Frauen – die perfekten Meisterdetektive

Wir Frauen sind Spione, Privatdetektive und das FBI zusammen. Denn das Problem ist: Wir analysieren alles. Jedes Satzzeichen. Und die Anzahl der Smileys. Wir vergleichen jeden Blick und jede Wortwahl. Und wenn eine kleine Sache nicht mehr so ist wie am Anfang oder uns einfach nicht in den Kram passt, sind wir nicht nur misstrauisch, nein – wir setzen alles in Bewegung, erst recht zu schnüffeln, um die noch so kleinsten Indizien zu finden!

Wir stalken Jessicas und Lauras auf Facebook. Versuchen Alibis zu finden. Zeugen. Täter. Und umso mehr wir alles haargenau in die imaginären Akten unseres Kopfbüros abheften, umso mysteriöser wird der Fall. Selbst wenn es keinen gibt, schaffen wir es somit in Sekundenschnelle, die Männer als Täter darstellen zu lassen.

Verwirrt stehen sie da. Am Tatort. Mit der Tatwaffe in der Hand. Perfekt drapiert. Ausgeleuchtet. Von uns. – Und wir? Wir heulen Rotz und Wasser. Unser Herz wurde mal wieder Opfer eine Straftat.

Stand er damals noch pünktlich und bemüht mit einer Flasche Rotwein vor der Tür, kommt er nun andauernd zu spät und der Beziehungsalltag fängt an, sich einzupendeln. Wir interpretieren, dass somit ja anscheinend das Interesse gesunken sein muss und gehen die tausend verschiedenen Möglichkeiten in unserem Kopf durch, die uns Erfahrungen, beste Freundinnen und diverse Frauenklatschblätter bereits mit auf den Weg gegeben haben.

Er antwortet nicht mehr sofort, aber wir sehen die blauen Haken bei WhatsApp. Und nichts macht uns, die perfekten Meisterdetektive, wütender als das! Oder misstrauisch. Unsicher. Und dann sitzen wir mit der Stoppuhr neben dem Handy. Denken uns die verrücktesten Erklärungen aus. Und sind am Ende sauer. Und überzeugt von unserem eigenen Unsinn.

Wenn der Alltag uns packt und die rosa-rote Brille anfängt, sich aufzulösen, schrillen bei uns alle Alarmglocken! Wir konkurrieren unterbewusst mit all den anderen Frauen um uns herum. Scannen sie ab, besser als beim Sicherheitscheck am Flughafen. Wir wollen die Eine bleiben! Sind erst recht bemüht. Denn der Herr hat uns ja nun erobert, wir müssen alles dafür geben, dass es ihm nicht langweilig wird und er seinen Jagdtrieb nicht vermisst! Also bemühen wir uns, geben hundert Prozent. Aber – mit zu viel Verbissenheit. Misstrauen. Und Kontrolle.

Wir hinterfragen alles. Wollen jedes Detail wissen und wieso er um 01:37 noch online war! Rollen einen kompletten Fall aus, doch wir sprechen nichts an. Das wäre zu einfach. Zu offensichtlich. Und zu auffällig. Wir wollen ja schließlich nicht, dass der Mann sich zu sehr angegriffen fühlt. In seiner Privatsphäre. Die wir still und heimlich sowieso schon zu mehr als die Hälfte für uns beansprucht haben.

Aber anstatt das zu offenbaren, zu riskieren die ’nervige Olle‘ zu sein, schnüffeln wir. Still und heimlich. Solange, bis wir ihn nerven. Bis wir uns selbst nerven. Bis wir zu viele Fakten vermischt haben. Zu viele Indizien haben wir uns aus den Ärmeln geschüttelt! Aussagen verdreht. Alles ruiniert! Weil wir das Beste geben wollten und ein bisschen zu viel. Aus Verlustangst. Und haben somit all das erreicht, was wir krampfhaft versucht hatten zu verhindern.

Aber wir sind Frauen. Spione, Privatdetektive und das FBI zusammen. Was ihr tun könnt? Nichts. Uns kann man nicht ändern. Nicht einmal der charmanteste Prinz auf dem weißesten Ross. Aber ihr könnt einfach lächeln. Und geduldig bleiben. Unsere Kreuzverhöre mit Humor nehmen. Und dann schenkt uns einfach eine Lupe. Und ein Fingerabdruck-Set!

Vjoler lebt auf der Burg „Hochsensibel“ und liebt es, dort Buchstaben aneinanderzureihen. Außerdem ihr ihre Mutter damals zu viele Träume in den Grießbrei gerührt. Diesen muss sie nun nachgehen – zum Beispiel auf ihrem Blog und bei Facebook.

Headerfoto: Mike Monaghan (Gedankenspiel imprint added) via Creative Commons Lizenz 2.0!

imgegenteil_vjoler
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2 Comments

  • @ey eddi, kriegst du eigentlich Geld für deine eloquent-kritisch-besorgten Kommentare? Häkel dir mal ne Wollmütze Humor.
    Ich fand den Artikel lustig, und liebenswert:) hach frauen…

  • Du meine güte, das ist ja zum fürchten! schon klar, die quarterlife crisis macht uns allen zu schaffen. aber mit mitte zwanzig und wohnort in berlin kann sie sich leider nicht mehr mit jugendlicher verblendung entschuldigen. das problem mit diesen kindern aus dem oberen mittelstand ist nicht die in der hauptstadt gemachte erfahrung der eigenen durchschnittlichkeit, nein, sondern die tatsache, dass sie darauf auch noch mit der hochstilisierung ihres unreflektieren gedankengutes reagieren und darin verharren. natürlich sei es nun jedem selber vergönnt zu entscheiden, in welcher weise man die eigene Persönlichkeitsentwicklung betreibt und ist auch alles andere als mein problem, aber in dem moment der autorschaft und dem anspruch, etwas eigenständiges sagen und andere menschen auch noch damit erreichen zu wollen…in dem moment ist keine kritik zu harsch, v.a. nicht wenn man den leuten eine auf kosten von geschlechterdifferenzierung gehäkelte wohlfühldecke anbietet, welche sie in diesem untragbaren verständnis von sich selbst als frau am ende noch bestärkt.

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