How to not give a fuck

Er hat geschrieben. Mein Ex. Nicht irgendein Ex, nein, der Ex. Ich glaube, viele haben in ihrem Leben diese eine Person aus ihrer Vergangenheit, die sich wie eine Herdplatte per Knopfdruck immer wieder aufwärmen lässt. An der man sich anscheinend zu oft und zu gerne die Fingerspitze seiner Gefühle verbrennt. Die Herzplatte sozusagen. Die Person, an die du gerade denkst, ja genau, die meine ich. Also verstehst du mich, wenn ich sage: I am fucked.

Was auch immer eure Geschichte war, sie war nicht vollständig, nicht vollständig genug. Der Gedanke an diesen Menschen lässt vergessen, wie man Vergessen buchstabiert und auch deine Freundinnen wissen Bescheid. Ganz intuitiv, wie ein ungeschriebenes Gesetz, wird jede neue Beziehung mit dieser einen verglichen. Besonders wenn sie endet.
Er war ja nicht wie.
Du hast ja auch nicht so empfunden wie bei.
Du brauchst jemanden wie.
Also damals bei.
Und so weiter.

Warum ist es denn zu Ende, wenn es nicht zu Ende war? Was sein soll, wird sein, wahre Liebe überwindet alles. Whateverthefuck. Erst wenn ich sterbe, kann ich sagen, dass es wohl nicht hätte sein sollen. Dass es nicht wieder zueinander gefunden hat. Auch wenn ich dann eigentlich nichts mehr sagen kann, weil ich ja schon tot bin. Und wer hat je bewiesen, alles müsse zusammen finden, was zusammen gehört? Ob die Liebe wirklich Raum und Timing besiegt. Schicksalsschläge. Ob es keine Liebe war, wenn das nicht passiert. Kann definieren was zusammen gehören bedeutet. Und weil ich mir nicht genug anmaße, Dinge zu wissen, die ich nicht weiß, bleibt mir nicht viel, nur das Jetzt …

Das Jetzt und meine innere Wahrheit, dieses Bauchgefühl sozusagen. Oder wie auch immer das genannt werden möchte. Vielleicht auch die traurige Wahrnehmungsverzerrung mit dem Ziel des emotionalen Selbstbetrugs eines verzweifelten Mädchens. Jedenfalls ist mein inneres Universum gerade auf seine Nachricht getroffen und in ein schwarzes Loch voller Erinnerungen implodiert. Jede Materie sowie das Licht haben augenblicklich ihre Bedeutung verloren und die Zeit seit unserer Trennung ist in irgendeinem Gefühlsvakuum verschwunden. Meine Gedanken kreisen ihre Umlaufbahnen jetzt nur noch um ihn und uns und das, was war und vor allem: das, was nicht ist.

Was mache ich denn jetzt? Wir haben doch alles geklärt. Beziehungsweise hat er mir auf verschiedene Arten erklärt, was wir nicht mehr sein werden und ich habe ihm erklärt, warum ich das nicht akzeptiere. Das ging eine Weile so, bis ich mir schließlich selbst erklären musste, dass es Zeit ist, die Dinge klar zu sehen. Und ich bin “gegangen”, innerlich sozusagen. Natürlich war es damit nicht für mich beendet, ich habe auch nicht anders empfunden, aber ich wollte versuchen, klarzukommen. Die Verantwortung für meine Gefühle zu übernehmen und zu verstehen, dass seine Wahrheit und meine nicht übereinstimmen. Auch wenn ich innerlich davon überzeugt bin, dass er einfach nur ein Idiot ist, der Unrecht hat, aber so etwas darf man ja nicht denken, geschweige denn aussprechen. Bloggen ist okay.

Ich starre immer noch seine Nachricht an. Ich könnte jetzt was Belangloses zurück schreiben. Aber wozu? Damit wir ein wenig nett hin und her schreiben und ich wieder auf Ground Zero anfangen darf? Ohne mich, vielen Dank. I don’t feel like fucking around. Ich könnte ihm kurz und knapp auf seine Nachricht antworten, aber das auf so eine passiv-aggressive Art, die sagt: Ich bin sauer auf dich, aber freundlich genug, dich das nur deutlich zwischen den Zeilen spüren zu lassen. Too fucked up. Oder ist das der richtige Moment, seine Nachricht einfach zu ignorieren? Ich persönlich hasse es, wenn Leute nicht reagieren. Das ist für mich die niedrigste Stufe von Umgang miteinander, schlimmer noch als jede negative Rückmeldung und ich vermeide es, Menschen zu ignorieren, so gut es geht. Außerdem führt das nur dazu, dass er nach einer Weile fragt, ob er nicht hätte schreiben sollen, das kenne ich bereits, also …

… habe ich so erwachsen, reif und der Situation angemessen wie möglich reagiert und ihm geschrieben to fuck off. Go fuck yourself! Kurz hatte ich noch überlegt, ob mich interessiert, was er will, worauf das Schreiben hinausgelaufen wäre, aber jede mögliche Antwort, die ich in meinem Kopf durchgespielt habe, ließ mich nur wieder mit dem einen, dem größten Feind des Loslassens zurück: Hoffnung. Der Teil in mir, der sofort anfängt, hochzudrehen, durchzudrehen und zu diskutieren: Siehst du. Sag ich doch. Er denkt an dich. He does care about you. Vielleicht ist da doch noch … Fuck. Und der Rest von mir weiß, dass es wieder viel Zeit und Energie kosten wird, diesen emotionalen Amokläufer einzufangen und zu beruhigen.

Also versuche ich not to give a fuck. Es ist mir natürlich überhaupt nicht egal, aber das spielt jetzt keine Rolle. Egal was er wollte oder wie viel oder wenig er sich dabei gedacht hat. Es nimmt mir den Raum, über uns hinwegzukommen, das war aber die einzige Option, die er mir gelassen hat. Ich kann mir das selber nicht immer wieder antun. So he can really just fuck off and when he’s done he can come back just to fuck off some more. Ich habe lang genug in dieser Hoffnungsschleife verbracht, ich fasse diese Herzplatte nicht noch mal an.

Mariam ist voller Gefühle und immer überfordert damit. Studiert hat sie Wirtschaftspsychologie, irgendwie auch Grafikdesign, auch mal kurz Medienwissenschaften. Das Leben ist halt kompliziert, findet sie zumindest. Im Moment macht sie selber Schmuck und überlegt ihren einzigen großen Lebenstraum anzugehen: Ein Buch schreiben. Privat hat sie sich gerade fest gebunden, an sich selbst. Sie möchte erstmal ihren shit together getten, bevor sie ihr chaotisches Leben mit soviel Schönem darin mit jemand anderem teilen würde.

Headerfoto: lookcatalog via Creative Commons Lizenz 2.0!

imgegenteil_Mari

9 Comments

  • Zappeltrine sagt:

    oh wie oft und lange habe ich mich an dieser Herzplatte verbrannt … damals. und wie lange habe ich mir mit Vernunft den Weg gebannt, um mir keine Verbrennungen mehr zu holen. und irgendwann kam der Tag – warum auch immer, und welcher Tag war es überhaupt? – egal! – denn dann war er mir egal. der Zauber und der Bann waren gebrochen und ich sicher. ich wünsche Dir viel Kraft und Vernunft bis zu dem Tag 🙂

  • Anna sagt:

    wow …

  • Fa sagt:

    Sowas von wahr. Und immer wieder fuck off,… obwohl ne i care. 😉

  • Olga sagt:

    I’ve been there. Gerne würde ich sagen das ich drüber hinweg bin und locker drüber lächeln. Jedoch ist es die Bitterkeit die sich auf die Zunge legt wenn man noch dabei ist das zu verarbeiten und man ohne Wut eben nicht fuck off in großen Lettern schreiben kann und statt dessen diese eine Person blockiert. Zwar ist das keineswegs erwachsen aber dieser Artikel beschreibt es ganz gut. Ist die Sicherung sich nicht nochmal die Gefühle zu verbrennen.

  • Julian W. sagt:

    Um es mit den Worten von Alfs Oma zu sagen: „Wenn du jemandem gar nichts nettes sagen kannst, dann sag am Besten gar nichts.“

  • K sagt:

    Herrlich.

    Danke für’s Gefühl-teilen. Das Leid ist ja dann bekanntermaßen nur noch halb so schlimm.

  • Paleica sagt:

    manchmal ist aufgeben der einzige weg zu gewinnen. definitiv die richtige entscheidung – solche geschichten haben nur in hollywood ein happy end.

  • Bluair sagt:

    Ich hatte ernsthaft gehofft, du hättest einen Weg gefunden „not to give a fuck“. Ich teile Deine Gefühle, kämpfe gerade selber mit der Bürde des Loslassens und werde vom Dämon der Hoffnung immer wieder vom richtigen Weg abgebracht. Wie kriegt man das verdammte Herz dazu, der Hoffnung realistisch in den Arsch zu treten und das zu tun, was der Kopf schon lange weiß?!

    • Julian W. sagt:

      Mir hat geholfen etwas für mich, und zwar nur für mich, zu machen. Bin damals auf eine Wanderung über die Alpen gegangen. Das war super und hat mein Selbstwertgefühl gesteigert. Danach war sie mir egal.

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