Rollenspiele

Das Problem an viel Sex mit wechselnden Partnern ist ja, dass man anfängt, sich zu langweilen. Also muss man sich immer wieder neue Kleinigkeiten ausdenken, die einen reizen. Luxusprobleme. Berlin macht es einem leicht. An jeder Ecke eine scheiß Party mit beschissenen Menschen und noch beschisseneren Drogen. Scheiß egal. Ich suche ja keine neuen Freunde, nur Ablenkung für ein paar Stunden. Im besten Fall. Aber so ganz alleine bin ich selten unterwegs. Ich fühle mich irgendwie bescheuert dabei, hat doch eh gleich jeder Mitleid. Absoluter Quatsch, interessiert keine Sau. Vorsichtshalber habe ich mir aber einen Club ausgesucht, in dem ich zu 98,5% keine bekannten Gesichter treffen werde.

Ich trinke Wodka Soda Lime und warte auf Tim. Mit Tim habe ich seit 6 Jahren ein sehr lose Affäre.

Diverse Partnerschaften beiderseits haben eine Regelmäßigkeit von vornherein unmöglich gemacht. Er ist frisch getrennt, wir haben uns fast ein Jahr nicht gesehen. Das macht es spannend. Eigentlich kennt man sich. Ich weiß, wie er riecht, wie er küsst und wie er sich anfühlt, wenn er in mir ist. Und trotzdem ist es jedes Mal anders. Es sind nur Nuancen, aber man schmeckt die anderen Partner, die die Monate zwischen uns füllen.

Tim steht neuerdings auf Rollenspiele. Für mich ist das Neuland. Aber mir sind diverse Fantasien verschiedener Männer immer wieder über den Weg gelaufen. Eigentlich sind es genau zwei, die Hauptthema sind: Sex in der Öffentlichkeit mit einer Fremden und Rapegame. Klingt pervers, ist es aber nicht – nicht mehr oder weniger, als alle andere Praktiken/Fantasien, wenn beide Lust darauf haben.

Aber fürs Erste reicht mir Sex in der Öffentlichkeit. Der Gedanke daran, erwischt du werden, macht mich extrem nervös. Aber eigentlich ist es auch egal – ich fand es bis jetzt auch nie schlimm, Menschen beim Ficken zu erwischen. Irgendwie ist das ja auch Teil des Spiels und befriedigt dazu auch noch den Voyeur in uns.

Ich weiß nicht, wann und wo ich heute Abend den „Fremden“, Tim, treffen werde. Das ist der Trick dabei. Und es macht mich so an, dass ich merke, wie ich feucht werde. Er kennt meinen Ablauf genau. Ich werde von 00 Uhr 30 bis 2 Uhr 30 im Club sein. Ich werde was trinken, aber nicht zu viel. Ich werde tanzen und vielleicht mal aufs Klo gehen. Der einzige Ort, wo ich ihn nicht antreffen werde. Das war mein Tabu. Sex auf einem abgefuckten schmierigen Clubklo finde ich so ekelig, dass ich Gänsehaut bekomme. Alles voll mit Drogen, Fäkalien, Kotze, Sperma und alten Tampons. Niemals würde ich auch nur einen Blowjob in dieser Hölle verschenken.

Ich werde Punkt 2 Uhr 37 in die S-Bahn steigen. In den letzten Wagon. Ich werde nach 4 Stationen aussteigen und den knappen Kilometer nach Hause laufen. Über die Hauptstraße, durch den kleinen Park, an der Kirche vorbei.

Aber noch stehe ich in dem Club. Der Bass wummert, ich lehne nervös an der Theke und muss mich zwingen, mich nicht permanent suchend umzuschauen. Klappt aber nicht.

„Na, welcher Idiot lässt dich denn warten?“ Ist es so schwer, zu glauben, dass eine junge Frau auch einfach mal alleine ausgeht? Ja ist es. Der Typ ist sogar mittelmäßig heiß und er will mir den nächsten Drink ausgeben. Warum auch nicht. Tim taucht nicht auf. Ich muss los, der Typ gibt mir enttäuscht seine Nummer.

Auf dem Weg zur Bahn fühle ich mich irgendwie verfolgt, einfach weil ich mir schon den ganzen Abend vorstelle, dass Tim plötzlich hinter mir steht und mir an den Arsch fasst. Man kann sich hervorragend in so ein Spiel reinsteigern.

In der Bahn sitze ich alleine im letzten Wagon. Ein bisschen enttäuscht bin ich ja, als die Türen schließen und ich immer noch alleine bin. Die halterlosen Strümpfe sind verrutscht. Eigentlich halten diese scheiß Dinger nie. Ich hänge meinen Gedanken nach und greife mir unter mein Kleid zwischen die Beine. Frauen machen das mindesten genauso oft wie Männer, nur eben nicht so öffentlich. Werden die S-Bahnen eigentlich kameraüberwacht?

Es ist Anfang April, beim Aussteigen fröstle ich unter meinem dünnen Trenchcoat. Meine Nippel verraten mich, ich schließe meine Jacke. Ich gehe die kleine Treppe in den Park runter und denke gerade tatsächlich an den Berg E-Mails, den ich noch beantworten muss, als mich jemand am Handgelenk zur Seite zieht und küsst. Tim. Lecker.

Er schiebt mich zu einer Bank, die außerhalb der spärlichen Parkbeleuchtung an dem schmalen Kiesweg steht, und zieht mich auf seinen Schoß.

Die Küsse sind intensiv und schmecken wie Tim, nur eben eine Nuance fremd. Er öffnet meinen Mantel und greift meine Hüfte. Dabei schiebt er seine Daumen irgendwie ein bisschen unter meine Hüftknochen. Das macht nur er, das ist Tim und dieses Gefühl ist so einmalig, dass ich keuchend ausatmen muss.

Ich höre jemanden die Treppe runter laufen und fühle mich schon ertappt, dabei knutschen wir doch nur. Ich widerstehe dem Drang, mich umzudrehen, setze mich jetzt mit dem Gesicht zu ihm auf seinen Schoß und spüre seinen harten Schwanz. Ich erinnere mich gut an ihn, nicht außergewöhnlich groß, aber sehr breit und mit enorm ausgeprägten Adern. Steh ich drauf.

Wir haben noch kein Wort geredet, das ist irgendwie komisch. Was sagt man denn bei einem Rollenspiel? „Hey na, ich bin Nina und wer bist du?“ Auf gar keinen Fall. Vielleicht eher ein verwundertes „Kennen wir uns?“. Aber als ich ansetze, küsst Tim mich wieder und wandert unter mein Kleid. Er schiebt meinen Slip zu Seite und wir stöhnen fast zeitgleich auf, als er einen Finger in mich schiebt. Dabei merke ich es kaum, so feucht bin ich. Wir küssen uns noch immer, mit seiner anderen Hand, die auf meiner Hüfte liegt, drückt er mich tiefer auf seine Finger. Und irgendwie habe ich vor lauter Anspannung schon einen Orgasmus, aber nur einen ganz kleinen.

Tim kramt ein Kondom aus der Tasche, öffnet seine Hose und rollt es sofort über. Okay, kein weiteres Vorspiel. Kann ich gerade echt mit leben, obwohl ich wirklich großer Fan von heavy Petting bin. Aber es ist kühl und ich bin maximal erregt. Er hebt mich auf seinen Schwanz und ist sofort in mir. Das Beste an dem Trenchcoat ist, dass man nicht mal sehen würde, dass wir gerade auf einer Parkbank vögeln.

Wir bewegen uns langsam, küssen uns weiter, reden nicht. Ich halte mich hinter ihm an der Lehne fest und will mich heftiger bewegen, als Stimmen und Schritte näher kommen und ich kurz erstarre. Wie schnell man vergisst, dass man im Park sitzt. Hört sich nach einer Gruppe Jungs an. Als sie an uns vorbeilaufen, verstummen die Gespräche. Ich kann förmlich sehen, wie sie sich gegenseitig mit den Ellenbogen anschubsen und in unsere Richtung nicken. Hilft ja nichts, wir bewegen uns nicht mehr und küssen uns einfach weiter. Irgendwie auch geil. Wenn die wüssten …

Irgendwie bin ich davon ausgegangen, dass sie weitergehen. Pustekuchen. 50 Meter weiter setzen die sich auf die nächste dunkle Bank und zünden einen Joint an. Fuck. Was machen wir denn jetzt? Ich muss kichern, Tim küsst mich unbeirrt weiter.

Zum Glück habe ich eine wirklich gut trainierte Beckenboden-Muskulatur. Ich bewege mich, ohne dass man es von Außen sieht und Tims Augen weiten sich. Die Kontraktion des PC-Muskels ist mit etwas Übung auch für den Typen enorm spürbar und die meisten flippen darauf aus. Ich glaube, die wenigsten Frauen sind sich tatsächlich bewusst, was sie damit bewirken können – bei dem Mann und vor allem bei sich selbst. Man kommt schneller, man kommt einfacher und das Beste – multiple Orgasmen, Baby.

Wir ficken ohne zu ficken und es ist trotzdem extrem gut, Tim atmet nur noch gepresst und beißt mir in die Lippe – sein Zeichen, dass er kurz vorm Kommen ist. Ich verstärke die Muskelbewegung, mir rinnt Schweiß zwischen den Brüsten runter. Wir kommen gemeinsam – auf einer Parkbank. Und in dem Moment sind mir die Jungs auf der andern Bank egal. Ich atme seufzend aus, halte mich an Tim fest und presse mich an ihn.

Er schiebt mich von sich und ich halte den Mantel so, dass keiner was sieht, aber wenn man nicht absolut bescheuert ist, weiß man sowieso, was das gerade war.

Wir stehen auf und laufen an der Gruppe vorbei ans andere Ende des Parks. Leises Lachen begleitet uns und ich grinse. Tim grinst auch, küsst mich und wir gehen getrennt nach Hause – gesprochen haben wir immer noch nicht.

2 Comments

  • Ex-trovertiert-Er sagt:

    Ich verirrte mich nach einem Link zu dieser Seite, welchen ich von einer Freundin bekam & fand nie wieder hinaus. Ich mag dein persönliches Labyrinth- fand nur keinen direkten Feedback-Button für dich Nina, daher überlasse ich der Magie des Internetes freien Lauf – Do your thing – & wünsche das dich diese Zeilen erreichen.
    Seit mehreren Tagen schon, liege ich im Krankenhaus und soll wegen meiner Schilddrüse operiert werden – was für ein abfuck – doch als ich deinen, für mich ersten Blog „Blowjob“ las, verstrich die Zeit und zugleich auch die Langeweile.
    Dein offener Schreibstil, deine Fantasie, Erotik und Gedankengänge sind Vorlagen für Kopf und Schwanz – für Seele und Herz. Ich vermochte SM nie etwas zu beköstigen, aber die Idee wuselt weiterhin in meinem Kopf. Ebenso dieses Thema – welches unabdingbar awesome ist! Ich danke dir, dass ich durch dich mich oft gefragt habe, ob ich irgendwann einmal meine Freundin, falls es dazu kommt, oral so gut befriedigen werde, wie es andere schon bekamen, (mit einen für mich persönlichen Feedbackbogen) oder ob man eine so offene Frau wie du es bist, trifft & sich jeder Hemmung erhaben ist. Danke Nina, danke für deine Kunst Wörter in Vorlagen zu schreiben & danke für deine Hingabe!

  • Simon sagt:

    Ein schöner Text 🙂 Ich würde mich über „Rollenspiele Part 2“ freuen, in dem es noch um andere Situationen geht. Die zwei genannten Fantasien, sind ja recht weit verbreitet, aber bestimmt schwirren noch ganz andere Ideen in Frauenköpfen herum.

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