Warum das Wort „irgendwie“ eigentlich nervt

Ich war für heute Abend eigentlich mit Freunden verabredet, um ein, zwei Bierchen zu kippen. Aber irgendwie habe ich keine Lust. Also liege ich den Abend über auf dem Sofa und mache mir stattdessen Vorwürfe, weil ich nicht am Schreibtisch sitze und für die bevorstehende Abschlussprüfung lerne. Darauf habe ich nämlich auch keine Lust, irgendwie.

Das Wort irgendwie kommt immer dann zum Einsatz, wenn wir selbst nicht ganz von unseren Worten überzeugt sind. Fängt irgendwie dann auch noch mit eigentlich an zu tanzen, ist unsere Unsicherheit perfekt.

Eigentlich sollte ich mir eine Auszeit vom stressigen Alltag nehmen, aber irgendwie habe ich keine Lust.
Eigentlich sollte ich lernen, aber irgendwie habe ich keine Lust.
Eigentlich sollte ich aufhören zu rauchen, aber irgendwie schaffe ich es nie.

Die Liste können wir unendlich weiterführen…

Das Wort eigentlich steht hier stellvertretend für unsere bessere Hälfte, unser vernünftiges Ich.

Ich weiß, dass ich mir Auszeiten nehmen muss, damit es mir gut geht.
Ich weiß, dass ich frühzeitig anfangen sollte zu lernen, damit ich mich nicht zwei Wochen vor der Prüfung mit Bulimie-Lernen noch mehr stresse als sowieso schon.
Ich weiß, dass ich mit dem Rauchen aufhören sollte, weil es meiner Gesundheit schadet.

Mit irgendwie sagen wir: Ich kann mich nicht entscheiden zwischen dem Engelchen und dem Teufelchen auf meinen Schultern. Das Engelchen wälzt die Bücher, das Teufelchen ruft am Ende des Abends besoffen den Ex-Partner an.

Du konntest dich also nicht entscheiden. Irgendwie ist irgendwie die perfekte Rechtfertigung für fast alles.

Irgendwie und eigentlich tanzen immer leicht neben dem Beat, weil sie sich unschlüssig sind, wer das bessere Taktgefühl hat. Diese Unschlüssigkeit haben die beiden aber perfekt miteinander abgestimmt. Deshalb können wir unsere Augen nicht von ihnen lassen, wenn sie die Tanzfläche betreten.
Egal wie beschissen die Musik ist, wir verlassen den Club nicht, um einen anderen zu finden, der Musik spielt, die uns besser gefällt. Weil es bequemer ist bei der Entscheidung für die beschissene Musik zu bleiben, als unsere Komfortzone zu verlassen und uns auf die Suche nach etwas Neuem zu machen.

Eigentlich finden wir die Musik nämlich echt richtig scheiße, aber irgendwie sind die Drinks hier so gut.

Sag öfter mal auf jeden Fall anstatt irgendwie und lass öfter mal das eigentlich alleine auf der Tanzfläche stehen.

Denn wenn wir ehrlich sind, bringt dir eigentlich nämlich irgendwie gar nichts.

Lisa hat dem Himmel schon öfter mal den Mittelfinger gezeigt. Tagsüber umgeben von bekloppten Naturwissenschaftlern und 200.000 Büchern, nachts umgeben von tiefsinnigen Gesprächen, die auch nach dem sechsten Tequila noch ein gewisses Niveau haben. Manchmal fällt sie ein bisschen zu sehr in den See der Tiefsinnigkeit und lacht dann so lange unsinnig vor sich hin, bis sie wieder sagen kann: „Das Leben hat mir eine Zitrone gegeben. Hol mal den Tequila!“ Mehr davon gibt es auf Gehirnflüsterer.

Headerfoto: Oscar Keys via Unsplash License!

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2 Comments

  • Theres sagt:

    Ich habe lange gebraucht um von „irgendwie“ und „eigentlich“ loszukommen. Dicht folgte es bei mir auf die Phrase „Man könnte ja eigentlich…“ – mehr hätte, wenn und könnte in einem Satz geht schon fast nicht mehr um nur zu sagen, dass man keine Lust hat bzw. es an Priorität fehlt.

    „Eigentlich“ ist für mich immer so eine kleine Ausrede die persönliche Komfortzone nicht zu verlassen. „Irgendwie“ kommt immer dann vor, wenn mir noch die konkrete Idee oder eine bessere Option fehlt.

    Unterm Strich also einfach „vielleicht“ und „eigentlich“ streichen und durch eine konkrete Antwort ersetzen.

  • Anna sagt:

    Oh, wunderbar! Genau diese Gedanken hatte ich auch schon so oft. Denn irgendwie verwende ich diese Worte viel zu oft und weiß eigentlich nicht mal warum – jetzt hab ich ein bisschen mehr Klarheit!

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