Staffellauf

Es ist Freitagmittag oder -nachmittag, ich bin gerade aufgewacht, alles grau in grau. Manchmal habe ich das Gefühl, meine Stimmung ist ganz schön leicht zu beeinflussen. Ich war natürlich Freitag feiern, wie so oft bis in die Morgenstunden und wie so oft bin ich alleine durch die Straßen geschlendert. Ich liebe es, nach einem Clubbesuch nach Hause zu laufen, den Abend Revue passieren zu lassen, die kalte Luft einzuatmen, gemütlich eine Zigarette zu rauchen und den netten Nebeneffekt des Ausnüchterns zu genießen.

Und ich liebe diese verregneten Herbsttage, an denen man ohne auch nur einen schlechten Gedanken deswegen zu verschwenden aus dem Bett direkt auf die Couch kann. Es schleicht sich eine gewisse Routine ein, ich stehe mit meiner Tasse Kaffee und einer Zigarette in einer Decke eingewickelt am Fenster und beobachte stumpf das Wetter. Doch es hat sich etwas verändert. Ich greife nicht mehr zu meinem Handy und öffne nicht mehr automatisch den Chat mit meiner besten Freundin.

Jeden Tag und jedes Wochenende haben wir Zeit verbracht, unendlich viel gelacht, schlechte Phasen überwunden und viel mehr gute Momente Geschichte schreiben lassen. Wir waren feiern und haben uns am Nachmittag darauf bereits wieder völlig verkatert in der Stadt getroffen. Das fehlt mir. Mir fehlt es, dass du mit feiern gehst, und mir fehlst verdammt nochmal du!

Es ist okay. Nein, wirklich. Ich freue mich für dich. Du hast endlich deine Liebe gefunden. Aber was ist mit meiner Liebe? Ich liebe dich doch auch. Wie kannst du nur all die Stunden, Tage, Jahre vergessen? War ich denn nur der spaßgarantierende Lückenfüller zwischen deiner alten und deiner neuen Beziehung?

Ich überwinde mich, ich schreibe dir eine Nachricht, ob wir uns auf einen Kaffee treffen wollen. Nein. Natürlich hast du keine Zeit, du verbringst sie lieber in deiner neu errichteten rosaroten Welt. Wie gerne würde ich dir die Brille absetzen und darauf herumspringen. Aber ich bin verpflichtet, dir dein Glück zu gönnen, oder?

Bin ich aber nicht auch dazu verpflichtet, mir mein Glück zu gönnen? Ich suche nicht nach der großen Liebe, ich suche nach Abenteuern. Ich liebe und lebe für die Nächte, an die ich mich mit einem breiten Grinsen gerne zurück erinnere.

Nun ziehe ich ohne dich weiter, mit alten und neu gewonnen Single-Freunden.

Ich bin müde. Müde von all dem Kennenlernen und Loslassen.

Und mit einem erleichternden Grinsen nehme ich den letzten Zug meiner Zigarette. Liebes Ich, wir werden niemals so sein! Weil wir zu oft gespürt haben, wie schmerzhaft der Verlust einer Freundin in die Welt der Verliebten sein kann.

Dory würde niemals zu einem (oder mehreren) Gläsern Wein nein sagen! Am Geburtstag ihres Hundes hat sie keine Zeit. Verliert sich gerne in Zeit und Raum, meistens nachts oder in den Morgenstunden. Solange Zigaretten vorhanden sind, hört sie gerne zu. Sommer, Freunde, Wein, Gin Tonic, Flamingos, Sneakers und Technofestivals machen sie extrem glücklich.

 

Headerfoto: Mike Monaghan via Creative Commons Lizenz 2.0! (Gedankenspiel-Button hinzugefügt.) Danke dafür!

imgegenteil_Dory

1 Comment

  • Effi Lind sagt:

    Zuerst habe ich mich gefragt, ob ich diesen Post schon einmal gelesen habe, doch etwa in der Mitte ist mir aufgegangen, dass ich mich darin einfach nur selbst wiederkenne. Ich mag diese Schreibweise, erinnert mich an eine raue Gedankenstimme.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.