Wie schnell geht verlieben?

Wie schnell geht verlieben? Wie schnell stürmst du an die Tür, wenn es klingelt? Wenn du den ganzen letzten Tag auf dieses Geräusch gewartet hast? Wie schnell verzaubert dich eine Nachricht von ihm, wenn er dir schreibt, und wie schnell greifst du nach deinem Smartphone? Wann ist schnell zu schnell? Wann ist es ein Herzklopfen zu viel? Wann zu stark? Und wann zu bedeutend?

Gedanklich bin ich bei unserer letzten Nacht. Wie dein Blick auf meiner Haut brennt, wie sich unser gegenseitiges Verlangen vereint und wir nicht voneinander lassen können. Wie du mich ansiehst, anfasst, festhältst.

Jetzt, Stunden später, schmeckt es immer noch danach auf meinen Lippen. Immer noch nach dir, nach mir, nach uns. Als wir uns sahen, wusste ich, du bist da, aber nicht ganz allein, bist mit dem Kopf weit weg. Bei deinen Sorgen, bei deiner Traurigkeit. Ich möchte dich die ganze Zeit ansehen, will jemanden, der mich die ganze Zeit ansieht, anlächelt, mich wahrnimmt. Kleinigkeiten.

Ich drücke sanft die Tür auf und schiebe mich hindurch, ziehe eilig meine Schuhe aus, höre Stimmen und gehe ins Wohnzimmer. Sehe dich, sehe wie du auf mich zugehst, mich beäugst, anlächelst.

Wenn wir ins Bett gehen, schlafen wollen, dann ist mein Körper müde, ausgelaugt, meine Wangen tun mir weh vom vielen Grinsen und Lächeln und Lachen. Meine Füße sind kalt, ich schiebe sie zwischen deine Oberschenkel, damit sie wieder warm werden. Du zuckst kurz zusammen. Ich rücke mich selbst ein Stück näher an dich heran, als ob ich dir noch näher sein könnte, als ob ich in dich hineinkriechen könnte. Fahre mit meinem Zeigefinger über deine Konturen, zeichne deine Muskeln nach.

Mein Kopf glüht. Sehe, wie deine Augen immer schwerer werden, so schwer wie Blei. Deine Muskeln beginnen zu zucken, immer dann, wenn du dich dem Schlaf hingibst. Ich beobachte dich noch eine Weile und fast ist es so wie unendlich.

Janina ist 24 Jahre alt und lebt im wilden Berlin. Sie liebt Dinge, die man nicht anfassen, aber fühlen kann. Wenn sie nicht schreibt, fotografiert sie, liest philosophische Bücher oder wartet ungeduldig auf den Sommer. Durchtanzte Nächte, wenn auch selten, Fahrtwind in ihren Haaren, Sommerregenduft und lachen bis der Bauch weh tut, mag sie besonders gerne.

Headerfoto: Franca Gimenez via Creative Commons Lizenz!

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