Selbstoptimierung hat Grenzen – und ich muss nicht immer vor Freude aus dem Arsch strahlen

Verbesserung, Selbstoptimierung – schön und gut. Ich bin dafür. Nur warum etwas verbessern, wenn es schon gut läuft? Warum noch mehr aus allem rausholen? Sich daran verausgaben und eventuell sogar scheitern? Das ist mir passiert. Es gab einen Punkt in meinem Leben, an dem ich plötzlich der Meinung war, etwas ändern zu müssen. Warum mir das in den Sinn kam? Keine Ahnung. Vermutlich, weil ich zu viel instagramme.

Seither gebe ich mein Geld für Bücher aus, schaue mir unzählige Videos an, höre bis zum Abwinken Podcasts, die sich um Selbstliebe, Erfüllung und Healthiness drehen an, um am Ende festzustellen, dass es mich nicht weit bringt. Es gelingt mir nicht, drei Folgen pro Tag zu hören, um anschließend all die glorreichen Tipps und Kniffe umzusetzen.

Ich war leichtlebig, glücklich und meist zufrieden. Das war völlig okay so. Seit ich im Optimierungswahn bin, wird alles nur fürchterlicher. Ich könnte aus den Ohren kotzen. Habe ein schlechtes Gewissen, wenn ich mal was Schlechtes denke. Soll man ja nicht. Ist ungesund. Du bist nämlich, was du denkst.

Es ist legitim, sich zu verbessern, nur zu welchem Preis? Ein besserer Mensch sein, okay, aber was war an dem alten falsch? Ich für meinen Teil mochte mich ziemlich gern. Dennoch hatte ich eines Tages die Eingebung, jemand Besseres werden zu müssen. Und wer bin ich jetzt? Ein verzweifelter kleiner Mensch, der nicht mehr weiß, wie er wie vorher werden kann.

Ich muss nicht immer vor Freude aus dem Arsch strahlen. Ich muss auch nicht alles mit purer Gelassenheit sehen.

Ich habe meine Ecken und Kanten, die hatte ich schon immer. Aber das ist doch gut. Das macht mich aus. Ich muss nicht immer vor Freude aus dem Arsch strahlen. Ich muss nicht zu allem und jedem mega freundlich sein. Ich muss auch nicht alles mit purer Gelassenheit sehen. Es ist mehr als okay, auch etwas an sich heranzulassen, einfach weil es einen berührt. Weil es wichtig ist oder weil es einem auf eine gewisse Art und Weise gut tut. Auch wenn’s vermeintlich „schlecht“ ist.

Ich erschuf mir Probleme, die es vorher nicht gab. Ich steigere mich in mich hinein, will mehr meditieren, mehr yogieren, mehr, mehr, mehr. Keine Frage, es tut gut. Nur hat sich bei mir ein gewisser Druck aufgebaut, den ich aktuell nicht loswerde. Ich wäre gerne die junge Frau, die ich vor einem Jahr war.

Heute bin ich genervt, will mehr als ich machen kann, will glücklicher als je zuvor sein, will fast schon gewaltvoll beim Meditieren meinen Frieden finden, will nicht mehr so verkrampft sein, weil der Alltag langweilig ist. Wer definiert schon, was langweilig ist? Hat mich vorher auch nicht gestört. Ich wollte nie ständig überall sein. Warum jetzt? Gleichzeitig lechze ich nach Frieden. Wie kann ich den Frieden finden, wenn ich ständig irgendwo auf der Suche bin? Wonach überhaupt?

Ich wundere mich. Es wird einem suggeriert, dass man schon so passt, wie man ist – Thema Selbstliebe. Gleichzeitig sollte man ständig an sich arbeiten? Zu sich finden, mehr sein, mehr ruhen, mehr ankommen, mehr, mehr, mehr. Ich kann nicht mehr mehr sein.

Zu sich finden, mehr sein, mehr ruhen, mehr ankommen, mehr, mehr, mehr. Ich kann nicht mehr mehr sein.

Ich kann mir nicht wie all die Freelancer eine Stunde für Meditation, eine Stunde für Yoga nehmen, mir 30 Minuten den Stress wegtanzen, 20 Minuten Ölziehen und dann noch eifrig die Zunge schrubben, damit keine dieser schlimmen Bakterien sich mehr in meinem Mund befinden. Ich muss pünktlich bei meinem Job erscheinen. Kann es mir nicht frei einteilen. Essen soll ich ja auch noch möglichst gesund und ausgewogen und fermentiert, nicht zu hoch erhitzt, noch knackig und vollmundig.

Diese ganze gesunde Scheiße mag funktionieren, aber nicht, wenn es mit Stress verbunden ist. Nicht wenn man sich unter Druck setzt, alles auf einmal richtig zu machen. Es hilft nicht, sich ausgewogen zu ernähren, viel zu trinken, keinen Zucker zu konsumieren und sich mit Super Foods vollzuballern, wenn man dadurch innerlich an dem Stress zerbricht, weil man nicht mehr nachkommt.

Es bringt schlichtweg nichts, wenn man sich beim Meditieren beeilen muss oder nervös auf der Yogamatte rumrubbelt, weil man eigentlich noch andere Dinge vorhat, die vielleicht, oh welch Graus, nicht so healthy sind.

Stefanie.

Headerfoto: Frau auf Geländer sitzend via Shutterstock.com! („Wahrheit oder Licht“-Button hinzugefügt.) Danke dafür.

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