Wie geht Liebe?

Was für einen Maler die Farben sind, die Pinsel und die Leinwand, das sind für mich die Worte. Auf meine Worte kann ich mich immer verlassen. Mit ihnen kann ich Luftschlösser bauen. Die Welt mit Watte auslegen. Mauern einreißen. Und Sturm feuern. Sturm feuern kann ich am allerbesten. Ich schütze mich und alles, was mir lieb und teuer ist.

Doch egal, ob ich die Worte speie, flüstere oder schreibe, bei dir kommen sie nicht an. Sogar herunterschlucken kann ich sie, doch … nichts.

Ich bin gefangen in einer Einbahnstraße, die nirgends hinführt. Und ich hasse es. Du aber weißt es vermutlich noch immer nicht. Du kannst es nicht sehen, ja noch nicht einmal spüren: wie sehr ich für uns kämpfe.

Ja, ich bin kompliziert. Ja, ich bin anstrengend. Ja, ich verlange dir viel ab. Aber ich habe so unendlich viel zu geben. Ich gebe dir so unendlich viel. Vielleicht siehst du es nicht, vielleicht kannst du es nicht spüren, aber ich gebe dir all meine Energie.

Du kannst mir vorwerfen, was du willst. Aber nicht, dass ich mich jemals von dir abgewandt hätte. Vielleicht bin ich aus dem Raum gestürmt, habe auf dem Fuße kehrtgemacht, um in eine andere Richtung zu gehen. Aber niemals habe ich mich von dir entfernt. Ich habe mir an dir die Zähne ausgebissen. Du hast mich zur Weißglut getrieben. Du lässt mich verzweifeln. Aber was ich auch getan habe, tat ich im Kampf um uns.

Ich hielt dich nachts wach, um zu diskutieren. Damit wir eine bessere Liebe haben. Ich kritisierte dich, damit wir eine bessere Freundschaft haben. Ich verletzte dich, damit du verstehst, wie verletzlich ich bin. Ich hab dich nie in Ruhe gelassen. Das war nervig. Das war anstrengend. Ich weiß. Aber in Ruhe lässt man jemanden erst dann, wenn man aufgegeben hat. Wenn es einem egal ist.

Und du? Bestrafst mich mit Kälte. Drehst mir den Rücken zu. Schließt die Augen und spuckst eisige Silben. Immer nur eine auf einmal. Aber ich will nicht frieren, hörst du? Ich muss brennen. Vielleicht kann ich dann uns beide wärmen?

Nein.

Ich kämpfe alleine auf verlassenem Posten. Und du schaust mir dabei zu und sagst: „Hab ich mir doch gleich gedacht, dass du es nicht schaffst.“ Aber Liebe geht so nicht.

Ich bin wahrlich nicht perfekt. Ich habe schlimme Dinge gesagt, schlimme Dinge getan. Aber immer – ausnahmslos immer – habe ich versucht, es dir zu erklären. Dich reinzulassen in mein Herz. Ich wollte so sehr, dass du mich verstehst.

Und du? Lässt mich nicht rein. Stößt mich weg. Nur um mich dann wieder ein Stückchen ranzuholen. Nah heran vielleicht, aber niemals rein. Ich kann nicht mit dir reden. Meine Worte versagen. Die Erklärungen verstehst du nicht. Die Fragen beantwortest du nicht. Alles was ich bekomme ist ein: „Weiß ich nicht.“ Aber Liebe, verdammt noch mal, geht so nicht.

Du musst aufmachen. Du musst sprechen. Beschreibe mir, wie es dir geht. Da ist keine Energie mehr, dich zu studieren, zu interpretieren. Es ist so kräftezehrend. Immer arbeite ich und rede ich für uns beide. Ich kann das nicht mehr. Ich brauche einen Partner.

Wenn du in meiner Nähe sein willst, dann sag, dass du in meiner Nähe sein willst. Sag mir, dass du mich liebst, wenn es so ist. Brenne endlich für mich. Kämpfe für mich. Lerne, wie man Gefühle fühlt. Wie man sie erkennt und wie man sie teilt. Bestrafe mich nicht, wenn ich etwas falsch gemacht habe. Sondern erkläre es mir. Sei nicht hart, wenn ich dich verletzt habe. Sei weich und warm. Sprich mit mir. Erzähl mir von deinem Seelenleben. Von deinen Bedürfnissen. Von deinen Ängsten. Sag mir, was dir Spaß macht. Sag mir, was du brauchst. Sag es mir und ich werde versuchen, es dir zu geben. Aber ich werde nicht mehr fragen.

Ja, das ist anstrengend. Ja, das nervt. Es ist nicht cool, es ist nicht „männlich“. Es kostet Zeit und Energie. Aber so geht Liebe.

Und ich weiß: Der einzige Weg aus einer Einbahnstraße, die nirgends hinführt, ist umdrehen und gehen.

Lori kotzt sich gerne aus. Vor allem Wörter. Und wenn die Seiten sich dann vollsaugen, denkt sie gerne nach. Zum Beispiel darüber, wie scheiße schön das Leben ist, das manchmal ganz schön scheiße ist. Meistens macht sie das in Berlin. Ab und zu auch noch im Ruhrgebiet. Aber immer nur für sich. Bis jetzt. Mehr gibt es hier.

Headerfoto: Amy Clarke (Gedankenspiel imprint added) via Creative Commons Lizenz 2.0!

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