Ich bin nicht prüde, nur weil ich wenige Sexualpartner hatte

Wenn ich mich mit Freundinnen, Freunden und Bekannten unterhalte, merke ich oft, dass viele wesentlich mehr Sexualpartner in ihrer Vergangenheit zählen, als ich. Ich habe auch das Gefühl, dass ich mich des Öfteren beinahe erklären muss, weshalb dies bei mir nicht der Fall ist.

Es scheint, als gehöre diese Unvoreingenommenheit gegenüber der Sexualität und diese dann auch auszuleben zum Zeitgeist mit dazu. Sich unabhängig zu zeigen und sich diese rein körperlichen Abenteuer nicht groß zu Herzen zu nehmen. «Es ist halt einfach passiert», «wir waren beide sturzbetrunken» oder «ich wollte einfach wieder einmal Sex haben», sind bekannte Floskeln.

«Jeder hat doch diese Phase, in der er sich sexuell austobt und viele, oftmals auch zufällige Bekanntschaften macht», höre ich meine Freundinnen sagen, «das kommt bei dir bestimmt auch noch!» Nein; ich bin mir sicher, dass dies bei mir nie der Fall sein wird.

Genauso wenig wie ich andere für ihre offene Sexualität oder Lebensform verurteile, habe ich das Verlangen, ihnen gleichzutun.

Genauso wenig wie ich andere für ihre offene Sexualität oder Lebensform verurteile, habe ich das Verlangen, es ihnen gleichzutun. Woran das genau liegt, ist mir nicht ganz klar. Es ist einfach schon immer ein Grundgedanke gewesen. Sex und Gefühle gehen bei mir Hand in Hand. 

Ich möchte nicht, dass es sich einfach ergibt. Ich möchte es passieren lassen. Ich möchte mir niemanden attraktiv trinken müssen, um mit ihm Spaß zu haben und „einfach nur Sex haben“. Lieber noch habe ich Monate keinen und dann richtig guten Sex. Mit einer Person, die ich auch richtig gut finde.

Ohne romantisches Interesse empfinde ich keine Lust, mit jemandem zu schlafen. Kann ich mich nicht ordentlich mit einem Mann unterhalten, über seine Witze lachen oder ihn so stark bewundern, dass ich mir sogar vorstellen kann, mit ihm die Zukunft zu verbringen, lasse ich mich nicht auf ihn ein.

Genau weil ich so passioniert und sinnlich bin, haben mich rein körperliche Geschichten einfach nie gereizt.

Es liegt nicht daran, dass ich schüchtern bin. Ich habe überhaupt kein Problem, auf das andere Geschlecht zuzugehen oder Kontakte zu knüpfen. Genau weil ich so passioniert und sinnlich bin, haben mich rein körperliche Geschichten nie gereizt. Ich möchte jemanden ganz oder gar nicht.

Ich kann meine Sexualpartner an einer Hand abzählen. Dies macht mich weder prüde, noch hat es mich vor Herzschmerz oder schlechten Erfahrungen bewahrt. Ich bin mir aber in einem sicher: ich lebe meine Sexualität sehr bewusst, wenn nicht sogar viel intensiver im Moment.

Sex hat einen sehr hohen Stellenwert in meinem Leben und auch in der Beziehung, die ich momentan führe. Sex ist für mich aber auch die intimste und empfindsamste Art, jemandem nah zu sein. Und diese ganz besondere Intimität möchte ich nicht mit vielen Menschen teilen.

Headerfoto: Daniel Spase via Unsplash.com („Wahrheit oder Licht“-Button hinzugefügt.) Danke dafür.

GIULIA ist Junior Head of Love bei im gegenteil. Sie liebt den Geruch von frisch gewaschener Wäsche, stöbert Stunden durch Flohmärkte und Second-Hand-Shops und kann kaum genug kriegen von italienischem Essen. Geht immer. Konzerte übrigens auch. Und in Berlin kriegt man davon sooo viel, das ist herrlich. Zum Verlieben schön.

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