Übrigens: Es ist gar nicht so schlimm, dass du weg bist

Manchmal habe ich plötzlich das Gefühl, ich will dir was erzählen. Kleinigkeiten und Nichtigkeiten, die mir im Alltag passiert sind. Dann merke ich, dass das jetzt nicht mehr geht. Weil du Schluss gemacht hast. Vor 24 Tagen.

Ich hab dir mal erzählt, wenn mir einer zuzwinkert, also mit einem Auge, dann denke ich immer, dass das heißt: „Hey, wir sind ein Team!“ Wenn ich jemandem zuzwinkere, denken die anderen aber immer: „Hey, die hat einen Schlaganfall.“ Du hast mich immer damit aufgezogen, dass ich nicht mit einem Auge zwinkern kann. Heute hat mir jemand zugezwinkert und ich kann es dir nicht erzählen. Und mir wird in diesem Moment schmerzlich bewusst, wie sehr du mir fehlst.

Wenn ich dir etwas nicht erzählen kann, dann kannst auch du mir etwas nicht erzählen.

Das Gute daran ist allerdings, wenn ich dir etwas nicht erzählen kann, dann kannst auch du mir etwas nicht erzählen. Wobei ich glaube, am Ende unserer Beziehung hatten wir uns beide nicht mehr viel zu erzählen. Trotzdem hast du immer wieder etwas gefunden.

Wie zum Beispiel, dass ich immer sofort die Pfanne einweichen soll, wenn ich gekocht habe, bloß die Messer nie in die Spülmaschine legen, rechtzeitig und strukturiert mit den Dingen anfangen und nicht immer bis zur allerletzten Sekunde warten, bloß die Wäsche in den Wäschekörben richtig sortieren. (Du hattest fünf Wäschekorbe für verschiedene Farben, Handtücher und Sportklamotten. Fünf!!!)

Du bist der Meinung, dass High-Waist-Jeans extra für Frauen mit dicken Bäuchen sind.

Oder dass ich beim Kochen nicht immer alles vollkleckern soll, regelmäßig Rohrreiniger benutzen, damit das Wasser aus meinem Waschbecken endlich besser abfließt, mir endlich mal die Pille holen, den Dachboden entrümpeln, das kaputte Fach in meiner Spülmaschine reparieren, nicht die High-Waist-Jeans tragen (du bist der Meinung, dass die extra für Frauen mit dicken Bäuchen sind) …

Und jetzt, während ich in einer ruhigen Minute darüber nachdenke, merke ich, dass das gar nicht so schlimm ist, wenn man sich nicht mehr alles erzählen kann. Dabei stehe ich mit meiner High-Waist-Jeans, die ich mit allen anderen Sachen in einen Wäschekorb werfen werde in meiner nach dem Kochen vollgekleckerten Küche.

Rosa ist weiblich, blond, Ende 20 und schläft plötzlich wieder in der Mitte vom Bett. Und genau von dort aus schreibt sie auch über die Liebe. Wie das ist, wenn man sie mal hatte, wenn sie plötzlich weg ist und all die kleinen Dinge die passieren, bis man eine neue Liebe findet. Mehr von Rosa gibt es in ihrem Blog.

Headerfoto: Brooke Cagle via Unsplash. („Gedankenspiel“-Button hinzugefügt, Bild gecroppt.) Danke dafür!

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