Harz, Tau und Blütenstaub

Licht tropft zögerlich durch das taufeuchte Blattwerk auf den dicht bewachsenen Waldboden. Steine, Wurzeln und Moos formen kleine Inseln. Winzige Königreiche für die ungezählten Waldbewohner. Regen liegt in der Luft. Je tiefer wir eindringen, desto mehr verschluckt uns diese Parallelwelt. Lässt die Stadt vergessen, tauscht Grau gegen Grün.

Jeder Atemzug ein Schluck Freiheit, Energie. Schritte in eine verlorene Zeit. Meine Augen können fast nicht genug bekommen, laufen umher, springen von der einen Entdeckung zur nächsten Überraschung. Bis etwas ganz Besonderes meine Aufmerksamkeit fesselt.

Während ich umher gezogen bin, hast du dich niedergelassen. Unsere Decke neben einem glasklaren Bächlein ausgebreitet, liegst du jetzt inmitten einer vibrierenden und vor Leben überfließenden Kulisse aus unberührter Natur. Deine Haare fließen in Farne und Gräser über. Das Plätschern des Wassers untermalt die Spiegelungen deiner Iris.

Sinneseindrücke verrinnen ineinander. Formen Muster und Wirbel auf der Oberfläche meines Bewusstseins. Jedes Geräusch, ob liebliches Vogelzwitschern, der säuselnde Strom oder dein ruhiger Atem, klingt wie eine neue Note in einer lebendigen Symphonie. Nacheinander brechen die einzelnen Facetten des Regenbogens auseinander, nur um sich neu zu arrangieren. Wechselspiel des faszinierenden Kreislaufs von Entstehen und Vergehen.

So landet ein Schmetterling auf deiner Nasenspitze. Ruht für einen Augenblick, lässt dich in Faszination erstarren. Die Zeit hält nur kurz an und muss dann weiter. Ein Windstoß trägt den bunten Falter hinfort. Wie kann man etwas so vermissen und im selben Atemzug wieder vergessen? Vergängliche Schönheit, fürs Jetzt erschaffen. Gegenspielerin der Erinnerung. Ungeduldiges Pulsieren. Der Rausch des Werdenden. Blüten öffnen sich, Tropfen zerspringen, feiner Sprühnebel treibt zwischen den Bäumen. Bedeckt dein Gesicht, Tränenmaske. Wimpernschläge, Nektarlippen, schönster Blütenkelch.

Meine Fingerspitzen teilen deine Strähnen, zarte Lianen, unsicherer Halt für den Schwung. Am Abgrund entlang, der drohende Fall immer als Möglichkeit. Fühle deine Antwort, beobachte dein Erwachen. Der Tanz der Lider beginnt. Ich genieße den Anblick, versuche mich festzuhalten.

Doch hier herrscht die Bewegung, regiert das Vergessen. Damit der Moment aufblühen und seine Kraft entfalten kann. Du bemerkst mein Zögern, nimmst mich an der Hand und führst mich an die Schwelle eines mystischen Reiches.

Süßlich schmeckt deine Begrüßung, du heißt mich willkommen, gibst mir meine Sicherheit zurück. Fällst wieder in dein Lager, umschmeichelt von der seidigen Farbfläche unserer Spielwiese. Umfasse deine Fesseln, drück dich tiefer in dein weiches Bett.

Zwischen Kraft und Geborgenheit, Ungewissheit und Vertrauen, bewegen wir uns. Durchdringe dich mit meinem Blick. Necke deine Sinne. Zähne an deinem Nacken. Heißer Atem über deine Wangen. Finger um deine Schenkel.

Lege deine Lust frei. Verströmst lieblichen Duft einer Sommernacht. Lässt mich blumigen Nebel inhalieren, in mich aufnehmen. Tau bildet sich an deiner Knospe, ich koste ihn, lass deine Haut unter meiner Zunge schmelzen. Jede Bewegung löst ein Beben aus. Deine Finger wandern durch mein Haar, drücken mich tiefer. Du entscheidest, scheinst unsicher. Probierst aus, wie und wo du mich spüren willst. Gibst Befehle, ohne den Mund zu öffnen. Denn deine Laute leiten mich.

Werde zum Tier und kralle mich in dein Fleisch. Grenzen fallen unter meinen Klauen. Zerbreche Äste, zerreiße Blätter und labe mich am Zittern deines Leibes. Durchdringe dich, jede freie Stelle. Wo meine Zähne keinen Halt finden, lass ich dich meine Finger fühlen. Erlebst die Dunkelheit, eine wütende Begierde. Verlangen nach mehr, nach einer Frau, nach dir. Während deine Augen mich darum anflehen, dich zu verschlingen.

Vögel schrecken unter deinen Schreien auf. Mit geweiteten Pupillen ziehst du mich zu dir. Schlingst deine Beine um meinen schwitzenden Körper. Presst Hüften, Brüste und die Quelle deiner Sehnsucht gegen mich. Berührungen sind nun nicht mehr auseinander zu halten. Alles fließt ineinander.

So taucht die Spitze meiner Erregung in deinen rosigen Kelch. Zwingen Lippen und Zungen zu einer kurzen Pause, in der alles von Farben überflutet wird. Hitze strömt durch mich in deine Körpermitte und lässt dich erblühen.

Größer, schöner und strahlender als zuvor, thronst du über mir. Entscheidest wohin unsere Reise führen wird. Benutzt und beherrscht meine Gier. Drückst mich von dir, zwingst mich ins Jetzt.

Köstlich schmecken die Gipfel deiner Gestalt. Probiere alles aus, lass nichts unversucht. Bis ich die Kontrolle verliere und meine Kraft erwacht.

Du fühlst mein Pulsieren, das Blut, wie es mich durchströmt. Muskeln sich spannen, dich fesseln. Jeder Stoß durchdringt dein Sein. Öffnet Tore, durch die Gefühle und Gedanken strömen. Dein Herz schlägt immer schneller, folgt deinem Atem. Laufen über Hügel, durch Täler, überspringen Bäche und tauche schließlich in einen weiten See. Als dein Kopf die Wasseroberfläche durchbricht, verschwimmt die Welt um dich. Beginnt sich aufzulösen. Du hörst mich stöhnen, fühlst wie ich meinen Nektar in deine Frucht strömen lasse. Umschließt mich ganz. Wechselst zwischen unendlicher Leere und absoluter Gegenwart. Bis uns die Dämmerung verschluckt.

Zurück bleiben nur die Abdrücke unserer Abenteuer. Umrisse eines Tagtraumes, zu schön für die Wirklichkeit. Zu flüchtig für die Phantasie. Eine Reise zweier Liebender in die Ungewissheit des unmittelbaren Kontakts.

Der Mensch hinter nachtfarben lebt in Wien. Arbeitet dort in der Werbung und macht auch sonst ein paar Dinge mit und ohne Liebe. Mehr soll nicht gesagt werden, wir wollen ja noch genug Platz für deine Phantasie lassen. Und wenn du wirklich neugierig bist, schreib an nachtfarben(at)imgegenteil(punkt)at – vielleicht bekommst du ja eine Antwort. Ans Herz gelegt sei dir auch das Abonnieren des sexy Newsletters.

Headerfoto: David Schroeder via Creative Commons Lizenz 2.0!

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