Emotionales Wirrwarr – vom Versuch, dich zu fassen

Liebe soll unbeschwert, leicht und beflügelnd sein. Eine Bereicherung.
Mit dir ist sie aufregend, leidenschaftlich, dramatisch, emotional. Eine Anstrengung, gar ein Kampf.
Liebe läuft von alleine. Sie ist einfach.
Mit dir muss ich sie stets am Laufen halten. Sie stets wieder werden lassen.

Liebe ist berauschend. Voller Endorphine und Glücksgefühle macht sie das Leben farbenfroher, leichter, bunter.
Mit dir ist sie wie ein Drogenrausch. Exzessiv. Nach dem High kommt das Tief. Ein eiskalter Entzug.
Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt.

Liebe ist konstant. Mit dir ist sie unbeständig.
Kein Treffen ist wie ein anderes. Völlige Unberechenbarkeit.
Mal suchst du die Nähe zu mir. Dann sind wir vertraut. Ganz nah beieinander. Miteinander. Verschmelzung. Aus zwei wird eins. Aus dir und mir wird uns.
Das nächste Mal bist du distanziert, fern, fremd. Als würden wir uns nicht kennen. Wir befinden uns zusammen, und doch ist jeder für sich. Beisammen und dennoch allein.

Du sagst, du hasst Frauen.
Und doch möchtest du sie lieben.
Du kannst nicht mit, aber auch nicht ohne sie.

Ich gebe dir Raum in meinem Leben. Für mich ist kein Platz in deinem. Ich soll Teil davon sein, aber kein fester Bestandteil werden.

Ich habe mir unsere Zukunft ausgemalt, als wir uns das erste Mal begegneten. Insgeheim wusste ich von Anfang an über unser Scheitern. Mein Verstand riet mir von dir ab, aber mein Herz zog mich immer wieder zu dir hin.
Ich brauche dich nicht in meinem Leben, hätte dich aber gerne als Wegbegleiter.
Ich mache dir Platz in meinem Herzen, aber du willst es nur zerbrechen.
Ich gebe dir Raum in meinem Leben. Für mich ist kein Platz in deinem. Ich soll Teil davon sein, aber kein fester Bestandteil werden.

Du möchtest mich gerne schlagen. Nach meinen Gefühlen trittst du schon längst.

Du füllst mich mit Leben, Liebe, Energie und doch laugst du mich völlig aus, machst mich müde, erschöpfst mich.
Du möchtest mich erblühen lassen, und doch setzt du alles daran, mich zu verwelken.
Ich will dir nichts Böses, und doch fürchtest du mich.
Du möchtest mich gerne schlagen. Nach meinen Gefühlen trittst du schon längst.

Ich verbringe so gerne Zeit mit dir, aber du willst nur so wenig davon mit mir teilen.
Du möchtest mich jeden Tag sehen, und doch brauchst du Abstand. Zehn Tage Funkstille. Für dich scheinbar kein Problem.
Du willst nicht bei mir übernachten, und doch schlafen wir händchenhaltend ein.
Du möchtest nicht neben mir aufwachen, und doch schwärmst du davon, wie geborgen du neben mir geschlummert hast.
Kopf an Kopf, Hand in Hand.

Warum du mit einer „wie mir“ niemals zusammen sein wolltest, verdränge und vergesse ich.

Wenn wir uns so nah gekommen sind, ergreifst du die Flucht.
Alternativ folgt Angriff als gewohnter Abwehrmechanismus. Du weißt genau, wie du mich triggerst.
All die Gemeinheiten, die du aufgelistet hast, warum du mit einer „wie mir“ niemals zusammen sein wolltest, verdränge und vergesse ich.
All die wenigen positiven Eigenschaften, die du mir überhaupt abgewinnen konntest, brenne ich in mein Gedächtnis. Nach allem sehe ich noch immer das Gute in dir und möchte diese Seite in Erinnerung behalten.

Deine Auflistung über unsere Verbindung, die scheinbar nicht zusammenpasst, resümierst du mit drei bzw. fünf Worten:

Es ist
perfekt.

Mit dir
ist es
perfekt.

Warum tust du dann alles, um uns zu sabotieren? Warum darf sich kein „wir“ entwickeln? Warum muss diese tiefe Verbundenheit wieder vergehen?
Du sagst mir, du liebst mich, aber zeigst mir keine Wertschätzung. Im Gegenteil: Du wertest mich ab und zerstörst den Rest meines sowieso schon geringen Selbstwertgefühls. Was mich klein macht, macht dich groß.

Du zählst meine Makel auf. Als sei meine Unvollkommenheit ein Grund, mich nicht lieben zu können. Dabei machen mich meine Makel doch gerade so liebenswert.
Ich mag dich so, wie du bist. Ich will dich nicht verändern. Das hatte ich nie vor, und will ich selbst jetzt nicht.

Du verstehst alles, und doch hast du nichts verstanden.

Du verstehst alles, und doch hast du nichts verstanden.
Du versprichst mir nichts, und doch willst du alles von mir versprochen haben.
Du willst mir nicht treu sein, und doch soll ich nur dir gehören.

Ich möchte zu dir stehen, doch du hältst mich geheim.
Unter Freunden kennen wir uns nicht. Eine Heimlichkeit, die für mich nichts mit Aufregung zu tun hat, sondern mit Feigheit.
Deine Unabhängigkeit hat mich anfangs noch sehr beeindruckt. Jetzt tust du mir Leid für dein auferlegtes Einzelgängertum.

Du hast Angst, dich fallen zu lassen, dich voll und ganz auf mich einzulassen. Denn du könntest ja glücklich sein. Es könnte mal nicht wehtun. Es könnte mal gut laufen. Darauf vertraust du aber nicht. Wovor hast du Angst? Vertrau mir, dir, uns doch! Es könnte so einfach sein …

Wenn ich auf dich zugehe, entfernst du dich zwei Schritt von mir.
Mit dir wollte ich durchs Leben gehen, die Welt anschauen. Für dich war ich eine kurze Begleiterscheinung. Alles, was in deinem Leben erscheint, muss auch wieder verschwinden.

Während ich versuche, dich von vergangenen zwischenmenschlichen Traumata zu heilen, fügst du mir eine Wunde nach der anderen zu.
Du hast mich zutiefst verletzt, aber keine neuen Narben hinzugefügt. Zu viel habe ich an mir gearbeitet, als mich von dir kaputt machen zu lassen. Alles war ich bereit, für dich zu tun, aber meinen Selbstschutz habe ich für dich nicht aufgegeben.
Solange ich mich dir füge, bleibst du bei mir. Alsbald ich für mich und meine Bedürfnisse einstehe, ergreifst du die Flucht.

Aber Liebe bedarf keiner Hoffnung, gar Überzeugung. Sie ist einfach.

Lange habe ich an dir gehaftet. Dir immer wieder Chancen gegeben. Immer wieder gehofft, dich von mir, von uns überzeugen zu können. Aber Liebe bedarf keiner Hoffnung, gar Überzeugung. Sie ist einfach.

Schon lange wusste ich, dass ich loslassen muss, was mir nicht gut tut. Dich loslassen muss. Ich kann dich nicht festhalten. Ich muss dich ziehen lassen. Doch wahrhaben wollte ich es nicht.
Du warst für mich etwas Besonderes. Für dich war ich jederzeit austauschbar.
Du sagtest, du möchtest Alles und Nichts von mir.
Wahrscheinlich geht es mir insgeheim genauso. Ich will Alles und doch Nichts von dir.

Ich vermisse dich, und doch bin ich froh, dich nicht mehr wiederzusehen.
Ich misse dich, aber in meinem Leben wirst du nicht fehlen.
Mit dir habe ich für einen kurzen Moment die Fülle des Glücks verspürt, und danach die unendlichen Tiefen des Leids erfahren.

Aus all der Unwissenheit, woran ich an dir (nicht) bin, finde ich Gewissheit. Eine Klarheit darüber, was ich nie mehr will: ein emotionales Wirrwarr, so wie ich es mit dir hatte. Ein irrendes Wir. Ein wirrendes Du und Ich.

Headerfoto: Andressa Voltolini via Unsplash. („Gedankenspiel“-Button hinzugefügt.) Danke dafür!

SAVINAR umrundet entweder gerade die Welt oder begibt sich auf emotionale Gefühlsreise und Erkundung ihrer selbst. Nach ein paar aufregenden Jahren im Überall und Nirgendwo hat sie sich vorerst wieder in Deutschland niedergelassen. Seit neuestem geht sie den spirituellen Weg und hofft, in ihren Meditationen Erkenntnisse zu gewinnen, um mehr Ruhe in das Gefühlschaos ihrer Gedankenwelt zu bringen.

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