Fuck yeah, Liebe

Ich sitze im vorletzten Kurs meines vorletzten Master-Semesters, ein bisschen gelangweilt und ein bisschen genervt vom vorletzten Referat, das ich mir zu diesem Seminar anhören darf oder muss oder sollte, und scrolle durch Pinterest. Ablenkung kann ich. Merke mir Einrichtungsideen für unsere gemeinsame Wohnung, in die wir in anderthalb Monaten einziehen wollen, die wir aber bisher noch gar nicht gefunden haben. Speichere mir Tattoo-Ideen, für die ich in den nächsten drei Jahren sicher keine Kohle haben werde, und verziere philosophische Sprüche mit Gefällt-mir-Herzchen. Hipster-Scheiß. Kann ich auch.

Finde einen Spruch, der sagt, man soll jemanden finden, der gleichzeitig Zuhause und Abenteuer ist. Kitschig. Ich muss dennoch ein bisschen dümmlich grinsen. Und an dich denken. Wäre jetzt auch gelogen, wenn ich sagen würde, ich tu das nicht sowieso schon ständig. Aber das ist ja auch irgendwie okay so.

Ich denke an dich und an all diese verrückten Pläne mit dir und an heute früh. Daran, dass neben dir aufwachen irgendwie ganz schön viel besser ist als alleine aufwachen. Auch, wenn ich wohl niemanden kenne, den man so schwer aus dem Bett kriegt wie dich. Denke daran, dass auch neben dir einschlafen ziemlich gut ist.

Ich denke daran, wie wir so häufig bis mitten in die Nacht zusammensitzen und über so viele Dinge quatschen. Dass ich dir erzählen kann, worauf ich wirklich Bock habe, ohne dass du skeptisch eine Augenbraue hochziehst. Daran, dass du mir sagst, ich soll genau diese Dinge machen. Auch, wenn sie vielleicht gar nicht nah dran sind an sicherem Lebensentwurf und verantwortungsvolles Erwachsensein.

Ich denke an unsere – mal mehr, mal weniger sinnvollen – Diskussionen, an diese Neckereien und an diesen Abend neulich, den ich lieber heulend auf deinem Badfußboden als neben dir auf dem Sofa verbracht habe. Daran, dass du irgendwann mit mir dort gesessen hast und wir gefühlte Ewigkeiten über unsere Ängste geredet haben. Was ein bisschen weh tut. Was aber auch ein viel größeres Bisschen gut tut.

Ich denke an diesen wahnwitzigen und wundervollen Plan, den wir irgendwie ja sowieso beide hatten, und in den wir dann plötzlich zusammen gestolpert sind. Kisten packen, Umzug, neuer Job, neue Stadt, Neuanfang. Er fühlt sich so verrückt und aufregend und ziemlich schön zugleich an. Aufbruch. Und vielleicht ein kleines bisschen mehr Ankommen.

Denke an all diese Dinge, die du mir jeden Tag beibringst. An deine Begeisterung für Kleinigkeiten und an deine Dankbarkeit für ebendiese. Denke an die Sachen, die ich dir beibringen darf. An dieses gegenseitige Gefühl von Sicherheit, das wir uns vielleicht nicht immer richtig geben können. Aber irgendwie doch meistens gut genug.

Ich denke auch daran, dass ich überhaupt nicht ständig diese ganzen Texte über dich schreiben will. Aber dann denke ich, dass es doch eigentlich viel zu viele ziemlich beschissene Dinge gibt, über die ganz schön viel geschrieben wird. Für die man so viele Worte hergeben muss, die man eigentlich auch ganz anders benutzen könnte. Und dann kann so ein bisschen Liebe doch echt nicht schaden, oder?

Also schreibe ich weiter kitschig-verliebte Texte. Werde mich über dein Schmunzeln freuen, wenn du sie irgendwann liest. Und bin ganz schön glücklich darüber, dass du mir einfach nur damit, dass du bist, wie du bist, genügend Anlass für all diese bietest. Danke. Für jedes kleine und dieses verdammt große Abenteuer. Und fürs jeden Tag ein bisschen mehr Zuhause werden.

Luisa ist momentan Wunschmainzerin. Da hat sie bald „irgendwas mit Medien“ fertig studiert und arbeitet in einer Marketing-Agentur. So als sicherer Notfallplan. Eigentlich hat sie aber viel mehr Bock auf Kunst und kreatives Chaos. Deswegen macht sie Musik, Bilder und ganz viel mit Worten. Zum Beispiel auf Poetry Slam Bühnen. Am liebsten überall in Deutschland, und am liebsten so oft es geht. Die Welt ist dann einfach irgendwie schöner. 

Headerfoto: Mädchen auf dem Boden liegend via Shutterstock! Danke dafür. (Gedankenspiel-Button hinzugefügt.)

imgegenteil_Luisa

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