist mein Leben hin?“ zu „Ich vermiss‘ ihn“, was ich nur allzu nachempfindenswert finde.

Süße Family, in der sich die Partner dem jeweils anderen das Ausgehen zugestehen und zu den jeweiligen Geburtstagen die Großeltern rangeholt werden, die das Enkelchen auch mal ein Wochenende bespaßen. Während seine Eltern Spaß im Club haben. Ha! Also, alles gar kein Riesending. Nur das „Wo ist mein Leben hin?“ klingelt mir noch lachend in den Ohren.

 

„Ich möchte mit 50 nicht mehr im Club stehen, selbst wenn ich könnte.“

In meinem Notizbuch blättere ich ein paar Seiten weiter, auf der obersten Kante steht: PERM aka Stefan. Hab ich ja schon erklärt, dass er seit sechs Jahren DJ, Producer, Live-Act und interessanterweise verheiratet (mit 28!) und Papa ist. Seine Tochter ist zwei Jahre alt und hat den wunderschönsten Mädchennamen on earth: Rosa.

Früher, v. R. (vor Rosa), war Stefan jedes Wochenende aus, privat und beruflich. Jetzt kann er sich an nur ein einziges Mal in den letzten zwei Jahren (what a coincidence…) erinnern, an dem er privat im Institut für Zukunft feiern war. Man muss sich das so vorstellen: Unter der Woche kümmert sich Stefan ums Kind und am Wochenende arbeitet er als Liveact oder DJ in Clubs.

Man kann sich keine zwei Tage oder mehr Zeit lassen, um wieder klarzukommen, weil da ein dritter Mensch sitzt, der den Papa braucht.

So richtiges, privates Feiern geht also nicht mehr? Geht schon, aber nicht wie früher. Man kann sich keine zwei Tage oder mehr Zeit lassen, um wieder klarzukommen, weil da ein dritter Mensch sitzt, der allerspätestens zum Mittagessen den Papa braucht. „Ich bin eigentlich froh, dass die Feierzeiten vorbei sind“, lacht Stefan. Waaaaaaaaas?

„Es stellt sich eine gewisse Sehnsucht nach Sicherheit ein. Früher hab ich mir Platten gekauft und hab in der letzten Woche des Monats nichts mehr zu essen gehabt“ – diese Attitüde gehört der Vergangenheit an. Kinder schaffen scheinbar Strukturen, denen man sich aus Verantwortungsbewusstsein unterordnen muss/möchte/will.

 

Schlusswort

Es gibt also keinen Widerspruch von Nachtleben und Kinder haben. Aber das friedliche Co-Existieren ist abhängig von Ressourcen und Interessen – nicht nur den eigenen, sondern von vielerlei Bekannten, Freunden und möglicherweise des/der Partners*in.

Hier habe ich mir völlig zufallsfrei zwei Beispiele herausgesucht, bei denen es mehr oder weniger funktioniert oder aus Berufswegen funktionieren muss, Teil des Nachtlebens zu sein und zu bleiben. Fand ich spannend und daher teile ich das mit euch.

Ich selbst bin zu dem Schluss gekommen, dass man hier, wie bei allem, nichts beweisen kann – nur gut belegen, dass Nachtleben und Elternschaft sich nicht ausschließen (müssen). Zum Glück.

Headerfoto: Daniel Monteiro via Unsplash.

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