Warum wir endlich begreifen sollten, dass Beziehungen harte Arbeit sind


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Du kennst dieses eine Paar aus deinem Instagram-Feed, das so aussieht, als hätte es sein Leben komplett auf die Reihe bekommen: Sie machen sich gegenseitig kleine Geschenke und streiten sich offenbar nie darüber, wer in ihrer gemeinsamen Wohnung mit dem Putzen des Badezimmers an der Reihe ist. Ihre Liebe scheint mühelos und bald schon zweifelst du an deiner eigenen Beziehung, weil diese sich nicht genauso unkompliziert anfühlt. Sind du und dein*e Partner*in überhaupt dazu bestimmt, zusammen zu sein, wenn ihr euch ständig wegen belangloser Dinge streitet?

Sag „hallo“ zur Autopilot-Beziehung: Eine, in der die Partner*innen nie aneinandergeraten, sich nie gegenseitig im Stich lassen und intuitiv zu wissen scheinen, was der oder die andere gerade denkt. Es ist wie die Pärchenversion des „Cool-Girls“ – eine, die unkompliziert, easy-breezy und total entspannt ist.

Diese Beziehung ist jedoch ein Mythos, kompletter Bullshit. Und du kannst Social Media die Schuld dafür geben, warum wir glauben, dass sie real ist.

Diese Beziehung ist jedoch ein Mythos, kompletter Bullshit. Und du kannst Social Media die Schuld dafür geben, warum wir glauben, dass sie real ist. „Wir sind so imagebewusst – im wahrsten Sinne des Wortes“, sagt Kristin Zeising, Sexualtherapeutin in San Diego. „Alles, was wir uns ansehen und in die Welt hinaussenden, muss gut aussehen, sodass das mittlerweile der Hauptfokus in den Leben vieler von uns ist.“

Wir wollen nicht, dass unser Leben, einschließlich unserer Beziehungen, chaotisch aussieht, auch wenn es das ist. Anstatt also offen und ehrlich über die harten Zeiten in unseren Beziehungen zu sprechen, möchten wir lieber eine makellose Fassade präsentieren.

„Es wird ein Teufelskreis“, sagt Kelley Johnson, eine klinische Sexologin mit Sitz in North Carolina. „Du siehst, wie perfekt die Beziehungen anderer Menschen aussehen, also denkst du, dass in deiner Beziehung etwas nicht stimmen kann, weil ihr ja gerade eine schwere Zeit durchmacht. Aber anstatt ehrlich zu sein, veröffentlichst du ein perfektes Bild.“ Das wiederum kann andere Menschen dazu veranlassen, ihre chaotischen Beziehungen in Frage zu stellen – im Vergleich zu deiner scheinbar einwandfreien Beziehung. 

All dies erreicht seinen Höhepunkt in einer Kultur, in der die Menschen das Gefühl haben, dass Beziehungen – ohne jede Anstrengung – perfekt sein sollten und dass sie keinerlei Arbeit benötigen.

All dies erreicht seinen Höhepunkt in einer Kultur, in der die Menschen das Gefühl haben, dass Beziehungen – ohne jede Anstrengung – perfekt sein sollten und dass sie keinerlei Arbeit benötigen. „Wenn also doch mal Probleme auftreten sollten, kann es gut sein, dass du die Beziehung vorzeitig verlässt, weil du denkst, dass das darauf hindeutet, dass ihr beide nicht zusammenpasst“, sagt Dr. Zeising. „Es hält die Idee aufrecht, dass Beziehungen keine Arbeit erfordern – das tun sie aber und haben sie auch schon immer.“

Nun heißt das natürlich nicht, dass du in einer Beziehung bleiben sollst, wenn ernsthafte Probleme bestehen, wie etwa Unstimmigkeiten der Lebensstile, Pläne für die Zukunft oder was auch immer deine großen „Deal Breaker“ sein mögen. Aber sich mit Meinungsverschiedenheiten auseinanderzusetzen ist ein so wichtiger Teil einer starken Partnerschaft.

„Wir leben in einer Gesellschaft, in der man ungern am persönlichen Wachstum arbeitet. Wir erwarten, dass es uns einfach so zufällt“, sagt Dr. Johnson. „Aber eine gute Beziehung ist genau dann eine, wenn sie Arbeit erfordert.“ Manchmal kann das auch eine Paartherapie bedeuten. Andere Male könnte das ein wöchentlicher Check-in für dich und deine*n Partner*in sein, um darüber zu sprechen, wo ihr steht oder wie ihr euch fühlt.

Der einfachste Weg, um den Mythos der Autopilot-Beziehung zu zerstören, ist blanke Ehrlichkeit, wenn es um die Höhen und Tiefen in deiner eigenen Partnerschaft geht.

Der einfachste Weg, um den Mythos der Autopilot-Beziehung zu zerstören, ist blanke Ehrlichkeit, wenn es um die Höhen und Tiefen in deiner eigenen Partnerschaft geht. Das heißt keineswegs, dass du jedes Detail deines Therapietermins teilen oder jede intime Querele in bissigen bis melodramatischen Captions auf Instagram ausdiskutieren musst. Aber es bedeutet, ehrlich zu sein – mit dir selbst und mit deinem Gegenüber.

Sprecht über die Hürden, die ihr beide gemeinsam überwunden habt, und seid euch dessen bewusst, dass auch andere Menschen mit ihnen konfrontiert werden, ob sie nun öffentlich darüber reden oder nicht. „Wenn die Menschen freiheraus authentisch, ehrlich und echt sein können, werden ihre Beziehungen um einiges gesünder“, ist Dr. Zeising überzeugt. 

Headerfoto: Frau und Mann am Wasser (Stockfoto) via The Chad/Shutterstock. („Gedankenspiel“-Button hinzugefügt, Bild gespiegelt und gecroppt.) Danke dafür!

Text: Maria Del Russo.

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