Und ich öffne die Augen und alles ist neu

Und ich schließe die Augen. Und ich sehe nichts. Nur die Dunkelheit. Die Schwärze. Und dann mache ich die Augen auf. Und ich sehe, wie ich auf einem Marktplatz in Istanbul stehe und der Mann vor mir will mir gerade eine Tüte geröstete Walnüsse verkaufen. Er trägt ein kleines rot-weiß gestreiftes Mützchen und eine gleichfarbige Umhängeschürze. Er streckt seine Hand aus und reicht mir seine Ware und ich schließe wieder die Augen.

Und dann sehe ich Dich. Und ich sehe die anderen. Und ich öffne die Augen. Und ich sehe, ich sitze in in einem Bus irgendwo in Indien. Alles schaukelt unter dem Gewicht der unzähligen Menschen an Bord. Die Sonnenstrahlen schießen vereinzelt zwischen den Leuten hindurch und ich schließe die Augen. Noch einmal.

Ich sehe die Reise vor mir und die Orte und die Menschen und die Abenteuer und die Möglichkeiten und die Freiheit und die Lebendigkeit, und wie spürbar sie ist.

Ich sehe den Weg. Ich sehe die Reise vor mir und die Orte und die Menschen und die Abenteuer und die Möglichkeiten und die Freiheit und die Lebendigkeit, und wie spürbar sie ist. Und ich öffne die Augen.

Ich stehe an einem Bahnhof und in meiner Hand halte ich ein Ticket, das mich zum nächsten Ort auf meiner Liste bringen soll. Und ich schaue vom Ticket auf zu der Anzeige über dem Schalter, die mir sagt, dass ich noch zwei Stunden zu warten habe, und ich lehne mich mit meinem Rucksack auf dem Rücken gegen die Wand – und schließe die Augen.

Und ich sehe die Tage, an denen ich als Kind im Allerlei auf dem Dachboden nach Schätzen gesucht habe. Ich sehe die Stunden, in denen ich Samstag Morgen kuschelnd im Bett meine Kindheitshelden im Fernsehen verfolgt habe. Ich sehe die warmen Momente und die Sicherheit und die Unbeschwertheit und dann öffne ich die Augen.

Und ich sitze in einem Taxi auf dem Weg zu einer Rooftop Party in Ho Chi Minh. Das Taxi ist voll mit lachenden Leuten und das Mädchen neben mir grinst mich an.

Und ich sitze in einem Taxi auf dem Weg zu einer Rooftop Party in Ho Chi Minh. Das Taxi ist voll mit lachenden Leuten und das Mädchen neben mir grinst mich an. Es ist dunkel draußen und die Umgebung zieht am Fenster vorbei, während drinnen laute, vietnamesische Folkloremusik aus den immensen Lautsprechern dröhnt. Mein Kopf lehnt an der Scheibe und ich schaue in die Nacht hinaus und ich schließe die Augen.

Und ich sehe ein, dass alles anders ist, wenn ich sie wieder öffne. Und ich sehe den Fortschritt und die Bewegung und die Lebendigkeit und doch die immer gleichen Dinge in unterschiedlichen Kombinationen. Und ich sehe den Prozess und die Verwirrung und die Angst und die Hoffnung der Menschen. Und ich sehe die Ungewissheit und die Fragen und die Überzeugungen und die Übereinstimmungen und die Unterschiede.

Und ich sehe die hoffentlich fernen Tage kommen, an denen ich meine Augen nie wieder öffne. Und die Unendlichkeit, mit der ich mich danach wieder vereine, an der ich doch schon immer Anteil hatte.

Und ich öffne die Augen.

Und alles ist neu.

Headerfoto: Brooke Cagle via Unsplash.com. („Wahrheit oder Licht“-Button hinzugefügt.) Danke dafür!

Rob aus Thailand ist mittlerweile in Vietnam untergekommen, um dort auf Sinnsuche zu gehen. Ob erfolgreich, liegt im Ermessen des Betrachters.

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