Hirnfetzen

Man gebe mir einen Ziegelstein. Einen großen roten, den ich voller Genuss gegen meinen eigenen Kopf donnern kann. Vielleicht hilft‘s ja. Es könnte alles so einfach sein, aber dann wäre mir vermutlich nur langweilig. Leider ist es das nie. Weder einfach noch mir langweilig. Mein Hirn macht da wohl nicht mit. Oder mein Herz, wer von den beiden auch immer diesen schwachsinnigen Hirnfurz an Grübelei fabriziert. Mein Kopf macht aus Mücken Elefanten. Wobei sogar die noch klein sind im Vergleich zu dem Mist, der da hinterher rauskommt.

Ein gigantisches Urzeit-Mammut vielleicht. Mit riesigen Säbelzähnen, zotteligen Haaren und gigantischen Ohren und Augen, die alles hören und sehen und jede noch so kleine Tatsache festhalten und bewerten. So mache ich das auch. Alles, aber absolut alles wird bewertet. Jede Regung, Zuckung, jedes Augenzwinkern, Räuspern, Augenrollen und jede Geste meines Gegenübers (von mobiler und digitaler Kommunikation wollen wir gar nicht erst reden).

Mein Gegenüber (meistens handelt es sich um ein Exemplar der Kategorie Mann) kann in der Hinsicht eigentlich gar nichts richtig machen, außer mich strahlend anzusehen und mir zu versichern, dass es uneingeschränkt genial ist, in meiner Nähe zu sein.

Ist es natürlich auch, also was zur Hölle ist mein Problem?

Ich komme mit emotionalem Auf und Ab nicht klar, dabei bin ich selber das Vorzeigeobjekt emotionaler Instabilität. Kurze Anleitung für diejenigen, die an dieser Stelle absolut keine Ahnung haben, wovon ich rede. So geht’s: Jeden schiefen Blick auf sich beziehen. Wenn Person X grummelig ist, muss man sofort davon ausgehen, dass es an einem selber liegt. Denn selbstverständlich ist man für alles Leid und für alle Freuden dieser Welt verantwortlich.

Richtig, klingt ironisch, ist es ja auch. Ich muss über mich selber lachen. Das ist doch total hirnrissig. HIRN.

Gut wäre es, wenn ich das wenigstens ausblenden könnte. Kann ich aber nicht. Kein bisschen.

Das zieht mich richtig runter. Wie bei einer schlechten Foltermethode aus dem Mittelalter. „Werft sie mit einem Stein um den Hals in den See!“

Auf die Idee, dass ich den Stein einfach vom Hals nehmen kann, komme ich in diesen Momenten natürlich nicht. Das Problem bei der Sache: Ich habe oft ein Gespür für Dinge und durchschaue Situationen schnell. Allerdings halt nicht immer und oft warte ich nur darauf, dass die Situation dann wirklich eintritt und ich hinterher sagen kann: „Hab ich‘s doch gleich gesagt“.  Quote erfüllt. Ich bin echt super toll. Was für ein Talent. Sollte darüber nachdenken das ist meinen Lebenslauf aufzunehmen. Unter Sonstiges: „Schwarzmalerei mit Diplom“.

Dabei bin ich eigentlich der Glas-halbvoll-Typ.

Wo auch immer das herkommen mag. Elternhaus, soziales Umfeld … na die Standardfaktoren, die wir alle kennen. Sehr schön, davon kann ich mir jetzt nur leider auch nichts mehr kaufen. Es muss also ein Plan her, wie ich diesen Gedankenmist von mir werfen kann. Weit weg. Wie beim Kirschkernweitspucken. Wer am weitesten kommt, gewinnt. Darin war ich ja immer ganz gut. (Hey, vielleicht auch was für den Lebenslauf?) Gott, das wäre richtig praktisch. Scheiß Gedanken kurz im Mund mit der Zunge in Form gebracht und dann ab dafür, volle Kraft voraus, mit Anlauf auf die weite Wiese. Oder besser ins Wasser wie mit dem Stein um den Hals. Nur, dass diesmal nicht ich daran hänge, sondern der unnötige Gedanke, den keiner braucht. Ich schon gar nicht. Blöderweise habe ich gerade keine Kirschen. Ist noch nicht Saison.

Laut schreien könnte eine Alternative sein, aber eine häufig eher unpassende. Die armen Menschen um mich herum möchte ich nicht zusätzlich zu ihren Alltagssorgen verwirren und es könnte ja auch unnötige Folgen für mich haben.

Vielleicht würde es auch einfach helfen, den Gedanken wegzuschieben und ihn vorbeiziehen zu lassen.

Wie eine Wolke, die vorüberzieht. So eine niedliche Schäfchenwolke (kündigt übrigens oft Regen an), die besteht ja auch nur aus Wasser und Luft und irgendwann regnet sie dann ab. So landet mein Gedanke vielleicht irgendwo in Sibirien und gefriert zu Eis oder in der Wüste, wo er wie ein Sandkorn langsam in die Dünen rieselt. Zusammen mit einer Milliontrilliarden anderer Körner aus Gedanken. Die in der Summe auch nichts Anderes sind, als ein großes Nichts.

textliaison. Emotionsflexibel und voller leidenschaftlichem Irrsinn. Energiegeladen und echter Treibauf. Gedankenversunken und Grübelmeister. Verwirrung stiftend und doch voll bei der Sache. Immer auf der Suche und nie am Ziel.

Headerfoto: Leo Hidalgo (Gedankenspiel imprint added) via Creative Commons Lizenz 2.0!

christina

1 Comment

  • Ani sagt:

    Ich kann deine Gedanken und damit verbunden Gefühle gut nachvollziehen. Um ehrlich zu sein, hätte ich das schreiben können- vor ein paar Jahren. Aber ich kann dir auch sagen, dass es besser wird- oder dass das alles ein Prozess ist, bei dem das Ziel ist, irgendwann bei sich selbst anzukommen.

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