Wer glücklich sein will, muss Entscheidungen treffen können

Jeder, der etwas in seinem Kopf abwägt, steht vor einer Entscheidung. Einige lassen sich ganz rational treffen, andere wirbeln so viele Emotionen in uns auf, dass wir ihnen keinesfalls leichtfüßig begegnen können. Vor allem, wenn die Entscheidung andere vor den Kopf stoßen würde. Das, was im ersten Step schon schwer genug war – ehrlich zu sich selbst zu sein und herauszufinden, was einen wirklich glücklich machen würde – wird dann noch getoppt.

Wir müssen den Mut finden, uns für uns zu entscheiden, auch wenn wir wissen, dass wir andere damit verletzen. Es ist nicht einfach, der einzige Grufti in der Grotte zu sein, der tagsüber mal Lust hat, die Vorhänge aufzuziehen, aber es ist möglich.

Obwohl wir täglich damit konfrontiert sind, gehört „Entscheidungen treffen“ gefühlt zur Königsdisziplin im Leben. Ich erinnere mich, dass ich als Kind bei Restaurantbesuchen mit meiner Bestellung immer gewartet habe, bis alle ihr Essen hatten, um dann einen Teller mit meinen persönlichen Favourites zu bestellen. Hui! Das, was damals noch eine große Herausforderung für mich war, gehört heute natürlich zu den Luxusproblemen unter den Entscheidungen.

Es ist fast unmöglich, eine Entscheidung zu treffen, die keine Konsequenzen für die Menschen hat, die uns nahestehen.

Um die wirkliche Wurst geht‘s bei ganz anderen Dingen. Zum Beispiel wenn wir unseren Lebensweg gestalten. Es ist fast unmöglich, eine Entscheidung zu treffen, die keine Konsequenzen für die Menschen hat, die uns nahestehen. Vielleicht sind sie sogar direkt involviert. Natürlich fühlen wir uns für ihr Wohl mitverantwortlich und wollen ihnen am liebsten immer nur Gutes tun.

Doch das Leben wäre ja fast langweilig, wenn alles so glimpflich ablaufen würde. Deswegen kommt immer mal wieder der Punkt, wo wir den Liebsten mit unseren Entscheidungen auf den Schlips treten müssen. Mal nur mit einem Ballerinaschuh, mal mit Thors Hammer.

Und auf einmal steht unser alter (und sehr lästiger) Kumpel wieder auf dem Plan. Herr Angstmann, vom Typ „Was, wenn du einen Fehler machst? Das würdest du ewig bereuen“. Im schlimmsten Fall bringt uns das dazu, unsere Gedanken von einem glücklicheren Sein zu verdrängen und gar keine Entscheidung zu treffen. And that, ladies and gentlemen, is the beginning of misery (Zonk-Sound). Unsere Bedürfnisse dürfen nicht auf der Strecke bleiben!

Keine Entscheidung zu treffen ist … die falsche Entscheidung zu treffen.

Keine Entscheidung zu treffen ist … die falsche Entscheidung zu treffen, denn es heißt, sich in diesem Moment nicht für sich zu entscheiden. Bevor ich mental-health-mäßig zumindest mal einen Break Even erreicht hatte und es mir wichtig wurde, glücklich zu sein, habe ich oft gedacht: Ach komm, ist doch alles okay so, was soll das jetzt? Und es muss ja auch nicht jede Entscheidung die Entscheidung für das Neue sein.

Es gibt gute Gründe, Dinge doch so zu lassen, wie sie sind. Ich glaube nur, dass wir uns in diesen Fällen einen großen Gefallen tun, wenn wir uns genauso bewusst für den Bestand entscheiden, so wie wir uns für die Veränderung entschieden hätten. All in und die anderen Gedanken loslassen. Nur wenn das nicht geht, dann muss man ran. In voller Konsequenz. Also, den lästigen Kumpel freundlich von der Bühne bitten und performen.

Aber woher nimmt man den Mut für die Veränderung? Zu allererst glaube ich, dass man in seine eigenen Wünsche und Vorstellungen genauso reinwachsen muss, wie man sich auch selbst erst einmal kennenlernen muss. Bei mir klopfen neue Ideen leise an und ich finde es total okay, ihnen am Anfang mit einem „time will tell“ zu begegnen.

Und das Beste, was du meiner Meinung nach machen kannst: Sei ehrlich.

Manche von ihnen verflüchtigen sich wieder, andere klopfen lauter. Dann nehme ich mir die Zeit dafür, die Idee zu visualisieren und für mich zu begreifen. All diese Gedanken, die folgen, geben einem selbst eine Sicherheit über sein Verlangen und wappnen einen für den Moment, wenn die Zeit reif ist. Reif zum Handeln und reif zum Reden. Und das Beste, was du meiner Meinung nach dann machen kannst: Sei ehrlich.

Es ist kein Garant dafür, dass es keinen Streit gibt oder keine Herzen brechen, aber ich glaube fest daran, dass sich Ehrlichkeit über lange Zeit hinweg durchsetzen wird. Jeder schätzt sie und wird im besten Fall irgendwann die negative Emotion mit dem Gedanken heilen können: „Wenigstens war sie/er ehrlich.“

Ich finde außerdem, dass es nichts Entwaffnenderes gibt, als ehrliche Worte. Wenn mir jemand ehrlich sagt, was er denkt, was er fühlt und was er braucht, kann ich ihm daraus keinen Strick drehen. Ganz im Gegenteil. Vielleicht habe ich sogar die Kraft, diese Worte als Geste der Wertschätzung zu sehen. Whatever happens: Bleib ehrlich dir selbst gegenüber.

Genauso wie ich mir für mich wünsche, dass ich glücklich bin, wünsche ich es jedem anderen.

Für mich hat Glücklichsein viel mit einem selbstbestimmten Leben zu tun. Ich höre auf mein Bauchgefühl und versuche, mir treu zu bleiben. Genauso wie ich mir für mich wünsche, dass ich glücklich bin, wünsche ich es jedem anderen. Und in the long run – wenn einer im Konstrukt nicht happy ist, werden es die anderen drum herum auf Dauer auch nicht sein. Also eigentlich win win für alle.

Ich glaube daran, dass jede Entscheidung, die auf ehrlichem Boden gefällt wird, bombensicher ist und sich von dir vor dir und anderen, über alle stürmischen Zeiten hindurch nachvollziehen lässt. Und das ist ein richtig gutes Gefühl. #noregrets #gohomeangstmann

Headerfoto: Frau mit Brille via Shutterstock.com. („Wahrheit oder Licht“-Button hinzugefügt, Bild gespiegelt.) Danke dafür!

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