Von Lachen und Leichtigkeit

Es war eine von diesen Sommernächten, in denen es abends noch warm genug ist, um nur mit einer dünnen Jacke rauszugehen. In denen die Haut ein wenig klebrig ist. Und das Leben mal wieder seine ganz eigenen Storys schreibt. Und dann warst da du. Standest dort einfach mit deinem Kapuzenpullover. Mit deiner Cap. Hände in der Jeans vergraben. Die Haare zerzaust und ich wusste, ich mag dich. Es war dieser Moment, den jeder kennt. Wenn man eine Person das erste Mal sieht und der Bauch Purzelbäume und Radwende Flick-Flack schlägt. Mochte dich, ohne viel von dir zu wissen. Wer du eigentlich bist. Was du eigentlich machst. Was dich bewegt. Was dein Herz zum Schlagen bringt.

Und wir liefen los. Ohne Ziel, denn das war irgendwie gar nicht wichtig. Ist es doch egal, wo man hingeht, wenn man Menschen trifft und sich direkt zu Hause fühlt. Ist der Weg doch das, was Spaß macht und nicht das Ziel. Saßen dann so rum. Liebestrunken von Beck‘s Lemon und deinem Lachen. „Wieso lachst du eigentlich so schön?“, frage ich. Du weißt es nicht und zuckst nur verlegen die Schultern. Deine Art, die so leicht und umgänglich ist.

Reden über uns. Über die Vergangenheit. Reden über unsere Reisen. Viel gesehen haben wir beide schon. Reden darüber, dass wir alles andere als perfekt sind und mit jedem deiner Sätze wirst du perfekt für mich.

Jetzt weiß ich endlich so langsam, was Julian le Play meint, wenn er singt:
„Ich kenn dich zwar erst seit paar Stunden.
Nur hab‘ ich mich in dir gefunden.
Jetzt fängt mein Puls wieder zu schlagen an.
Mein Herz steht wieder auf.
Es will dich auch.“

Und dann guckst du mich an und küsst mich. Unerwartet. Und gerade deshalb zauberschön. Stunden sitzen wir noch da. Singen Disney-Songs und stören uns nicht an Blicken. Lehnst deinen Kopf an meiner Schulter an. Suchst mit deiner Hand nach meiner. Meine Welt dreht sich schnurstracks upside-down.

Gehen langsam Richtung Bahnstation. Langsam, damit es nicht so schnell vorbei ist. Legst deinen Arm um mich. Ziehst mich an dich ran. Es hat schon lange niemand mehr den Arm um mich gelegt. Gab lange niemanden, der mich so fasziniert hat. Und nun stehen wir da an der Station. Wartest mit mir, bis die Bahn kommt. Ziehst mich noch näher an dich ran, weil du merkst, dass mir kalt wird. Und da kommt sie, meine Bahn. Gucke dir nach. Guckst zurück. Grinst frech in meine Richtung und winkst zum Abschied. Ich fühle mich wie ein kleiner Cheerleader. Voller Euphorie und Freude, lächelnd in der Bahn sitzend. Und da kommt diese Nachricht. „War sehr schön mit dir heute Abend! Freu’ mich dich Sonntag wieder zu sehen. Komm gut heim und schlaf gut!“

Doch diese Beziehungskisten sind ja nie einfach. Sind mehr Pandoras Büchse. Eine Kiste mit doppeltem Boden. Gesehen haben wir uns Sonntag doch nicht. Eine kurze Absage per WhatsApp kam von dir. Sagst mir, dass du mich magst. Dass ich ein cooler Typ sei. Und doch ist da dieses Aber. Sagst, dass es nichts mit mir zu tun habe. Dass du es seist. Dass Dinge passiert seien. Du dein Gefühlschaos, deine Gedanken ordnen musst. Dich dann melden wirst bei mir. Also nur, wenn ich mag natürlich. Natürlich mag ich, du Idiot. Denn obwohl ich dich eigentlich ganz schön blöd finden will, klappt das nicht so ganz.

Und ich merke, wie ich mich nach dem Gefühlschaos sehne, das fette Grinsen vermisse, wenn ich deinen Namen auf meinem Handy aufleuchten sah, die scheiß bunte Zukunft, die ich mir gemalt habe, mit all meinen Wachsmalstiften. Die Leichtigkeit, die einfach so mit dir kam und nun irgendwie fehlt. Und ich frage mich, ob du der Gin für meinen Tonic sein könntest. Oder vielleicht eben doch nur ein Tequila-Shot. Eine Ekstase, die kurz verweilt und mich am nächsten Morgen mit Kopfschmerzen begrüßt. Ob du mein Macarena bist, in einer Welt voller Whip & Nae-Nae’s.

Doch auch wenn wir uns nie wiedersehen sollten. Wenn es das nun war. Dann ist es doch so schön, dass das Leben auch genau solche Geschichten schreibt. Solche Abende voller Magie, die einen wieder hoffen lassen. Dass es doch diese Menschen gibt, die einfach toll sind. Und wenn wir uns doch mal wiedersehen. Vielleicht mal irgendwann. Dann möchte ich wieder mit dir lachen. Und vielleicht ein wenig mehr.

Søren mag Aufmerksamkeit. Böse Zungen behaupten auch, er sei eine Attention-Whore. Von Sternzeichen Löwe, doch steckt hinter dem Gebrüll eher der Schmusekater. 23 Jahre Beziehung führt er mit sich selbst und arbeitet an dieser täglich. Selbst reflektierend und mit offenen Augen. Geht er mal verloren, findet man ihn zwischen Kleidung, Kunst und Kaffee. Und bei Facebook und auf seiner Webseite.

Headerfoto: Mat Simpson via Creative Commons Lizenz 2.0 (Gedankenspiel imprint added)!

imgegenteil_Sören

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1 Comment

  • Wow, tolle Geschichte. Und wunderschöne Gefühle die mir dabei in den Sinn kommen. Ich hatte im letzten Jahr zwei ähnliche Ereignisse. Der Verlauf, die Details der Story waren etwas anders. Doch die Gefühle waren die selben. Ich hab mich schon gefragt, ob nur mir sowas passiert. Gut zu wissen das es auch anderen so geht. Leider trüben sich die Erinnerungen bei mir immer etwas ein. Schön das sie dir so positiv im Kopf bleiben!

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