Es liegt an uns! Wir machen uns selbst zu bindungsgestörten Wesen

Alle elf Minuten verliebt sich ein Single. Liebe Dating-Seiten, ihr habt es erkannt! Es verliebt sich immer nur EIN Single in den anderen und das tut verdammt noch mal weh. Was passiert, wenn man sein Herz dennoch verliert? Wie fühlt es sich an, verliebt zu sein?

Bei mir war es der erste Blick in Deine Augen. Ein erstes Kennenlernen, das erste Beschnuppern und schon war so einiges nicht mehr in alte Bahnen zu bringen. Das erste offizielle Treffen. Das erste Herantasten, erste Lachfältchen um die Augen herum, die Chemie stimmte – nur der Zeitpunkt nicht – was uns jedoch erst später bewusst werden sollte.

Das erste Herantasten, erste Lachfältchen um die Augen herum, die Chemie stimmte.

Der Abend hatte Suchtpotenzial, die Lust auf mehr war in allen Punkten vorhanden. Die ersten Unterhaltungen, das erste Tee trinken, das erste Im-Arm-Liegen, das erste Berühren der warmen Haut des anderen. Das zweite Treffen: bei tiefster Nacht vom Club nach Hause. Ein Fehler und doch war es keiner. Es fühlte sich an, wie nach Hause zu kommen.

Wir hatten Lust auf mehr und wir nahmen uns, was wir brauchten. Ich wollte die Geborgenheit und die Zuwendung von Dir und Du nahmst alles von mir; jedoch nur für diese Stunden und danach war ich vergessen.

Ich jedoch bekam Dich nicht aus dem Kopf. Dein Duft benebelte meine Gedanken, brachte mich durcheinander, stellte meine penibel geordnete Welt auf den Kopf und führte mich in eine andere; eine Welt aus Lust, Harmonie und Zweisamkeit; in eine – leider vorübergehende und vorgetäuschte – Beziehung.

Jedoch nur für diese Stunden und danach hatte jeder seine Unabhängigkeit zurück. Ob wir nun wollten oder nicht. Ich wollte mehr, Du konntest nicht. Du nahmst uns die Chance auf ein mehr: auf ein wir, auf ein uns!

Ich wollte mehr, Du konntest nicht.

Nicht selten verliert man sein Herz an einen Menschen, der einen nicht möchte. Der sich selbst alle Möglichkeiten offenhalten will. Manchmal ist man bereit, für diesen einen Menschen Risiken einzugehen – ohne Wenn und Aber. Und dann ist man bereit, sich zu öffnen, loszulassen, um sich mit aller Hingabe in eine Ungewissheit zu stürzen.

Für was? Für einen Tritt mitten ins Herz. Es tut so verdammt weh und man denkt, man könne sich nie wieder verlieben. Das Herz scheint kälter als die Nächte in Sibirien. Willkommen in meiner Generation – „Generation beziehungsunfähig“.

Der Unwille zur Bindung macht meine Generation aus und kommt nicht etwa daher, dass es auf dieser Welt 7,442 Milliarden Menschen gibt und man sich deswegen nicht entscheiden könnte. Nein, wir selbst sind es, die uns dazu bringen, nichts mehr zu wagen, nichts mehr zu riskieren. Es liegt an uns! Wir machen uns selbst zu bindungsgestörten Wesen – genau durch solche Erfahrungen.

Es wäre so schön, mal wieder neben jemandem aufzuwachen, den man von Herzen liebt.

Dabei wäre es doch so schön, mal wieder neben jemandem aufzuwachen, den man von Herzen liebt. Gemeinsame Stunden, Tage und Nächte zu verbringen. Jemanden zu haben, mit dem man sich ernsthaft unterhalten kann und jemanden, der einem das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit gibt.

Aber es geht nicht – Nicht mehr!

 
Das Citygirl ist keine Frau der langen Texte, dennoch mit einigen Wörtern in denen genug Schmerz und Hoffnung liegt. Lebt in einer Stadt mit 612.441 Menschen und fühlt sich hoffnungslos überfordert mit dem nicht bekannten prozentualen Anteil der männlichen Spezies. Hat die Hoffnung auf die Liebe aufgegeben, oder etwa doch nicht?

Headerfoto: Ioana Casapu via Unsplash.com. (Gedankenspiel-Button hinzugefügt.) Danke dafür.

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