Wir, die Prediger. Die Prediger und wir.

Wir sind die besten Datedoktoren, Lebenscoaches und Schlussmacher. Zumindest solange wir nur Ratschläge erteilen müssen.
Sobald wir selbst in der Situation stecken, sind all die Tipps, die wir gestern noch der besten Freundin erteilt haben, wie weggewischt.
Unter Frauen ist ja der Datedoktor besonders beliebt. Vor allem dann, wenn Freundin X auf Kerl Y steht. Wochenlang wird über das Objekt der Begierde diskutiert, überlegt und vor allem interpretiert, anstatt ihn einfach mal zu fragen, ob die Objektbeschreibung auf Gegenseitigkeit beruht.
Und so schnell sind wir angekommen, bei der Predigt. Dabei sind die größten Angsthasen meist die besten Prediger.
Ich zum Beispiel, würde mir eher fünfmal hintereinander Twilight reinziehen und dabei einen Mexikaner nach dem anderen kippen, anstatt zu fragen: „Hey du, sag mal, was ist das eigentlich zwischen uns?“

Wer hat sich den Blödsinn eigentlich ausgedacht?

Tatsächlich ist es so, dass wir eine Situation rationaler beurteilen können, wenn wir nicht selbst drinstecken. Je mehr Bedeutung wir dem Ganzen für uns zuschreiben, umso emotionaler werden wir. Eigentlich ganz schön kontraproduktiv. Es geht um uns, unser Leben, unsere Gefühle und unsere Beziehungen zu Personen, die uns (sehr) wichtig sind und deine Gedanken und Überlegungen feiern eine einzige Party mit Zweifeln und Angst und anderen bewusstseinsverändernden Substanzen, die niemand so recht benennen kann.

Die Erlösung

Da kommen die Prediger gerade recht. Die Party wird aufgelöst, oder sortiert sich zumindest in Grüppchen, anstelle des unendlichen Wirrwars. Die Substanzen werden beiseitegestellt. Der emotionale Schleier weicht dem rationalen Ordnungsfanatismus.
Wir alle predigen. Aber wir alle kennen auch die andere Seite der Medaille, bei der wir bekehrt werden möchten, oder sogar müssen.
Und falls euch jetzt ein ganz bestimmter Freund oder eine ganz bestimmte Freundin in den Sinn kommt, der/die die Predigten mit Löffeln gefressen zu haben scheint:
Die predigen nicht. Die klugscheißen.

Lisa hat dem Himmel schon öfter mal den Mittelfinger gezeigt. Tagsüber umgeben von bekloppten Naturwissenschaftlern und 200.000 Büchern, nachts umgeben von tiefsinnigen Gesprächen, die auch nach dem sechsten Tequila noch ein gewisses Niveau haben. Manchmal fällt sie ein bisschen zu sehr in den See der Tiefsinnigkeit und lacht dann so lange unsinnig vor sich hin, bis sie wieder sagen kann: „Das Leben hat mir eine Zitrone gegeben. Hol mal den Tequila!“ Mehr davon gibt es auf Gehirnflüsterer.

Headerfoto: Lilit Matevosyan via Creative Commons Lizenz! (Gesellschaftsspiel-Button hinzugefügt.) Danke dafür!

imgegenteil_Lisa

 

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