In 15 Texten durch 2015

Es war ein vielseitiges Jahr, dieses 2015. Wenn ich mir die am meisten gelesenen Texte bei im gegenteil so angucke, stelle ich es mir wie folgt vor: Ihr hattet zu viel Sex – Blowjob inklusive, aber ohne zu verhüten, habt euch verliebt, sehnsüchtig gewartet, wurdet verlassen, habt euch selbst für beziehungsunfähig erklärt, euch zu dick gefühlt, Tinder endlich abgeschaltet, seid viel zu alt geworden, habt euren Therapeuten dazu befragt und nur die schönen Momente davon bei Instagram geteilt. Na ja. So oder so ähnlich wird es gewesen sein. Nun ist es leider/glücklicherweise vorbei und wir blicken noch mal zurück auf die Höhepunkte der Gedankenspiele.

Ganz besonders freut mich, dass es zwischen Herzschmerz und Fummeln auch ein Text über die Geflüchteten vom LAGeSo und eine Kiezgeschichte über alternative Bestattungen in die Hitliste geschafft haben. Hervorzuheben bleibt außerdem: Das erste Drittel ist sehr Nast-lastig. Danke dafür, Micha. <3 Danke auch an alle festen und Gast-Autoren, die vielleicht nicht in dieser Liste auftauchen (in unseren Herzen teilt ihr euch eh alle den ersten Platz) Wir lieben es, mit euch Titel zu brainstormen, Headerbilder zu finden, Kommas zu richten, eure persönlichen Geschichten zu lesen und das Feedback der Leser kaum abwarten zu können – ihr seid ein Quell der Inspiration und Freude für uns. Und bevor ich Pipi in den Augen kriege, kommt hier die Top 15. Viel Spaß beim Stöbern.

1. Generation Beziehungsunfähig | Michael Nast

„Wir befinden uns in einem anhaltenden Zustand der Selbstoptimierung. Wir wissen, dass alles noch viel besser werden kann. Bis es perfekt ist. Das Problem mit dem Perfekten ist allerdings, das man diesen Zustand nie erreicht.“

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(Foto: Sabino Aguad)

2. Leben ohne Instagram-Filter | Michael Nast

„So gesehen sind wir auf sozialen Netzwerken von Illusionen umgeben, einer überzeichneten Wirklichkeit, deren Ansprüchen wir nicht gerecht werden können, weil wir nun mal keine mit Photoshop bearbeiteten Gesichter haben, und unsere Leben keine endlose Aneinanderreihung von Höhepunkten ist.“

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(Foto: Rodrigo Bernal)

3. Ich hatte zu viel Sex | Michael Nast

„Die App ähnelt dem Moment, in dem man einen Club betritt, und die Frauen im Raum checkt. Man sortiert sie – nach ästhetischen Gesichtspunkten. Nach Äußerlichkeiten.“

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(Foto: Roco Perna)

4. Aber ihr habt verhütet? | Michael Nast

„Jeder kennt das. Diese Momente kurz vor dem Sex, in denen plötzlich alles egal ist. Man kann das Trieb nennen, oder Geilheit. Man hat keine Angst vor eventuellen Konsequenzen, denn die Quelle der Angst liegt in der Zukunft.“

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(Illu: Jacqueline Pulsack)

5. Wovon wir reden, wenn wir von Liebe reden | Michael Nast

„Wirkliche Liebe gibt uns die Möglichkeit, wieder Mensch zu sein, kein degeneriertes Produkt dieser Gesellschaft. Liebe ist die Möglichkeit, auszubrechen, die Strukturen zu verlassen, die Perspektive zu ändern. Sie ist unsere Chance, der Ausweg, den Egoismus hinter sich zu lassen, den unsere Gesellschaft von uns verlangt.“

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(Foto: Julia Shashkina)

6. Tinder, ein Abschiedsbrief | Thomas

„Jeder hat dich benutzt, manche wussten wofür, viele hatten keinen blassen Schimmer. Du warst wie das Rauchen. Eine schlechte Angewohnheit von der man nicht los kommt und immer gut, um fünf Minuten Wartezeit zu überbrücken.“

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(Foto: Elisa Paolini)

7. Blowjob | Nina Wagner

„Diesen Mund fand er schon immer toll, schon beim ersten Date hat er nicht nur an Küsse, sondern vielmehr an ihre Lippen und seinen Schwanz gedacht.“

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(Foto: Alex Dram)

8. Endstation Sehnsucht | Anna

„Dein Körper ist nass geschwitzt, du keuchst zufrieden. Ich liege in deinem Arm, du streichelst mich. Alles an uns sieht aus, als seien wir ein glückliches Paar. Aber der Konjunktiv bleibt.“

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(Foto: Lua Corujeira.)

9. 459 Tage | Lila

„Ich will mir meinen Rückfall nicht eingestehen. Ich fühle mich wie ein Alkoholiker nach einer Packung Mon Chéri. Ich fühle mich schuldig. Und ich warte auch nicht darauf, dass Du Dich meldest. Denn ich weiß, Du wirst es nicht.“

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(Foto: Lilit Matevosyan)

10. Die Geflüchteten am LAGeSo in Berlin | Jule Müller

„Ich denke an den Tag. An Menschen, die alles geben und an Menschen, die nichts haben. An Männer mit Kindern, die auf dem Weg nach Europa den Rest der Familie im Meer verloren haben. Es sind die Geschichten, die man aus dem Fernsehen kennt. Nun haben sie konkrete Gesichter und Namen.“

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(Foto: Jule Müller)

11. Was ist nur aus uns geworden? | Philipp

„Wir sitzen uns mit rosigen Gesichtern gegenüber und ich denke, es wäre genau jetzt der perfekte Zeitpunkt sie zu küssen, aber ich verpasse es. Ich verfluche mich und meinen Unmut. Kurz darauf gehe ich aufs Klo und denke nach. Wieso immer dieses ganze Taktieren? Einfach machen. Ich wasche mir die Hände und meinen Schwanz, für den Ernstfall.“

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(Foto: Javiera Y.)

12. Nicht ohne meinen Therapeuten | Michael Nast

„Noch vor sechs Jahren hat es mich irritiert, wenn mir einundzwanzigjährige Frauen erzählt haben, dass sie bereits mehrere Therapien hinter sich haben. Heute überrascht es mich nicht mehr. Ich gehe davon aus.“

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(Illu: Jacqueline Pulsack)

13. Fett oder was? | Nina Wagner

„Man drängt mich in eine Ecke, in der ich das Gefühl habe, mich für mich, für meine Figur, rechtfertigen zu müssen und diese durch andere Vorzüge, wie Intellekt oder schöne Augen (da wird man auch nicht fett, die bleiben halt schön) wett machen muss. Und das ist eine Grausamkeit, derer sich Menschen einfach nicht bewusst sind.“

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(Foto: Rya Pie)

14. Bis dass der Tod uns eint | Karo

„Auf Themen wie den Umgang mit dem Tod oder gar die Frage, wie man sich die eigene Bestattung vorstelle, reagieren die meisten Menschen abweisend, irritiert und verunsichert. Doch wozu etwas verdrängen, was einem unausweichlich bevorsteht?

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(Foto: Jule Müller)

15. Fünfunddreißig | Clara Ott

„Ich will nicht mehr neben einem Mann aufwachen, der meinen Körper nur zum Triebabbau benutzt und gleichzeitig habe ich den Ehrgeiz verloren, mich für einen Mann hübsch zu machen und mir einzureden, dass Sex zufriedenstellend sei und echte Intimität Zeitverschwendung.“

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(Foto: Judie)

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