Weine

Schritt um Schritt um Schritt um Schritt.
Ich laufe vor, mal nach, nicht mit.
Auch morgen wird ein Gestern sein.
Wir denken rückwärts. Roter Wein.
Im Rot betrachtet soll es sein.
So halb verwachsen, halb allein.
Wir halten, was nicht gehen darf
und Zweifel zweifelt nicht im Schlaf.

Zug um Zug um Zug um Zug.
Wie Schall und Rauch vergeht Betrug.
Wir sind nicht wir, sind längst für sich.
Wir wirken unverbesserlich –
nicht gut, nur unveränderlich.
Ein Kuss. Drei Worte. Nur zum Schein.
Es hakt – da muss ein Haken sein.
Sei unbekümmert! – Weißer Wein.

Wort um Wort um Wort um Wort.
Das Wort klingt voll, der Sinn halb fort.
Wir. Die Arena. Zinnsoldaten.
Der Sandkasten vom Kindergarten.
Wir wollen nichts / nicht uns verraten.
Wir raten weiter. Weiter warten.
Zeit schindet uns. Wir schinden Zeit,
mit Wein: getrübte Heiterkeit,
für reinen Wein noch nicht bereit.

Schluck um Schluck um Schluck um Schluck:
betrunken scheint auch Dreck wie Schmuck.
Uns ist der Außenputz ergraut.
Der Alltag hat ihn angeraut
und heimlich Wasser angestaut.
Der Wein ist ist meine Schutzfassade:
hält Wasser ab, doch bleibt nie gerade.
Das Glück hat sich hier selbst verlost.
Nur Nieten… trinken Wein zum Trost.
Ich, Niete, weine. Glas hoch! “Prost!”.
Wir wirken ratlos – raten bloß.
Die letzte Fahrt im Karussell:
Wir drehen durch. Wir sprechen schnell.
Ich wiederwiederwiederkäue.
Ich sammel´ mich und ich zerstreue
unechte Perlen vor die Säue.

Haar um Haar um Haar um Haar:
Vom Spalten ist kein Haar mehr da.
Geteilt ist, was ein Ganzes war.
Der Bruch pulsiert und heilt ein Jahr.
Mal falle ich. Mal läuft es glatt.
Auch mal: win-win. Zumeist: schachmatt.
Die Weisheit isst sich häppchenweise.
Sind fett und klüger nach der Reise.
Für immer bleibt ein Wir zurück
und komplettiert mein Ich ein Stück.
Der Wein… der Wein… der Wein und ich
und du – du weißt, ich trink´ auf dich.

Maks F-Punkt hatte ein bisschen Deutschunterricht in der Schule und seitdem fortlaufend immer mal wieder Weiterbildungsmaßnahmen vom Arbeitsamt aufgezwungen bekommen – mit journalistischen Qualitätsthemen wie “Die Kunst zu koddern – Subtiles Beleidigen für Anfänger” oder auch “Drei Punkte und ein Fragezeichen / Das Minus im Gedankenstrich”. Außerdem illustriert er Dinge und ist selbstverständlich Mitglied eines im gegenteil-Berlin-Teams.

Headerfoto: Michelle Fleming (Gedankenspiel imprint added) via Creative Commons Lizenz!

imgegenteil_Maks

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