Was Kurt Cobain über Fisch sagt

Deine Zahnbürste steht noch im Bad. Mein Bett riecht noch nach dir. SMS von letzter Nacht? Alle gelöscht. Bin ja Profi. Ich höre wütende Songs, knutsche mit anderen Männern, rauche in fremden Betten, lasse mir morgens Cappuccino mit Milchschaum-Motiv auf den Nachttisch stellen und diskutiere mit meiner besten Freundin und dem Barkeeper meines Vertrauens den Status Quo. Guter Rat ist teurer als das nächste Bier.

Das Ganze hier ist ein klassischer Fall von: Den Schuss nicht gehört. Mehrfach. Erst mein Komplimente-Feuerwerk, dann diverse Warnschüsse – alles stieß auf deine tauben Ohren. Aber du bist ja auch Fotograf, da braucht man nur Augen. Schöne. Grüne. Verdammt noch mal. Warum haben wir wochenlang beieinander, aber nie miteinander geschlafen? Ohne Sex fehlt uns die Grundlage für ein Drama in diesem Ausmaß. Das habe ich analysiert, obwohl du doch der Fuchs warst. Du hast nur gelacht. Und jetzt? Beziehungsstatus: Du fehlst. Leider weitaus mehr als jede Grundlage.

 Ich: „Bitte? Ja, natürlich können wir das Projekt noch zusammen fertigstellen.
Weil wir dich bezahlen.“ 
Du: „Weil ich mein Wort halte.“ Ich: „Ach so, ja.“

Der Witz an der Sache ist, dass du das alles ernst meinst. Paradox. Es ist so unfassbar unnötig, Unsicherheit mit Unfreundlichkeit zu überspielen. Wahrscheinlich hast du in der Schule auch Tipp-Ex benutzt und gedacht, dass es nicht auffällt. Noch nie wurde ich so respektlos behandelt wie von dir. Es gelingt mir nicht, diese Nacht, dieses Gespräch so zusammenzufassen, dass meine Freunde verstehen, was passiert ist. Du sagst: Das ist Rock’n’Roll. Kurt Cobain sagt: Fische haben keine Gefühle. Wie werde ich ein Fisch? Wie bist du ein Fisch geworden?

 Ich: „Danke für die Fotos.“ Du: „Klar. Danke fürs Verlinken.“ Ich: „Klar.“
Du: „Schickst du mir noch ne Mail? Danke.“

Ich höre eh schon schnulzige Songs in ihren noch viel gefühlvolleren Akustikversionen. Mit Cello. Geht’s bei mir eigentlich noch? Habe ich jetzt schon wieder Liebeskummer, weil du so scheiße bist? Paradox. Schließlich geht es hier kein bisschen um Liebe. Wir müssen noch nicht mal übers Freundebleiben diskutieren. Keine Option. Du bist jung und dumm und weißt es. Du willst das so. Du kokettierst damit auf eine unerträgliche Art und Weise. Ganz offensichtlich bin ich nicht mehr ganz so jung, dafür umso dümmer. Vielleicht ist es auch das, was mich traurig macht. Verlieben? Verloren. Affären haben will gelernt sein. Die Spotify-Liste mit den Schnulzen beginnt von vorn. Deine Zahnbürste steht noch im Bad. Und ich bräuchte noch mein Herz zurück.

Frolleinpatz wird manchmal gefragt: „Und was machst du so?“ Dann sagt sie: „Musik und Radio zwischen Pappbecherkaffee und abgelaufenen WeTransfer-Links.“ Und weil es schön, so schön und auch so verdammt cool ist, ein Cowboy zu sein (frei nach Gisbert zu Knyphausen) ist sie viel unterwegs. Zwischen Mannheim und Berlin zum Beispiel. Da ist die Bahnverbindung ja auch spitze. Mit dem geliehenen Hot Spot eines Freundes twittert sie von unterwegs. Mitlesen geht hier: www.twitter.com/frolleinpatz

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Autorenfoto: Walter Glöckle.

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