Selbstliebe it is!

… und damit ist nicht das Gefühl der Genugtuung gemeint, wenn unser Umfeld im Anblick der neuen Nike-Sneakers in kollektive Verzückung gerät und niederkniet vor der modischen Virtuosität, die uns so begehrenswert macht wie einen Vintage-Coat im Mauerpark. Wir im Club flirten und im Rausch der Sinne strahlen aus allen Poren wie eine Vodka-Mate im gleißenden Sonnenlicht des Tempelhofer Feldes. Oder diese sanfte, den ganzen Körper durchfließende Euphorie, wenn er im richtigen Moment fällt, dieser schönste aller Sätze: „Ich liebe dich!“ … Klar, dass wir uns dann lieben und das Leben feiern, das uns unsere Genialität und Einzigartigkeit auf einem Tablett serviert, unser Selbstbewusstsein stärkt und das Ego ausreichend füttert. Davon lässt sich auch in schlechten Zeiten eine Weile zerren. Doch mit Selbstliebe hat das wenig zu tun. Dem Gefühl eins zu sein mit sich. Unabhängig davon, ob das sexy Tinder-Date an einem zweiten Treffen interessiert ist oder nicht.

Denn wahre Selbstliebe ist Liebe, die nichts braucht. Keine Bestätigungs-Kicks. Keine Trigger zur radikalen Erhöhung der Endorphin-Produktion. Und keine Partner, die uns Tag für Tag das Ego streicheln, unsere Bedürfnisse zu allen Zeiten verstehen und in Ergebenheit zu erfüllen bereit sind.

Für unsere Persönlichkeitsentwicklung ist es also gut, dass das Leben kein permanenter Bestätigungs-Kick ist, bei dem wir ausschließlich Liebe und Zustimmung erfahren. Wie praktisch, dass wir manchmal auch auf Kritik, Ablehnung und Ignoranz stoßen. … ja, das sexy Tinder-Date hat sich längst klangheimlich aus dem Staub gemacht! Ein ätzendes Gefühl, wenn Selbstzweifel dann am Selbstbewusstsein nagen und unser Selbstwert kleine Risse erlangt, die nur durch erneute Ego-Streicheleien wieder saniert werden können. Und ein unglaublich lehrreiches außerdem! Denn nur durch diese negativen Emotionen wird uns gespiegelt, wie bedürftig wir in Wirklichkeit sind. Wie weit weg von dieser inneren Balance, uns so zu akzeptieren wie wir sind. Wie sehr im Krieg mit uns selbst. Wie sehr strebend nach Liebe und Zustimmung im Außen.

Dass krampfhaftes Suchen unsexy ist, ist längst kein Geheimnis mehr. Wer will schon in die Rolle des „Ich mach dich glücklich“-Garanten für die personifizierte Bedürftigkeit schlüpfen (Selbstaufopferungsfetischisten nun mal ausgenommen)? … Doch was ist dann sexy? Unser Leben ebenso krampfhaft der Freiheit zu verschreiben und unter dem Deckmantel der Selbstverwirklichung vor jedem potenziellen Partner die Flucht zu ergreifen … der Angst wegen, das in Wirklichkeit so zartbesaitete Herzchen der Gefahr der emotionalen Verwundung auszusetzen?! Eher nicht.

Ich glaube tatsächlich, dass es nur eine einzige sinnvolle Suche in diesem Leben gibt. Nämlich jene nach uns selbst. Jene zur bedingungslosen Selbstliebe, die das einstweilen auftauchende Gefühl nicht gut genug zu sein in allen Facetten desillusioniert. Alle Zwänge beseitigt, die uns immer und immer wieder in die Selbstbestätigungs-Falle tappen lassen. Und uns zu diesem wundervollen Gefühl des inneren Friedens führt, diesem Einklang mit uns, unseren Stärken, unseren Schwächen. Sie alleine macht uns wahrhaft beziehungsfähig. Sanfter in unseren Urteilen. Weniger fordernd in diesem nie endenden Zyklus ständiger Bedürfniserfüllung. Und bereiter denn je Liebe zu geben, ohne daran automatisch gewisse Erwartungen zu knüpfen. Mit einem Herz, das weit offen steht für die Wunder der Liebe und trotzdem nichts als Unabhängigkeit und Freiheit in sich trägt. Leidenschaftlich, romantisch, berauschend … ein Leben lang. Go look for it!

„Wonach suchst Du? Nach Glück, Liebe, Seelenfrieden? Suche nicht am anderen Ende der Welt danach, sonst wirst Du enttäuscht, verbittert und verzweifelt zurückkehren. Suche am anderen Ende Deiner selbst danach, in der Tiefe des Herzens.“ (Buddha)

1 Comment

  • Rina sagt:

    Wow, was für ein toller Artikel <3
    Doch ist es die Suche nach einem Selbst, die das Leben ausmacht? In diesem Zusammenhang muss ich immer an das Zitat von George Bernard Shaw denken: "Life isn't about finding yourself. Life is about creating yourself."
    Denn wie oft suchen wir in uns selbst? Versuchen das Unbewusste zum Bewussten zu machen. Uns selbst in Gänze zu erfassen. Vergeblich. Sollte der Suchprozess nicht viel mehr ein Prozess des kreativen Schaffens sein? Unter Selbstliebe immer noch besser, noch dankbarer und noch glücklicher zu sein als am Vortag…

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