Grenzüberschritt

Nebeneinander gehen wir die Straße entlang. Nur Zentimeter trennen deine Haut von meiner. Elektrisierende Spannung zwischen uns, als würden jeden Augenblick Funken in den Himmel stoben. Jeder weitere Schritt gleicht einem tiefen Seufzer der Zermürbung. Wie lang werden wir es noch schaffen, dieser Situation aus dem Weg zu gehen, weil wir ihr aus dem Weg gehen müssen? Dieses Verlangen ist uns beiden nicht erlaubt.

Ein plötzlicher Donnerschlag, gefolgt von strömendem Regen. Binnen von Sekunden sind wir klitschnass. Wir springen in einen Hauseingang und ich explodiere innerlich. So nah waren wir einander noch nie. So nah dürften wir einander nicht sein. Meine Haare kleben mir nass im Gesicht. Wir lachen, um diese Spannung aufzulockern. Sind wir verlegen? – Nein. Kein Stück.

Dann tust du etwas, was du nicht hättest tun dürfen. Du hebst die Hand und ich weiß, was folgt. Mit deinem Daumen streichst du einen Regentropfen von meiner Unterlippe. Durch meinen Körper fährt ein wahnsinniger Schauer, doch ich weiche nicht zurück. Plötzlich gibt es nur noch uns. Nur noch dich und mich. In einer Wirklichkeit, die rein gar nichts mit der Realität zu tun hat. Du hebst den Blick von meiner Lippe verweilst aber mit deinem Daumen an meinem Gesicht. Ich erwidere deinen Blick. Jetzt trennen uns nur noch Millisekunden von dem größten Fehler unseres Lebens und der Erfüllung all unserer Sehnsüchte.

Deine Hand fährt an meinen Hinterkopf, du ziehst mich an dich. Unsere Lippen treffen einander und wir verschmelzen. Keine zögernden Bewegungen, nur brennendes Verlangen. Hände streifen unter Kleidungsstücke, werden fordernder. Ich spüre dich überall an mir.

Während du meinen Rock hochstreifst, mir den String beiseite schiebst, öffne ich deine Hose und greife nach deinem harten Schwanz. Dir entgleitet ein Stöhnen. Wie ein erleichterter Aufschrei. Ich allerdings gebe keinen einzigen Ton von mir, als deine Finger in mich gleiten. Viel zu sehr befürchte ich, ich könnte verlieren, was mit mir geschieht, wenn ich es hinauslasse. Ich will es für mich behalten, es soll nur mir gehören.

Dein Knie schiebt sich zwischen meine Beine. Damit öffnest du sie. Eine Hand greift meinen Oberschenkel und hebt ihn an. Ich spüre deine heiße Eichel und dann bist du in mir. Ich erschaudere am ganzen Körper. Du verharrst einen Moment, um nicht auf der Stelle zu explodieren. Dann stößt du zu. Ich beiße in deine Lippe, das animiert dich noch mehr. Deine Stöße werden stärker. Sekunden später explodierst du so sehr, dass ich davon in Schauer verfalle. Der heftige Regen verschluckt unser Keuchen.

Es brachte keinerlei Erlösung. Es hat nur zu noch mehr Hunger geführt. Mir wird schlagartig bewusst, dass ich das immer und immer wieder will. Mit dir. In Hauseingängen, auf Toiletten, in anonymen Hotelzimmern. Egal wo. Eins jedoch ist sicher, die letzten Minuten hat es in unser beider Leben niemals gegeben.

Wir existieren in einer anderen Realität, die mit unserem normalen Leben nichts zu tun hat. Sozusagen.

sozusagen lebt und wirkt bei Hamburg und wurde in den 80ern geboren. Sie hängt oft hinter Gedankenschleiern, ist in ihrem extrovertiert Sein oft introvertiert (oder umgekehrt) und ist sich noch immer nicht ganz sicher, wer sie ist, was sie in diesem Leben soll und wie sie die Zeit in ihrem Leben am sinnvollsten gestaltet. Ihre Texte stammen zum Teil direkt aus ihrem Herzen und Leben. Andere Texte sind der Feder ihrer Kreativität entsprungen. Dennoch sind auch die frei erfunden stets real. Für alles andere möchte sie Raum für Fantasie lassen.

Headerfoto: Chiara Cremaschi via Creative Commons Lizenz 2.0 (Sexy Times imprint added)!

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