Ich kann keine Kinder bekommen – das ist aber nicht mein größtes Problem

Ich war nie jemand, der seit dem Kindesalter an Hochzeits- und Familienplanung gedacht hat und dessen Lebensglück an Traumflitterwochen und dem Bau des Traumhauses hing. Für mich war das alles nicht dringend erforderlich und daher war ich nicht besonders geschockt und traurig, als schon im frühen Kindesalter klar war, dass ich aufgrund einer Erkrankung keine eigenen Kinder bekommen kann. Ich empfand es als kleines unwichtiges Detail.

Mein Umfeld bemitleidete mich mehr als ich mich selbst und ich verstand die mitfühlenden Blicke und Worte nicht. Es lag vielleicht auch daran, dass ich nicht sehr viele Beispiele um mich herum kannte, bei denen das Lebenskonzept der Ehe und gemeinsamer Kinder inklusive funktionierender Beziehung, aufging.

Nun bin ich 32 Jahre alt und befinde mich mitten in der Lebensphase, in der ein sehr großer Teil der Gleichaltrigen in meinem Umfeld Kinder bekommen oder planen, schon mehrere Kinder haben oder an der Hochzeitsplanung sind oder schon Hochzeitsfotos bearbeiten. Ich gehöre immer noch nicht zu diesem großen Teil der Masse.

Nachwuchs ist nicht die Garantie für ewiges Lebensglück.

Das wäre alles keine große Sache, aber mit der Zeit und mit bestimmten Fragen, die auf einen zukommen, wird das Selbstwertgefühl doch erheblich kleiner, auch wenn die fragenden Personen das nicht beabsichtigen. Allerdings verletzt es, sich erklären zu müssen, dass man durchaus alleine für sich und ohne Kinder glücklich sein kann und dass Nachwuchs nicht die Garantie für ewiges Lebensglück ist.

Ich bin mir im Klaren darüber, dass das Mutterwerden eine sehr überwältigende, große und wundervolle Sache ist, aber mir ist es leider nicht möglich und da stellt sich die Frage, ob mein Leben deshalb nun sinnlos und Zeitverschwendung ist oder vielleicht auch andere überwältigende, große und wundervolle Erlebnisse auf mich warten können?

Ich möchte gar nicht weiter auf diese Frage eingehen, weil sich wohl jeder seine eigenen Gedanken dazu machen kann, aber eine Sache kann ich deutlich aus meiner persönlichen Sicht sagen: Ich habe immer noch kein Problem damit, keine Mutter zu sein und kein Haus zu haben, aber ich habe eine große Angst, die mit einem Wunsch verbunden ist, den wohl jeder kennt und nachempfinden kann.

Ich wünsche mir eine Person in meiner Nähe, die mich für das mag und wertschätzt, was ich bin und für was ich stehe, und nicht für das, was mein Körper funktionell erfüllt oder eben nicht. Anders ausgedrückt: Ich habe Angst davor, dass jemand den Kontakt zu mir abbricht, weil er nicht damit klarkommt, dass ich keine Kinder bekommen kann.

Leicht ist es nicht, das Thema überhaupt anzusprechen.

So langsam frage ich mich auch, ob es überhaupt irgendwann mal so ist, dass eine erfüllende Beziehung zustande kommt. Leicht ist es nicht, das Thema überhaupt anzusprechen, sei es in Freundschaften oder Bekanntschaften, bei denen man sich mehr erhofft.

Ich habe das Gefühl, in meinem Alter trennt sich vieles in die Gruppen „Mamas“ und „Nicht-Mamas“, was ich sehr schade finde, denn ich denke, dass man trotz des Unterschiedes eine wunderbare gemeinsame Zeit und Aktivitäten gestalten kann, auch wenn ich bezüglich Mama -Themen leider immer noch nichts beitragen kann.

Ehrlich gesagt ist für mich persönlich das Gestalten der zwischenmenschlichen Beziehungen durch die Kinderlosigkeit tatsächlich schwerer als die Kinderlosigkeit selbst und somit das größere Problem. Ich war bisher noch nicht abgrundtief verzweifelt, weil kein Kind da war, sondern eher, weil niemand als unterstützende Person da war.

Nein, ich wünsche mir nicht auf Biegen und Brechen Kinder. Es sind mehr Tränen in dem Moment geflossen, als ich realisiert habe, dass ich in nächster Zeit aufgrund meines Jobs und Schichtdiensten keinem Hund ein Zuhause bieten kann, als in dem Moment, als ich erfuhr, dass ich keine Kinder bekommen werde.

Für mich hängt alles davon ab, wie mein Umfeld mich wertschätzt, denn dass man sich überflüssig und wertlos fühlen wird, passiert schon das ein oder andere Mal und kann doch ziemlich frustrierend sein.

Dieser Text ist von einer Gastschreiberin, die vorerst lieber anonym bleiben möchte, sich aber jederzeit über Feedback und Lesernachrichten freut.

Headerfoto: via Pexels.com! („Gesellschaftsspiel“-Button hinzugefügt.) Danke dafür.

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5 Comments

  • Hallo, ich möchte Dich kennen lernen. Vielleicht doch auch Kinder möglich sind. Probieren wir mal, dann zusammen die großziehen 🙂

  • Liebe Gastautorin,

    danke erst mal für den Mut zu schreiben und Dich den Meinungen auszusetzen. Ich denke, Du bist im Grunde schon bei der richtigen Einstellung, Du kannst Dein Leben gestalten und ihm Sinn geben wie Du möchtest, Du musst keine Kinder haben um einen Wert zu haben. Ich denke auch, dass da draussen viele Menschen sind, denen es aus diversen Gründen ähnlich geht, oder die sich bewusst dafür entschieden haben, keine Kinder zu wollen. Die Chancen stehen nicht schlecht Menschen zu treffen, die Dich nehmen wie Du bist.
    Ich glaube gern, dass Du eine Menge Druck fühlst in Beziehungen – und gerade auch im Kennenlernen. Da ist das Gefühl von der (gefühlten) „Normalität“ um Dich herum abzuweichen, dass Dir vielleicht etwas fehlt und das Dein Gegenüber Dich fallen lässt wenn er/sie das merkt. Und ja, es wird Menschen geben, die genau das tun, und das wird weh tun, aber wahrscheinlich scheitert man mit oder an diesen ohnehin (ich weiss auch, dass dieser Gedanke im Fall der Fälle auch nicht so richtig hilft). Es wird aber auch Menschen geben, die sich die Zeit nehmen Dich kennzulernen, sich mit Dir wohlfühlen, wissen, dass da nie Kinder sein werden und denken das es mit Dir genau so richtig ist.
    Wahrscheinlich weisst Du das alles auch, aber wie das halt so ist mit den Erwartungen und dem Zweifel…

    Ich wünsche Dir daher tolle Rückmeldungen und dass Du die Menschen triffst, die gut für Dich sind.

  • Hey!
    Auch wenn ich nicht in der haargenau gleichen Situation stecke wie du, sieht mein Leben, mein Umfeld, Freundschaften… ähnlich aus und auch ich frage mich, wieso wir in unserem Alter plötzlich in Schubladen gesteckt werden und plötzlich nicht mehr dazu gehören, nur weil sich der Alltag von dem anderer unterscheidet. Sehr schade. Vielleicht können wir uns ja mal anderswo austauschen, wenn du magst. Falls ja lass dir doch einfach von im Gegenteil meine email Adresse geben oder antworte hier.
    liebe Grüße

  • Liebe Gastschreiberin,
    vielen Dank für deinen Beitrag. Es ist gut, dass du versuchst deine Gedanken in Textform zu verarbeiten, aber wie wäre es mal mit „ein bisschen Stil und etwas Kerzenlicht“? Ich meine Stilmittel. Immerhin bist du hier anonym unterwegs. Also warum benennst du beispielsweise diese „Erkrankung“ nicht konkret oder beschreibst einfach mal eine passende Situation aus deinem Umfeld explizit? So bleibt alles nur blabla und ich habe das Gefühl nichts Neues erfahren zu haben. „Eine Person […], die mich […] wertschätzt“, „Mamas und Nicht-Mamas“ – alles nett geschrieben, aber mir fehlt hier einfach der Tiefgang. Würde ich jetzt also auf Grundlage dieses Textes auf dein Liebesleben schließen – was ich natürlich niemals tun würde – dann würde ich zu dem Schluss kommen, dass dein potentieller Partner dich nicht aufgrund deiner Unfruchtbarkeit abservieren wird, nein, sondern schlicht, weil du langweilig und selbstmitleidig bist. Meine Kritik richtet sich nicht nur gegen dich, vielmehr gegen das „im gegenteil“-Team. Blöd, dass ich so ein Feedback geben muss. Das hätte, finde ich, bereits an anderer Stelle erfolgen müssen. Mir ist dieses Thema, und das kann ich an dieser Stelle leider nur postulieren, wirklich sehr wichtig. Schade!
    FW

  • Hey Mrs Anonymous,

    ich glaube nicht, dass Dich ein Kerl deswegen abserviert! Und wenn doch, ist er nicht der Richtige, denn dann ist das nur ein Vorwand sich nicht mit Dir auseinandersetzen zu wollen. Kinder sind nicht das, was eine Beziehung ausmacht. Genauso wenig wie eine Beziehung den Single glücklich macht. Es muss beides aus sich heraus glücklich SEIN um dann dem ganzen evtl die Kirsche auf Sahnetorte zu propfen! Aber hey, die Torte schmeckt doch auch ohne die kandierte Kirsche! Das muss es zumindest, sonst stimmt die Basis (der Tortenboden) nicht. Warum ich mir anmaße so einen Stuss von mir zu geben? Bitte: Ich bin mit 42 Jahren 10 Jahre älter als Du und habe mit Mitte 20 erfahren, dass ich zeugungsunfähig bin! Die Dame wollte unbedingt Kinder und hat ich dann deswegen sitzen lassen, nicht schön, aber so what? Sie wollte keinen Mann, sondern einen Erzeuger! Und bei Dir? Bist Du als Frau um Deiner selbst Willen begehrenswert oder willst Du als Gebärmaschine gesehen werden? Grundsätzlich denke ich, Du hast die richtige Einstellung aber der Text zeigt doch (Selbst)zweifel. Ich wünsche Dir einen tollen Mann (oder tolle Frau, was auch immer für Dich passen mag) der Dich so liebt wie Du bist! Mit allen Macken und allen Vorteilen, die das alles so mitbringt! Und weil heute Freitag ist, wünsche ich Dir und der Welt da draußen ein tolles sonniges Sommerwochenende!

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