Noch so eine Liebeserklärung

Den ersten Teil zu sagen ist leicht: Ich liebe dich, ich liebe dich ohne Sinn und Verstand. Ich trage dieses warme, weiche Gefühl in meinem Brustbereich, manchmal rutscht es mir in den Bauch oder breitet sich in der Grube dazwischen aus, aber es ist da und ich spüre es, bei jedem Augenöffnen und lange nach jedem Augenschließen. So halt. Alles weitere zu sagen fällt mir nicht leicht.

Ich liebe dich und finde, die ganze Welt braucht davon eigentlich gar nicht viel wissen. Früher dachte ich, man muss Liebe zeigen, damit sie existieren, damit sie atmen und wachsen kann. Aber inzwischen habe ich festgestellt, dass es manchmal grausam ist, verantwortungslos und grausam, so ein sensibles Gefühl der Realität mit ihren Menschenmeinungen auszusetzen.

Plötzlich wird sie angegriffen, aus dem Hinterhalt überfallen von den vielen Erwartungen und den Ansprüchen noch mehr. Erwartungen, die Befehle erteilen: Entspreche mir! Und Ansprüche, die bis an die Zähne mit den Wertungen anderer bewaffnet fordern: Werde mir gerecht! Das ist nicht richtig, das gefällt mir nicht, ich erhebe Einspruch in diesem Gericht.

Das schöne Gefühl, dass ich gerade noch hatte, weint jetzt eingequetscht in meiner Grube vor sich hin. Ich möchte, dass du du bist, weil es doch du bist, den ich liebe. Und ich möchte, dass du tust, was dich glücklich macht, weil ich dich glücklich viel schöner finde. So furchtbar schön, innen, außen und drum herum.

Vielleicht liked mal eine dein Profilbild, die ich hübsch finde. Dann bekomme ich Angst: Findest du sie hübscher als mich und heißt das, ich bin selbstverständlich, natürlich und unvermeidlich weniger wert? Aber was soll ich machen, du siehst auch einfach gut aus auf dem Foto. Können wir nicht einfach beide hübsch sein, sie und ich, unabhängig von und neben einander? Immerhin denke ich ja auch, dass sie hübsch ist, warum möchte ich dann nicht, dass du denkst, was ich denke? Das wäre doch eigentlich was, wenn wir einer Meinung wären, unsere erste kleine Gemeinsamkeit, wir haben einen ähnlichen Geschmack. Wollen wir uns damit nicht einfach eine gemeinsame Zukunft einrichten oder so?

Schreib mir öfter, benutz das Kussemoji statt dem Daumenhoch, ja!

Ich möchte dich nicht brauchen. Dir die Verantwortung dafür aufzwingen, dies zu tun und das zu lassen, damit es mir gut geht oder besser. Schreib mir öfter, benutz das Kussemoji statt dem Daumenhoch, ja! Hat er jetzt nach 7 Stunden erst geantwortet, vorher waren es doch 2 Stunden 10 Minuten. Wie viel hat er geschrieben, hat er Fragen gestellt und wenn nicht, heißt das alles automatisch, zwangsläufig und unausweichlich, er findet die andere hübscher als mich?

Das kann ich dir nicht antun, mir selbst übrigens noch weniger. Ich liebe dich ohne Währungstausch, ungefiltert, ganz roh. Tu nichts, um mich glücklich zu machen, ich passe selbst darauf auf, dass es mir gut geht, ok? Und wenn du es tust, dann nur, weil du willst. Aber wenn du es mal nicht tust, vielleicht weil du nicht kannst, ist auch nicht so schlimm, weil dann bin ja immer noch ich selbst für mich da. Man sagt, Liebe hat keine Angst und fordert nicht, Selbstzweifel tun das. Wenn ich mich vollständig fühle, hübsch und gut genug, vielleicht sogar noch ein wenig besser, gibt es doch eigentlich keinen Grund zur Angst? Oder.

Jetzt wo du mich auch liebst, lieben wir uns gegenseitig glücklicher und wenn du gehst, dann warte ich voller Freude in Kopf, Brust und Bauch auf dich. Falls es mal traurig wird, weil du nicht wieder kommen magst, dann liebe ich mich eben selber weiter, ich liebe mich einfach selbst wieder heil. So halt. Aber bis dahin liebe ich dich dazu, ohne Sinn und Verstand, aber mit all meinen Sinnen, versprochen, und diesem Verständnis, das ich von mir, dir, uns und der Liebe in meiner Grube habe.

Headerfoto: Pärchen auf Schaukel via Shutterstock.com! (Gedankenspiel-Button hinzugefügt.) Danke dafür.

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