Arbeiten mit dem Partner – wenn man Job und Leben teilt

“Geht man sich eigentlich nicht auf die Nerven, wenn man sich 24h am Tag sieht?” Das ist die Standardfrage, die mindestens in jedem zweiten Interview gestellt wird. Natürlich geht man sich mal auf die Nerven! Aber ist das nicht auch ganz normal, wenn zwei Menschen viel Zeit miteinander verbringen? Daniel und ich, wir sind schon ziemlich lange ein Paar. Ich war zarte 16 als wir zusammen gekommen sind. Zu diesem Zeitpunkt wurde ich gerade erst von meiner langjährigen festen Zahnspange befreit.

Die ersten drei Jahre unserer Beziehung haben wir uns meist nur am Wochenende gesehen. Ich ging noch in die Schule und der Weg zu Daniel war sehr weit, zumindest für damalige Verhältnisse. Dass wir irgendwann zusammen arbeiten würden, war so direkt nie geplant. Jetzt finde ich das – ehrlich gesagt – wirklich toll.

Wir sind ein eingespieltes Team, wissen wie der jeweils andere tickt, halten uns den Rücken frei, wissen auch, wann der andere mal seine Ruhe braucht. Das ist ein wichtiger Stichpunkt. Genug Abstand ist gut. Dem anderen genug Luft zum Atmen geben, ihn auch mal alleine lassen, wenn er das braucht.

Eine Liebe zu erhalten, kann harte Arbeit sein, vor allen Dingen, wenn man Job und Privatleben teilt. Wir haben eine gute Balance zwischen unseren Beziehungen: Freundschaft, Bandkollegen und dem Paarsein gefunden, wie ich finde.

Oftmals ist es doch so, dass wir ziemlich viel um die Ohren haben – gerade wenn wir unterwegs sind. Da bleibt nicht viel Zeit für Zweisamkeit. Aus diesem Grund haben wir beispielsweise fest ausgemachte Tage, an denen wir einfach nur unsere Zeit als Paar verbringen. Dann packen wir unsere sieben Sachen und fahren für einige Tage zu zweit weg. Jobgespräche sind dann für uns beide tabu.

Ich glaube, dass es wichtig ist, bei all dem Teamwork im Job nicht zu vergessen, dass man ein Paar ist. Eben nicht nur “Bandkollegen, die auch noch zusammen sind”.

Mit so einem Geständnis in der Öffentlichkeit zu stehen, kann auch wirklich nervig sein. Immer diese Anmoderationen, in denen es wieder heißt: “… und hier sind Carolin und Daniel von Glasperlenspiel, die auch schon seit vielen Jahren ein Paar sind…“ Na ja, zugegeben: Wir wollten es nicht anders. Wir haben von Anfang an gewusst, dass wir aus unserer Beziehung kein Geheimnis machen werden. Es sollte aber auch nie im Vordergrund stehen, was es mittlerweile leider oftmals tut.

Irgendwann haben wir uns dann auch geschworen, dass wir von unserer Zweisamkeit nicht zu viel preisgeben. Wir küssen uns beispielsweise nie vor einer Kamera. Denn es ist uns wichtig, dass wir etwas haben, was nur uns gehört – etwas, das wir mit niemandem teilen müssen.

Carolin, in Singen am Hohentwiel geboren, einer Kleinstadt mit hoher Jugendkriminalität, ABER mit Nähe zum schönen Bodensee. Immerhin. In Singen Süd ist sie aufgewachsen, zur Schule gegangen, hat dort ihr Abitur gemacht und sich in der Uni Konstanz für das Fach „British and American Studies“ eingeschrieben, um dann nicht hinzugehen, weil das mit der Musik doch besser lief als gedacht. Seit 2011 gibt es ihre Band, besser gesagt das Duo „Glasperlenspiel“. Ihren persönlichen Blog findet ihr hier.

Headerfoto: Alba Cros via Creative Commons Lizenz!
Autorenfoto: Glasperlenspiel

GPS_Carolin

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