Warum ist es eigentlich so verpönt, die Partnersuche zur Priorität zu machen?


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Es gibt zahlreiche Meinungen darüber, wie man sich als Single verhalten sollte. Datet man zeitgleich mehr als eine Person, verhält man sich unfair. Konzentriert man sich auf eine Person, schreit man sein Glück zu laut in die Welt hinaus. Aber die Nummer Eins der ungewollten Ratschläge ist der, dass man sich zu sehr für das Dating an sich interessiert. Sobald ich beispielsweise erzähle, dass es für mich oberste Priorität hat, einen Partner zu finden, wird mir gesagt, dass ich es zu sehr versuche. „Du willst doch nicht verzweifelt wirken“, oder „niemand mag eine hungrige Frau“.

Aber warum wird es als so schlecht angesehen, sich nach einem Partner zu sehnen?

„Auf der Arbeit ambitioniert zu sein, ist die eine Sache, die akzeptiert und wertgeschätzt wird, aber sich zu bemühen, einen Partner zu finden, wird in unserer Gesellschaft als negative Eigenschaft angesehen“, sagt Andrea Bonior, PhD, Psychologin und Autorin. „Wir glorifizieren Romanzen bis aufs Äußerste, aber gleichzeitig sollte man unabhängig sein“, sagt sie.

Die Voraussetzung dafür ist laut Dr. Bonior die Tatsache, dass man mit der Suche nach Liebe versucht, eine Leere in sich selbst zu füllen – was natürlich nicht immer der Fall ist. Ich persönlich möchte einfach nur einen Partner, mit dem ich sonntags kuscheln kann – niemanden, der eine tiefe, emotionale Leere füllt oder einen Teil von mir komplettiert.

Außerdem existiert laut Justine Shuey, PhD, zertifizierte Sexologin und sexuelle Aufklärerin, die Annahme, dass hungrig zu sein auch gleichzeitig bedeutet, sexuell offen zu sein. „Besonders Frauen wird oft gesagt, dass sie nicht auf der Suche nach Sex sein sollten“, sagt sie. „Und wenn Du als Frau in dieser Welt selbst und eigenständig lebst und datest, wird angenommen, dass Du sexuell offen bist.“

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Dieser sexuelle Drive kann andere Menschen dazu bringen, Urteile zu fällen – besonders weil sie oft denken, dass eine Person, die viele Dates hat, auch viel Sex hat. Eine Person dann verzweifelt oder hungrig zu nennen, kann laut Dr. Shuey eine subtile Form von Slut-Shaming sein.

Der wahre Grund? Wir haben ziemliche verrückte Meinungen darüber, wie Liebe „sein sollte“. „Eine*n Partner*in zu finden, sollte eine magische Sache sein, die einfach so passiert“, sagt Dr. Bonior. „Man sollte diesbezüglich nicht berechnend sein. Wenn sich also jemand das Ziel setzt, sich zu verlieben, widerspricht das der gängigen Vorstellung davon, wie Romantik auszusehen hat.“

Aber es ist absolut nichts Falsches daran, die Jagd nach Liebe zu deiner Priorität zu machen. Und niemand hat das Recht, einen deswegen zu verurteilen. „Ich denke, dass es niemanden etwas angeht, was in meinem Leben oder meinem Schlafzimmer passiert, solange die Person nicht involviert ist“, sagt Dr. Shuey.

Aber wenn diese ungefragten Ratschläge anfangen, einen zu nerven, sollte auch bedacht werden dürfen, dass ein Wunsch nach Liebe und Zuneigung völlig normal ist.

Früher hat es mich extrem gestört, wenn Menschen mich verzweifelt genannt haben, aber ich bin glücklich und zufrieden mit meinem Leben und die Suche nach Liebe ist eben ein Teil davon und kann sogar richtig Spaß bringen. Wenn mich das für manche hungrig oder verzweifelt erscheinen lässt, dann ist das eben so – ein Grund mehr dafür, auszugehen und den Hungert zu stillen.

Headerfoto: Sarah Diniz Outeiro via Unsplash. (Gedankenspiel-Button hinzugefügt.) Danke dafür!

Text: Maria Del Russo.

1 Comment

  • In der Guardian war gerade ein Artikel von einer Frau, die am verzweifeln ist, weil sie Kinder haben möchte, sich das alleine nicht leisten kann, aber Dauersingle ist. Der Kommentar der meisten Männer unter dem Artikel war, dass sie bloss nicht so wirken sollte, als ob sie ungern Single ist und dass sie auf gar keinen Fall sagen soll, dass sie einen Vater für zukünftige Kinder sucht. Ich will zwar selbst auf GAR KEINEN FALL Kinder, aber: die Kommentare fand ich völlig armselig, denn sie gehen davon aus, dass kein Mann jemals Vater werden möchte freiwillig und kein Mann jemals eine Mutter für seine Kinder sucht. Dabei kontaktiere ich Männer auf Datingseiten, die angeben, dass sie Kinder möchten extra nicht.
    Zum Rest: Klar bin ich verzweifelt. Die Vorstellung, den Rest meines Lebens Single zu sein, ist wie ein Faustschlag in die Magengrube. Das würde ich als nicht lebenswert empfinden. Das wäre wie eine Verdonnerung auf einen Kampf den Rest des Lebens. Ich mag Sex, Zärtlichkeit und das fehlt mir – als wenn mein rechter Arm weg wäre… Außerdem ist es finanziell viel besser und auch weniger physisch und psychisch „gefährlich“ (ich gehe jetzt von einer guten Beziehung aus, nicht von einem gewalttätigen abusive Partner).

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