Rauchstopp

Ich habe gerade eben erneut aufgehört zu rauchen. Nicht, weil ich es so wollte, weil ich mich dazu entschieden habe, es gründlich durchdacht und geplant hatte – nein, mein Körper kann sich diesen Rauch schlichtweg nicht mehr einverleiben.

Ja, es ist nicht das erste Mal. Und es wird auch nicht das letzte Mal sein. Aber bis jetzt konnte ich mich noch immer darauf verlassen, dass mein Körper mal früher, mal später die Notbremse ziehen würde. Die letzten drei Monate waren rauchintensiv. Denn sie waren ohne dich. Die Kippe hat dich ganz gut ersetzt – die orale Befriedigung ist nicht zu unterschätzen. Und so wie’s scheint, bin ich jetzt auch über die Kippe hinweg, die mir den Weg zurück ins Singleleben erleuchtete, mir voran ging, mich hinter sich her zog, bloß vorwärts, vorwärts, bloß nicht zu sehr nach hinten schauen. Sie stand mir ehrlich gesagt sogar treuer zur Seite als du. Aber sie hatte auch keine Wahl – ich kaufte sie mir, ich nahm sie mir, ich steckte sie mir in den Mundwinkel, ich rauchte sie zu Tode. Und doch glühte sie für mich, schenkte mir Licht in jenen Sommermonaten, die plötzlich dunkel wurden. Jetzt ist es Herbst – und es wird hell. Ich brauche sie nicht mehr. Mein Körper sträubt sich gegen das Gift.

Als ich dich verlassen hatte, war es auch mein Körper, der plötzlich begehrte, aufbegehrte, fremd begehrte, sich verzehrte – und sich so einen Weg gefunden hat. Du hast schon immer gewusst, dass ich meinem Bauch mehr vertraue als meinem Kopf oder meinem Herzen. Irgendwie liebe ich dich doch immer noch. Und irgendwie will ich dich nach wie vor nicht mehr. Kopf wie Herz sind stetig geblieben, langsam, kaum veränderbar. Aber mein Bauch, der wollte weg von dir, hin zur Kippe – und jetzt weg von der Kippe. Nein, es gibt keinen anderen Mann, zumindest nicht einen speziellen, jemand Erwähnenswertes. Es gibt glänzende Augen am Wegesrand, nette Begegnungen, wilde Nächte und vergessene Stunden. Aber mehr nicht. Die Kippe macht nicht einem anderen Platz – nein, sie hat mich zu mir selbst zurückgeführt.

Sei sorgsam mit dir selber, ehemaliger Bettgefährte. Wir haben uns ineinander verloren, wir haben vergessen, zu was wir eigentlich fähig waren. Anstatt zusammen zu wachsen, sind wir zusammen geschrumpft. Das hast du doch auch gemerkt? Sei sanft mit dir, ehemaliger Herzerwärmer. Nimm dir ein Licht, egal was es ist, und geh ihm nach. Lass es dich zu dir führen.

Peggys Alltag pendelt hin und her zwischen Fluchtgeschichten, schmutzigen Böden und philosophischen Denkausflügen. Nach dem Alltag geht sie alleine tanzen, trinkt Frischgebrautes zu leckeren Eigenkreationen, lernt entweder unbekannte Gesichter kennen oder trifft sich mit den Bekannten und schlägt sehr geschäftig die Zeit tot – wie sie gehört hat, wird sich diese ja revanchieren.

Headerfoto: Silvia Sala via Creative Commons Lizenz!

imgegenteil_Peggy

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