Mein Exfreund ist scheiße

Exfreunde sind scheiße. Alle haben tolle Exfreunde. Befreundete Exfreunde. Meiner ist scheiße. Vielleicht aber, weil mein Freund, bevor er mein Exfreund wurde, auch schon scheiße war. Und weil ich scheiße war. Zusammen waren wir scheiße schön.

Ich wünschte, ich hätte einen befreundeten Exfreund. Der nach dieser sehr langen Freund-Zeit immer noch mit mir Bier trinken geht. Der mir von seinem Leben erzählt und ich ihm von meinem. Der mir sagt, was toll und nicht so toll ist, einfach weil wir diese lange Freund-Zeit hatten und einfach weil es komisch ist, dass er jetzt fremd ist. Und scheiße natürlich. Aber das war er ja auch vorher. Und ich ja auch. Also einfach nur, weil er jetzt weg ist.

Der Exfreund und ich, wir waren über fünf Jahre ein Wir. Das ist verdammt lange. Kennengelernt, Studienende, Auslandsaufenthalt, Umzug in neue Stadt, erster Job, hingeschmissen und auf Reisen gegangen. Zurück, neue Stadt, neue Freunde, neues Leben, WGs, endlich den Absprung geschafft und getrennt. Wir war kein harmonisches Wir. Wir waren Mord und Totschlag. Wir waren Liebe und Hass. Wir waren Tränen und Geschrei und Gebrüll und nicht trennen, weil ja so viel erlebt und überhaupt. Wir waren beide schuld. Das Ende vom Wir war durchatmen. Denken, jetzt wird alles gut. Liebesfreund, Beziehungsfreund, Sexfreund ist weg. Aber Freund, Bierfreund, Sopranosfreund bleibt. Natürlich nicht sofort. Aber bald. Bald sind wir Freunde und ich kann alle tollen Sachen aus meinem Leben erzählen und Exfreund Schrägstrich Neuerfreund erzählt mir seine. Und ist nicht weg.

Und dann sieht die Realität immer anders aus. Immer. Mein Exfreund ist kein Neuerfreund. Mein Exfreund und ich können noch nicht einmal drei Mails hin und her schicken ohne uns zu fetzen. Dieses Kryptonit-Ding. Nein, mein Exfreund ist niemand, für den ich alles stehen und liegen lassen würde und zurück. Mein Exfreund – so hab ich das in meinem Kopf beschlossen – darf sich noch nicht mal mehr eine kleine Cola mit mir teilen. Ende.

Mein Exfreund und ich wohnen in derselben Stadt. Das ist schon eher blöd bis ziemlich blöd. Jetzt, wo wir keine Neuen-Freunde mehr sind und werden. Sondern nur noch Exfreunde. Und auch noch hassende Exfreunde.

Natürlich halte ich mich für ein großes Mädchen. Trotzdem ertappe ich mich dabei, auf der Straße zu stehen und eindringlich zu hoffen, dass er jetzt nicht um die Ecke kommt und mich in diesem schrecklichen Outfit sieht. Manchmal vergesse ich das einfach. Seit unserer Trennung haben Exfreund und ich uns nicht wiedergesehen. Deswegen muss ich doch das erste Mal wenigstens relativ gut aussehen. Finde ich. Besonders, weil mein Exfreund eine neue, sehr sehr junge Freundin hat. Das ist unfair. Finde ich. Ersetzt werden ist ja eh erst mal kacke. Durch jemanden mit Babyhaut ist doch noch kacker. Man fragt sich, wie das sein kann. Man war doch super toll. Bis auf die Zeiten zwischendurch, in denen man halt scheiße war. Aber trotzdem war da doch viel. Aber man ist kein Wir mehr. In keiner Form. Jeder macht weiter. Er. Ich. In der Stadt.

Manchmal, ganz manchmal und ganz langsam, kommt schleichend die Erkenntnis, dass man Sachen ziehen lassen muss. Auch Exfreunde. Dass Single sein schön sein kann. Dass es das nicht war. Dass er das nicht war. Dass man ohne Wimperntusche aus dem Haus gehen kann. Dass es egal ist. Dass man nichts Fieses mehr sagen möchte. Dass es egal ist, ob er Exfreund, Neuerfreund oder Irgendwer ist. Dass es eine schöne Zeit war. Dass man gelernt hat, was scheiße sein bedeutet. Dass man so nicht mehr sein möchte. Dass man Babyhautfreundinnen gönnt. Dass man stärker geworden ist. Dass man niemanden braucht. Außer die Freunde-Familie. Dass alles schön ist. Und dass es auch okay ist, wenn man ihn irgendwann wiedersieht. In dieser Stadt. Und man dabei nicht schön aussieht. 

Marie
Horselady
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Headerfoto: Milada Vigerova via Unsplash License!

imgegenteil_Marie

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