Ein Herz gezeichnet von Blues

Da sind wir. Mit flüchtigem Glück im pragmatischen Zeitalter angekommen. Immer aufs Neue schenken wir uns den Luxus unbekümmerter Emotionen, bedingungslos, frei von messbaren Anhaltspunkten, tief und umfassend. Verletzlichkeit und Unberechenbarkeit dieser Hormonen-Fahrt inklusive!

Was für ein Trip, was für eine Gefühlslandschaft, begleitet von bittersüßem Duft! Die unverfängliche Szenerie fühlt sich wie eine mit viel Feingefühl gemischte Farbenpracht an, diese Magie, die bloß durch Begegnung zweier Menschen entsteht, phänomenal! Die Kraft, die durch das Sein entsteht, die lediglich elementare Passivität der eigenen Existenz, ist es nicht ein Wunder?

Kann ein Herz gezeichnet von Blues von Wundern sprechen?

Die Reise gefolgt von der Heimfahrt als kleinem Reminder an die Realität; die letzten Reste der Brotzeit, das Klappern der leeren Flaschen unter den Sitzen, der mittlerweile vermischte Duft unserer Körper, die eingefangenen Schnappschüsse, die Autobahn-Melancholie. Heimkehr, Abschied, Schlaf, Ernüchterung?

Keine Begegnung liefert Garantie auf Fortbestand. Natur garantiert nichts, Natur ist eine in sich geschlossene Formation von Mysterien. Ur-Basis, von der wir kommen und zu der wir alle zurückkehren. Sie ist die Magie ohne Garantie; die Hoffnung und der Trost aller Fragenden, aller Heimkehrer und aller Ernüchterten. Deren Mysterium wir alle in uns tragen.

Mein Plädoyer beruht auf dem Wunsch, sich mit Mut, Hoffnung und Erinnerungsegoismus auf jede dieser Reisen zu begeben. Jeden nur so klitzekleinen Moment der Leichtigkeit mitzunehmen, jedes nur so scheinbar nicht gelungene Foto aufzubewahren, jeden unangebrachten Witz sowie jede entlaufene Berührung abzuspeichern.

Es ist mir gelungen, ich habe alles eingesammelt, in eine samtig weiche Decke der Erinnerungen eingehüllt und keine Melancholie der Welt macht sie weniger weich, etwas zerknittert vielleicht, aber nicht weniger wertvoll.

Du bist die einzigartige Heimfahrt, die mir das Gesamtpaket des Gefühlsspektrums zeigt. Das Vertrauen in uns und die Zweifel, die innigsten Berührungen und die genauso intime Distanz, die Nähe zwischen uns und die Weite, die wir für uns suchen.

Die Entscheidung für das Mysterium, für den Freifall und die damit verbundene Unsicherheit ist für mich ein Geschenk, dem ich mit sanfter Demut begegne und das ich mit allen seinen Überraschungen schätze.

Immer wieder aufs Neue, trügerisch vorsichtiger, erwachsener, in Wirklichkeit jedoch mit genauso viel Vertrauensseligkeit, ja Naivität wie früher folge ich der Natur der Liebes-Sanftmut und möchte mit dir jedes noch so scheinbar nicht gelungene Foto als unverzichtbare Episode unserer gemeinsamen Reise aufbewahren.

Flüstern hat Prag im Blut, Zürich im Lebenslauf, München im Herz. Aus Erlebtem Sätze bauen, gibt ihr ein bisschen objektive Sicht auf das urban-emotionale Durcheinander. Sie mag unangebrachte sarkastische Bemerkungen, über die manchmal jemand ein bisschen lacht. Wirklich. Sie ist ein Wahl-Melancholiker, veranstaltet gerne Sentiment-Partys, da lädt sie dann das ganze Zweifel-Ensemble ein, ist immer ein bisschen witzig! Wirklich. Irgendwie mehr country als rock’n’roll bei ihr. Folk song kann aber schon ruhig mal rougher zugehen.

Headerfoto: Mitya Ku via Creative-Commons-Lizenz 2.0! Danke dafür. (Gedankenspiel-Button hinzugefügt.)

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