Masturbation – woran ich dabei denke

Ich hole mir gerade einen runter und denke dabei an Fiona. Ich denke nicht so oft an Fiona, immer nur beim Wichsen. Und auch dann eigentlich ziemlich selten. Es gibt verschiedene Arten, sich einen runterzuholen. Es ist gut, für jede Form der Masturbation die passende Frau im Kopf zu haben. Wenn ich zum Beispiel in der Uni kurz im Männerklo verschwinde und nach dem Geschäft noch auf die Schnelle einen abschießen will, stelle ich mir meistens einen Quickie mit Dana vor. Kein Vorspiel, einfach zack und los – das wirkt Wunder. Nach ein paar Sekunden bin ich fertig, wasch mir die Hände und geh zurück ins Seminar, als wäre nichts gewesen. Mit Fiona würde das nicht funktionieren, das passt einfach nicht vom Timing her. Fiona muss ich erst langsam ausziehen, ein bisschen lecken, Vorspiel halt. Und wenn es dann richtig losgeht, dauert es auch ein paar Minuten, bis ich was spüre. Es muss dauern, es soll ihr ja auch gefallen. Kann ja nicht immer nur an mich selbst denken. Fiona fühlt sich schon deutlich besser an als Dana, aber manchmal muss es eben schnell gehen. Es geht übrigens auch noch besser als mit Fiona. Es muss wirklich alles stimmen – kein Zeitdruck, entspannte Atmosphäre, weiche Unterlage – dann fällt die Wahl meistens auf Emilie. Wenn ich es zum Beispiel abends im Bett vor dem Einschlafen noch mal so richtig genießen will, ist sie genau die Richtige. Aber mit Emilie kann ich nicht einfach nur ins Bett gehen, da ist sie echt nicht der Typ für. Ich muss mir vorher erst mal überlegen, wie ich sie am besten rumkriege. Kino, romantisches Abendessen, so in der Richtung. Irgendwann hab ich sie dann soweit, wir gehen zu ihr oder zu mir und es geht los – ganz langsam, das volle Programm. Ich zieh ihr jedes Kleidungsstück einzeln aus, es folgt ein epischer Cunnilingus und dann treiben wir es in allen erdenklichen Stellungen. Im Prinzip macht es mit Emilie am meisten Spaß, es gibt nur ein kleines Problem: Wenn ich schon vor dem Wichsen zu müde bin, schlaf ich manchmal einfach ein, bevor wir zur Sache kommen. Gut, dass sie das nie erfahren wird. Es muss ziemlich deprimierend sein für eine Frau, wenn ihr der Kerl noch vor dem Orgasmus einfach wegpennt. Das mit dem Einschlafen wäre wahrscheinlich nicht mal das einzige Problem an der Sache, wenn Emilie erfährt, was ich abends öfter mal in Gedanken mit ihr mache.

Ich hab noch nie mit einer Frau darüber geredet, was sie davon halten würde, wenn ein Kerl beim Wichsen an sie denkt. Sollte ich vielleicht mal ansprechen, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Ich bin mir fast sicher, dass die meisten Frauen das nicht gerade locker nehmen würden. Würden einen angucken wie einen Perversen. Verstehe ich gar nicht. Ist doch eigentlich ein gutes Zeichen. Könnte man sich schon was drauf einbilden als Frau. Wenn so ein Mädel zu mir kommen und sagen würde, sie hätte sich gestern ihre Finger oder ihren Vibrator in die Möse gesteckt und sich vorgestellt, es wäre mein Schwanz – halleluja. Ich würde mich gut fühlen. Aber ich bin ja auch keine Frau. Eigentlich müssten Frauen sich doch denken können, dass Männer beim Onanieren an sie denken. Oder an andere Frauen, kommt drauf an. Ich finde das auch ganz natürlich, woran sollte man sonst denken? Sich eine nackte Frau vorzustellen, vereinfacht die Sache mit der Erektion schließlich ungemein. Und was ist naheliegender, als dann bei der Gelegenheit auch gleich zur Sache zu kommen, wo sie schon mal nackt ist. Ich bin mir sicher, dass die meisten Frauen so eine Art Verdrängungsmechanismus entwickelt haben, was das angeht. Sie wollen einfach nicht darüber nachdenken, von wem sie alles schon mal in Gedanken durchgenommen worden sind. Stellt euch mit mir einfach mal eine Welt vor, in der ich morgens im Bus eine Kommilitonin treffe und meine erste Frage ist, an wen sie gestern Abend gedacht hat. Sie erzählt mir, dass sie sich vorgestellt hat, von Micha vernascht zu werden. Aber noch besser wäre es heute Morgen unter der Dusche gewesen. Sie hätte den Strahl voll aufgedreht, ihn sich an die Muschi gehalten und sich in Gedanken von einem Freund ihres Bruders lecken lassen. Dann käme ich mit meiner Geschichte von Emilie und die Busfahrt wäre in null Komma nix vorbei. In der Uni würden wir beide erstmal auf dem Klo verschwinden, also jeder einzeln natürlich, weil uns das Gespräch so geil gemacht hätte. Obwohl, warum eigentlich nicht doch zusammen…?

Sex ist irgendwie immer noch tabu und alle machen mit. Ich werde auch weiterhin obszöne Texte schreiben und sie niemanden lesen lassen, weil ich befürchten muss, schief angeschaut zu werden. Ich werde auch weiter beim Wichsen an Fiona denken und mich trotzdem mit ihr nur ganz unverfänglich über das Wetter unterhalten, wenn wir uns zufällig über den Weg laufen. Aber ich werde schreiben und ich werde wichsen. Ich denke, das ist ein guter Anfang.

Raffael ist vor neun Jahren 18 geworden und widmet seine Zeit nun dem Studium der menschlichen Psyche, meistens seiner eigenen. Die Semester zählt er nicht mehr mit, er hat es halt nicht so mit Zahlen. Um das herauszufinden, hatte er allerdings erst zwei Semester lang Mathematik studieren müssen. Dass Bridge seine große Leidenschaft ist, möchte er lieber nicht verraten, man könnte ihn sonst nämlich für langweilig halten. Das wiederum erschwert die Partnersuche. Seine Kurzgeschichten sind alles andere als langweilig. Wie sollten sie auch – meistens geht es schließlich um Sex.

Headerfoto: Hände via Shutterstock.com. („Körperliches“-Button hinzugefügt.) Danke dafür!

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6 Comments

  • Super Artikel, fühle mich auch eher geschmeichelt wenn o. g. der Fall ist und weiß zumind. von einem Mann, mit dem ich mich regelmäßig unregelmäßig treffe, dass er ab und an dabei an mich denkt. Ist doch völlig ok, vor allem wenn man es eh im real life miteinander tut.

    Raffael, kann man dich mal kennenlernen oder biste inzwischen schon vom Markt? ^^

  • Unterhaltsamer Artikel. Ich musste das eine oder andere Mal schmunzeln. Mein Freund stellt sich Körperteile vor, ich habe ihn gefragt. Ich persönlich lese erotische Geschichten und hab da aber auch so wie du unterschiedliche Varianten für meine derzeitige Stimmung. 🙂 Wie auch immer, weiter so!

  • Ich finde auch, dass es kein Grund zur Empörung ist. Ist doch eher ein Kompliment?!
    Wann gibts eigentlich mal ein Kurzportrait von Raffael 😉 ?

    Lg

  • Naja, als mir neulich mal ein Bekannter, den ich lang nicht mehr gesehen habe, schrieb, dass er letzte Nacht den besten Sextraum seines Lebens hatte (und zwar mit mir), fühlte ich mich eher geehrt als empört 😉

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