Ozeane voller Plastik – was wir tun können

Gute Dinge brauchen Zeit. Wenn es um diesen speziellen Beitrag hier geht, brauchte es ganz genau 185 Tage. Ich habe nachgezählt. Ein Tag, der mich in einer ganz besonderen Art geprägt hat, aber dafür muss ich ein bisschen ausholen.

Genau 185 Tage ist es nun her, dass ich nach Island aufgebrochen war und entlang meines Roadtrips, nach Sólheimasandur gelangt bin. Den meisten wird dieser unaussprechbare Name nun erst einmal gar nichts sagen, manche kennen ihn vielleicht als den Ort, wo im November 1973 ein Flugzeug der US Navy notlanden musste und dessen Wrack bis heute im schwarzen Sand der Südküste thront. Eine unglaubliche Attraktion für Touristen, wie ihr euch sicherlich vorstellen könnt. Auch mich konnte damals die mehrstündige Autofahrt und der etwa einstündige Fußmarsch, bei mäßigem bis starkem Regen nicht davon abgehalten, mir diese Sehenswürdigkeit einmal genauer an zu sehen.

Doch letztendlich war es nicht das imposante Flugzeugwrack im schwarzen Sand von Islands Küste, das mich so sprachlos gemacht hatte. Es waren all die Spuren, die ich selbst im entlegensten Winkel Islands finden konnte: Plastik. Wir alle hinterlassen unsere Spuren. Ob nun als abenteuerlustiger Tourist, der auf einem alternden Flugzeugwrack herumklettert, oder als Otto Normalverbraucher in unserem alltäglichsten Leben.

Unser Plastik landet im Meer

Wenn es um den Blog geht, bin ich oft eher rastlos, lieber heute posten als morgen, schnell fertig werden, aus Angst, in Vergessenheit zu geraten. Diesmal habe ich mir mehr Zeit gelassen. Um interessante Fakten zu sammeln und noch wichtiger – was wir selbst tun können. Denn der Wandel passiert auch schon in den kleinen Dingen.

Dass es da so ein Problem mit dem Plastikmüll in den Weltmeeren gibt, hat inzwischen wahrscheinlich jeder schon einmal irgendwo gehört. Müllstrudel im Pazifik, Tiere, die sich im Plastikmüll verfangen, ihn fressen oder sogar daran sterben. Die Ozeane sind voller Plastik. Um genau zu sein sind es 5.250.000.000.000 Plastikteile.

Eine Langzeitstudie kam zu dem Ergebnis, dass sich mindestens 5,25 Billionen Plastikteilchen in den Weltmeeren befinden. Damit kämen auf jeden Menschen etwas über 700 Kunststoffteile, die im Meer umhertreiben. Ein Großteil davon ist Mikroplastik (Partikel, die kleiner als 5 mm sind, z.B. aus Pflegeprodukten). Bis 2025 soll sich die Menge an Plastik im Ozean sogar noch verdoppeln.

Man hat den Eindruck, fast alles in unserer Welt ist in Plastik verpackt. Für das Meer bedeutet das: Plastik en masse!

Warum ist Plastik im Meer so schlimm?

Plastik findet sich nicht nur auf der Meeresoberfläche wieder, sondern auch in der Tiefsee, wo sich riesige Mengen an Kunststoff am Meeresboden ablagern. Forscher fanden in Wasserproben aus verschiedenen Meeresregionen bis zu sechs Mal mehr Plastik als Plankton.

Größere Plastikteile sind eine Gefahr für Meereslebewesen, die sich darin verfangen und sterben können. Kleinere Teile werden mit oder anstatt der Nahrung aufgenommen – und wandern so auch durch die Nahrungskette.

Zum anderen birgt Plastik auch noch eine subtilere Gefahr: Es enthält Schadstoffe und wirkt zudem auf andere Giftstoffe wie ein Magnet. Umweltgifte lagern sich an Plastikpartikeln an; diese werden somit umso gefährlicher für Lebewesen, die mit ihnen in Kontakt kommen. Das gilt natürlich auch für Menschen, die die winzigen Kunststoffteilchen mit dem Fisch oder Meeresfrüchten zu sich nehmen.

Die Ozeane sind voller Plastik – das ist traurig, erschreckend und empörend. Aber was hat das eigentlich mit dir und mir zu tun? Wir alle werfen ja bestimmt keinen Plastikmüll direkt ins Meer. Die Wahrheit ist: Wir alle tragen trotzdem aktiv oder indirekt zur Vermüllung der Meere bei.

Und wie kommt das ganze Plastik ins Meer?

Etwa 80 Prozent des Plastikmülls in den Meeren stammt vom Festland, die übrigen 20 Prozent von Schiffen und Bohrplattformen.

Ein beträchtlicher Teil des Plastikmülls in den Ozeanen sind verloren gegangene oder über Bord geworfene Fischernetze aus Kunstfasern. Für Lebewesen wie Fische, Schildkröten, Delfine oder Wale sind sie lebensgefährlich, denn sie verheddern sich in den Netzen und sterben. Die Fischindustrie und ihre Netze gibt es, weil wir gerne Fisch essen. Insofern tragen wir zu dieser Misere bei. Wer ändern will, dass weniger Meereslebewesen an Netzen verenden, sollte weniger Fisch essen – so einfach ist das.

Auch die Frachtschifffahrt als auch Kreuzfahrtschiffe tragen zu den steigenden Plastikmüllmengen im Meer bei: Versehentlich, leider aber auch oft absichtlich, landet Müll von den Schiffen im Wasser. Auch hierfür können wir natürlich nur indirekt etwas – viele unserer alltäglichen Konsumgüter kommen von weit her und werden per Schiff importiert. Wer regional konsumiert, kann seinen Beitrag leisten.

Der Großteil des Plastiks gelangt jedoch vom Festland über Flusssysteme, mit dem Abwasser oder mit dem Wind und den Gezeiten in die Meere.

Vor allem, wenn Abfall in der Natur liegen bleibt, ist das ein Problem – im Park, auf der Straße und ganz besonders in der Nähe von Gewässern. Denn eine Chipstüte, eine Zigarettenkippe oder eine Plastikverpackung, die irgendwo liegen gelassen wird, kann schnell in den nächsten Fluss geweht werden, der das Ganze dann langsam in Richtung Meer spült.

Obst und Gemüse wird in Großbetrieben meist in Gewächshäusern unter Plastik angebaut. Rund um die spanische Hafenstadt Almería zum Beispiel – hier wachsen Tomaten und Gurken, die nach ganz Europa verkauft werden. Dabei passiert es immer wieder, dass riesige Plastikplanen aus dem Gemüseanbau im Meer landen. 2013 wurde im Magen eines in Andalusien angeschwemmten toten Pottwals 17 Kilogramm Plastikmüll gefunden – darunter 30 Quadratmeter Plastikplane. Wer Gemüse aus der eigenen Region kauft, trägt nicht zu diesem Wahnsinn bei.

Eine fast unsichtbare Quelle der Plastikverschmutzung liegt in unseren Bädern: Mikroplastik. In Zahnpastas, Peelings, Duschgels und vielen weiteren Pflege- und Kosmetikprodukten sind winzige Kunststoffteilchen enthalten, die aus dem Abwasser praktisch nicht herausgefiltert werden können und so fast ungehindert in unsere Gewässer – und über diese in die Meere – gelangen.

Doch nicht nur aus Kosmetika, sondern auch aus unserer Kleidung lösen sich Plastikteilchen: Kleidungsstücke aus Kunstfasern wie Fleecejacken, Sportkleidung oder ganz normale Shirts aus Polyester, Nylon oder Acryl verlieren bei jedem Waschgang winzige Fasern. Waschmaschinen können diese mikroskopisch kleinen Fasern nicht herausfiltern – genauso wenig die Kläranlagen. Dadurch landen auch Kunststofffasern aus Textilien praktisch ungehindert in den Meeren.

Was können wir gegen die Flut aus Plastik tun?

Nicht jeder kann und will seinen Lebensstil von heute auf morgen ändern und darum geht es hier auch gar nicht. Es geht vielmehr um die kleinen Schritte, die wir täglich tun können. Wir sollten anfangen, Kunststoff wieder als einen Wert-Stoff und nicht als einmaliges Abfallprodukt zu betrachten.

Es kann ganz einfach sein auf Plastik zu verzichten und stattdessen wiederverwendbare Dinge zu benutzen: Baumwolltaschen statt Plastiktüten, unverpacktes Gemüse statt in Plastik verschweißtes und im Lieblingscafé mit eigenem To-Go-Becher aufkreuzen und so weiter.

Das lässt sich auch noch in vielen anderen Lebensbereichen anwenden: Dinge gebraucht zu kaufen und wieder weiter zu verkaufen oder zu verschenken, macht ökologisch betrachtet Sinn, da kein neuer Müll in den Kreislauf gebracht wird. Geld spart man damit auch noch – klassische Win-Win-Situation.

Jeder sollte seinen Kunststoffmüll, möglichst konsequent ins Recycling geben. Wer keine gelbe Tonne hat: Viele Städte bieten Sammelcontainer an, auch bei Wertstoffhöfen kann man Kunststoffmüll kostenlos entsorgen.

Im Bad begehen wir ebenfalls täglich mehr Müllsünden als wir glauben. In Kosmetika versteckt sich das Plastik oft in Form von ganz kleinen Peeling-Kügelchen oder als Füllstoff und das landet zwangsläufig über den Abfluss im Meer. Um Mikroplastik im Alltag zu vermeiden, gibt es ein einfachen Weg: Zertifizierte Naturkosmetik verwenden, denn die verwendet stattdessen pflanzliche oder mineralische Stoffe.

Leider ist nicht ganz einfach zu erkennen, ob in Pflegeprodukten und Kosmetik Kunststoffpartikel stecken. Kunststoff in Kosmetik muss zwar auf der Verpackung angegeben werden, verbirgt sich aber meist hinter Fachbegriffen. Stehen in der Inhaltsstoffliste „Polyethylen“ (PE), „Polypropylen“ (PP), „Polyamid“ (PA) oder „Polyethylenterephtalat“ (PET) ist auf jeden Fall Mikroplastik enthalten. BUND und Greenpeace bieten hilfreiche Negativ-Listen von Produkten, die Mikroplastik enthalten.

 

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1 Comment

  • Danke für diesen tollen Beitrag 🙂

    Für das Problem Mikroplastik in Kosmetika und anderen Pflegeprodukten kann ich die App „Codecheck“ absolut weiter empfehlen!
    Einfach im Laden den Barcode scannen und ihr bekommt nicht nur angezeigt, ob das Produkt Mikroplastik enthält, sondern auch noch Informationen wie beispielsweise zum Palmölgehalt (führt zu starker Regenwaldabholzung in Indonesien) und gesundheitsschädigenden Inhaltsstoffen (beispielweise aufgrund hormoneller Wirksamkeit).

    Liebe Grüße, Lea

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