Wie dein Schmerz dir helfen kann, ein glückliches Leben zu führen

Viele unzählige Stunden meines Lebens habe ich damit verbracht, zu erspüren, was mich wirklich glücklich und frei macht. Ich durfte intensive Verbundenheit mit mir selbst, intensive Verbundenheit mit wundervollen Menschen und vor allem das in allen Bereichen meines Lebens erleben, was man als Selbstverwirklichung bezeichnen würde. Wenn man mich nun danach fragen würde, was es braucht, um ein glückliches Leben zu führen, könnte ich selbst an der Oberfläche vermeintlich tiefgründig klingende Antworten geben: Selbstliebe, Selbstausdruck, eine liebevolle Verbindung zum eigenen Körper und zwischenmenschliche Beziehungen, die uns emotional nähren! Wie lichtvoll und schön das klingt. Ich weiß.

Und doch fand ich die tiefste meiner Antworten in der Dunkelheit. In dunklen Stunden meines Lebens, in denen ich mich schwach, ungeliebt und vom Leben betrogen fühlte. In denen meine Seele schmerzte. Und alles in mir kämpfte und Widerstand leistete.

Ich fand die tiefste meiner Antworten in der Verbundenheit mit meinem Schmerz, in jenem Gefühl des inneren Friedens, wenn ich mich dem hingab, was in mir brannte, was mir das Herz zuschnürte und wie eine zentnerschwere Last auf meiner Seele drückte. In jenem Gefühl wahrer, bedingungsloser Selbstliebe, die mich mit tiefer Ruhe erfüllte, als ich auch mein schwaches, verletzliches Ich liebevoll zu mir zurückholte. Das zwanghafte Nach-Vorne-Preschen Richtung Glück und Richtung Freiheit losließ und meinen Fokus auf das richtete, was so sehr meiner Zuwendung bedurfte: Mein Schmerz. Mein verletztes, verlassenes inneres Kind. Meine emotionalen Muster, die mir suggerierten, ich sei nicht gut genug und mich einen endlosen Kampf um Liebe und Anerkennung führen ließen.

Ja, in der Verbundenheit mit diesen schmerzhaften Themen, denen wir uns von Natur aus so ungerne stellen, fand ich das, wonach sich meine Seele wirklich sehnte. Nach Heilung. Nach Ganzheit in mir selbst. Und nach einer Freiheit, losgelöst von allem Streben nach Sinn, Glück und Liebe. Nach meinem inneren Licht, das unter all den Schichten der Angst, unter all den schmerzhaften Storys, die mein Kopf als Reaktion auf Ablehnung und Trauer über mich, das Leben und die Liebe produziert hatte, unbeeindruckt vor sich hinfunkelte.

Ich glaube, dass Glück, Freiheit und bedingungslose Selbstliebe, ja der Zustand der Vollkommenheit in uns selbst unser natürlicher Zustand sind. Und dass dieser Zustand nichts ist, worum wir kämpfen müssen. Es ist ein Zustand, der sich von ganz alleine einstellt, wenn wir das heilen, was in den Tiefen unserer Seele unseren Schmerz nährt und erlöst werden möchte. Ein Schmerz, den wir oft nur in emotional intensiven Situationen wirklich spüren können. Und vor dem wir nur zu gerne ausweichen, indem wir uns leidenschaftlich unseren erlernten Verdrängungsstrategien widmen.

Wir werden nicht heil, ganz in uns selbst frei und glücklich, indem wir unsere innere Leere permanent durch Endorphin-Kicks im Außen füllen.

Aber nein. Wir werden nicht heil, ganz in uns selbst frei und glücklich, indem wir unsere innere Leere permanent durch Endorphin-Kicks im Außen füllen. Nicht heil, ganz, frei und glücklich durch die Kämpfe um Liebe, Zuwendung und Bestätigung, die wir durch ein Streben nach Schönheit, Glanz und makellosen Beziehungen führen. Und auch nicht heil, ganz, frei und glücklich indem wir die Lebendigkeit, die wir nicht in unserem bloßen Sein erfühlen können, durch künstlich erzwungene Lebendigkeit in unserem Liebesleben, durch Feiereskapaden oder exzessives Reisen zu erschaffen versuchen. All dies wird uns langfristig immer nur noch weiter von uns selbst wegführen.

Möchten wir bei uns ankommen, ja wirklich heil, ganz, frei und glücklich sein, müssen wir aufhören, vor unserem Schmerz zu flüchten, aufhören ihn zu verdrängen, zu ignorieren, zu leugnen und damit einen Teil von uns abzuspalten, der zu uns gehört. Stattdessen dürfen wir das eingehen, was uns am meisten Angst macht: Die Begegnung mit uns selbst, mit samt alledem, was weh tut. Teilweise so weh, dass wir glauben, wir würden davon verschluckt werden, wenn wir auch nur einen unverbindlichen Blick auf diese Wunden werfen.

Die Wahrheit ist: Je tiefer wir in die dunkelsten Tiefen unserer Seele tauchen, je tiefer wir mit uns selbst verbunden sind, desto freier werden wir. Desto bewusster darüber, was uns darin hindert, uns selbst zu lieben, geliebt zu werden, unsere Kraft anzunehmen, und in allen Bereichen das Leben zu führen, was uns fernab aller negativen Glaubenssätze über uns selbst wirklich auf der Seele brennt. Desto bewusster darüber, wo wir vor uns und unserer inneren Wahrheit weglaufen und welche Strategien wir uns dafür angeeignet haben. Und desto bewusster darüber, dass das Tor zu unserer größten Angst, nämlich die Wunden unserer Seele zu fühlen, gleichzeitig das Tor zu unserer größten Freiheit ist!

Das größte Geschenk, was wir unserer Seele machen können, ist die Begegnung mit uns selbst und die Heilung all jener Verletzungen und Glaubens- und Gefühlsmuster, die unser inneres Licht verdunkeln! Ich wünsche uns allen Verbundenheit mit uns selbst und mehr Mut zur Verletzlichkeit!

So much love,
Dein Ludwig

2 Comments

  • sofie sagt:

    Ich bin nicht gut darin meine GEdanken und Gefühl wahrzunehmen und schon gar nicht sie zu Papier zu bringen.

    Darum ,einfach nur Danke.

  • Anna sagt:

    Großartig. Genau diesen Weg möchte, nein, MUSS ich einschlagen. Aber wo ist die pragmatische ,,Anleitung“? Wie geht man die Reise an? Meditation? Einen ganzen Tag sich selbst, ohne Musik, Smartphone und lediglich einem Stift und Papier gewappnet, zuwenden?
    Kindheitstrauma bewusst hochkommen lassen?
    Oder einfach dasitzen, bis der Schmerz dich aus dem Nichts überfällt und die anschließende Erlösung mit wehenden Fahnen vorbeizieht?

    Würde mich tierisch über Feedback freuen 🙂

    Anna

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