Lieben tue ich Sie trotzdem

Versteht mich nicht falsch: Ich bin mehr so der Männer-Mensch. Und trotzdem liebe ich Sie irgendwie. Sie ist meine Traumfrau. Sie ist ja nicht nur wunderschön, sondern auch nett und verrückt. Und klug ist Sie auch. Und einfach unbeschreiblich toll. Aber nur weil Sie meine Traumfrau ist, liebe ich Sie ja nicht automatisch. Na gut, tue ich doch.

Im einundzwanzigsten Jahrhundert müsste das doch eigentlich akzeptiert sein. Frau und Frau. Mann und Mann. Doch irgendwie merkt man es dann doch, dass nicht alle diese Art Liebe in Ordnung finden. Mein Vater bezeichnet alle Homosexuellen als „arme kranke Menschen“, während meine Mutter Ellen DeGeneres nicht mag, weil sie lesbisch ist. Dabei ist doch Liebe Liebe, oder etwa nicht?

Es ist ja auch keine Liebe mehr zwischen Ihr und mir. Es ist mehr ein einseitiger Wunsch nach einem gemeinsamen Leben. Sie ist einfach nur freundlich zu mir und ich Idiotin laufe lachend durch die Straßen, nur weil Sie mir manchmal „guten Morgen“ oder „gute Nacht“ schreibt. Ich werde durch Sie zu einer Witzfigur und habe nicht einmal ein Problem damit.

Sie könnte mit mir spielen wie mit einer Marionette und Sie tut es nicht. Allein deswegen liebe ich Sie. Irgendwie. Sie ist einfach meine bessere Hälfte, mein Herz, mein Schatz, mein Liebling – zu liebenswert für diese Welt. Heidi Klum sieht neben ihr aus wie ein fetter LKW-Fahrer und Mutter Theresa wie Osama Bin Laden. So wirkt Sie jedenfalls in meinen Augen.

Dabei will ich nicht mit Frauen zusammen sein. Oder mit Männern. Nur mit ihr! Ich fühle mich weder heterosexuell, noch homosexuell. Ich will einfach nur Sie. Für den Rest meines Lebens!

Ich will mit Ihr in eine Welt ziehen, wo eine Liebe zwischen Frauen genauso anerkannt ist, wie die zwischen Männern und Frauen. Ich will mit Ihr eine Familie gründen, auch wenn das nicht einfach wird. Ich will Kinder mit Ihr haben, die genauso perfekt sind wie Sie.

Ich will einfach Sie.

Und von mir aus bin ich lesbisch, weil mein Herz rast, wenn ich an Sie denke oder tausend Schmetterlinge in meinem Bauch Amok laufen, wenn ich Sie sehe. Damit kann ich leben.

Ich bin gerne lesbisch, wenn Sie der Preis dafür ist.

– In Liebe B.

Anesh kommt aus dem Land der Granatäpfel und Aprikosen. Wo beinahe auf jedem Felsen ein Kloster zu finden ist, wo Fremde zu Familie werden und man das Essen am besten mit den Fingern genießt. Schwierige Menschen und Lebenslagen faszinieren sie ganz besonders. Ein Schleier des Unnahbaren wirft oft einen Schatten auf ihr sanftes, mit Gedanken überfülltes und emotionales Wesen. Sie liebt französische Filme, verregnete Sonntage und den süßen Duft dieser unfassbar komplizierten, wahnsinnig unentschlossenen und wahrhaft liebenswerten Frau. Denn sie ist die unvollkommene Vollkommenheit!

Headerfoto: natalla perls via Creative Commons Lizenz!

Love is Love

1 Comment

  • Arisha sagt:

    Anesh ist die Frau mit den großen braunen Augen aus meinem Text http://imgegenteil.de/blog/planschbecken-neben-dem-ozean/ Wir haben zufällig am selben Tag unabhängig voneinander diese Texte verfasst, um sie auf imgegenteil zu veröffentlichen, unsere Inspiration war der Text Tintenkuss http://imgegenteil.de/blog/tintenkuss/ wunderschön! Erst ein paar Tage später, als wir nach Wochen wieder Kontakt hatten, haben wir uns gegenseitig davon erzählt.

    Ich freue mich, dass wir seit knapp 1 Monat wieder ein Paar sind und das hoffentlich für immer bleiben werden. Im Endeffekt ist nur wichtig, dass wir beide glücklich sind, wie die anderen damit zurechtkommen ist schließlich ihre Sache.

    Danke Jule, dass ihr beide Texte veröffentlicht habt, wir freuen uns sehr 🙂

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