Körpergeruch

Irgendwie unangenehm! Ist das eigentlich einer der ersten Gedanken den wir mit Körpergeruch verbinden? Dabei ist das Wort Geruch an sich absolut neutral. Erst das Hinzufügen von gut oder schlecht gibt diesem Wort eine Wertung. Doch anders als der Geruch von Essen, welcher schon bei der Zubereitung unseren Appetit anregt, die Lust darauf verspüren lässt, scheint der Körpergeruch heutzutage um jeden Preis unterbunden werden zu müssen.

Die Analogie bleibt jedoch auch bei uns bestehen. Der Geruch wird nämlich als erster Eindruck, als Appetitanreger für zwischenmenschliche Beziehungen begriffen. Ganz gleich ob bei einem förmliches Vorstellungsgespräch oder in einem intimen Szenario. Da gerade letzteres oft zu einem undefinierten Zeitpunkt stattfindet – manchmal also nicht schon morgens klar ist, was abends passiert – drücken viele Menschen lieber noch einmal mehr auf den Zerstäuber des Parfümfläschchens.

Parfüm wird so zum perfekten Hilfsmittel, den eigenen Geruch zu überdecken. Um damit in eine, je nach Situation, andere Rolle schlüpfen zu können, einen gezielten ersten Eindruck zu erzeugen, eine Haltung zu übermitteln, welche sogar noch in ihrer Intensität reguliert werden kann. Ich jedoch durchschaue diesen Trick der Täuschung und wünsche mir mehr Ehrlichkeit beim eigenen Duft. Es hat nichts Positives, wenn jemand eine fünf Meter lange Parfümwolke hinter sich herzieht und nichts außer Kopfschmerzen bei seinen Mitmenschen verursacht. Ganz im Gegenteil, ich empfinde dies als eine bewusst aufgetragene Wand, welche sich zwischen mich und jemand anderen schiebt. Es wirkt wie ein unsichtbarer Mantel, welcher sich komplett um die Person legt und so jede Nähe, jede wirkliche Wahrnehmung vernebelt. Dabei ist der Wissenschaft längst klar, dass wir unsere Partner unter anderem nach deren Körpergeruch aussuchen und nicht nach Chanel Nr. 5, das gut zu Hugo Boss passt. Auch aus hygienischer Sicht gibt es keinen Grund für die gezielte Verfälschung des eigenen Geruchs. Ich sage damit übrigens nicht, dass ihr euch nie wieder waschen sollt.

Wir verwenden heute schon genug fremde Dinge, um uns selbst zu definieren. Angefangen bei Statussymbolen über Kosmetik bis hin zu Parfüm. Dabei verfremden wir uns immer mehr und fragen uns vielleicht schon gar nicht mehr, wer wir eigentlich sind. Wie soll uns dann eigentlich eine andere Person als wahrnehmen? Ich finde es schön, dass wir alle anders aussehen, anders riechen und anders schmecken. Wie schade, dass wir all diese einzigartigen Merkmale einheitlich machen wollen. Und wie schwierig es dadurch für andere Menschen wird, das Individuum wirklich riechen zu können.

Wie einfach es ist, dass wir nicht alle der Norm entsprechen und gleich riechen. Von mir aus dürft ihr aufhören ständig zu duschen und gerne weniger Duftstoffe benutzen – dann braucht es vielleicht auch kein Yoga um mit sich selbst im Reinen zu sein, sondern nur etwas mehr Natürlichkeit.

Passend zum Thema gibt es hier einen richtig witzigen Artikel von Jule zum Thema Pheromonparties.

Daniel Aubin studiert im Master VWL und ist daneben auf der Suche nach dem kontrollierten Kontrollverlust. Er lebt noch und liebt Berlin und kann ganz gut mit Langeweile umgehen. Bei im gegenteil hat er übrigens ein fabulöses Porträt. Mehr findet ihr auch auf seinem aubinsblog.

Headerfoto: Sho Hashimoto via Creative Commons Lizenz!

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