Ein Beziehungsguide für Hochsensible

Lass uns zunächst über das Wort „beziehungsfähig“ sprechen. Für mich ist „Beziehungsfähigkeit“ die Fähigkeit, sich mit sich selbst liebevoll zu verbinden und aus dieser Verbundenheit mit seinen eigenen Gefühlen auch eine authentische Beziehung mit seinen Mitmenschen herzustellen. Alle damit einhergehenden Assoziationen und Beziehungskonzepte sind hier erst einmal irrelevant. Sind wir mit uns selbst verbunden, spüren uns und unsere innere Wahrheit, erkennen wir von ganz alleine, welche Beziehungsformen, ja welche Menschen uns gut tun.

„Beziehungsfähig“ wird im gesellschaftlichen Kontext leider über einen Kamm geschoren. Es heißt für einen tendenziell verkopften Menschen etwas ganz anderes als für einen sehr sensitiven Menschen, der sich und sein Umfeld wie ein Seismograph wahrnehmen kann und oft von der Komplexität seiner Gefühlswelt überwältigt wird. Und jeder, der sich sehr gut spürt, kann ein Lied davon singen, wie überwältigend Emotionen sein können. Sowohl auf positive als auch auf negative Art und Weise. Übrigens: Interessanterweise kenne ich sehr viele Menschen, die von sich selbst behaupten würden, sie seien verkopft, in den Tiefen ihrer Seele aber hochsensitiv veranlagt sind. In der Regel ist dies ein Schutzmechanismus.

Ich selbst bin hochsensibel, spüre, fühle, nehme auf oft sehr intensive Weise wahr, neige dazu, mir die Last anderer auf die Schultern zu laden und habe längst erkannt, dass Partnerschaft und Beziehung eine ganz andere Nummer für mich sind, weil sie mich vor ganz andere Lernaufgaben stellen als Menschen, denen die Fähigkeit des tiefen Fühlens fremd ist. Auch hier will ich nicht werten. Ich will nur differenzieren. Und Bewusstheit dafür schaffen, dass „Lieben lernen“ nicht für jeden das Gleiche bedeuten kann.

Ich selbst versuche, diese Hochsensibilität als großes Geschenk zu sehen. Als eine Veranlagung, die mir den Weg bis in die tiefsten Tiefen meiner Seele weist, wo ich Erkenntnis und Heilung finden kann. Ich möchte auch dich dazu inspirieren, deinen Fokus auf das Potenzial, nicht auf die Schwierigkeiten darin zu richten! Fühlen ist das größte Geschenk, was wir unserer Seele machen können. Hochsensibilität fordert Achtsamkeit. Achtsamkeit und einen liebevollen Umgang mit dir selbst. Auch in deinen Beziehungen.

 

Mögen diese 5 Spiri-Inspirationen Bewusstheit, Liebe und Heilung in deine Beziehungen bringen. Zu dir selbst und zu anderen:

 

1. Würdige deine Gefühle – immer

Je mehr du versuchst, die tiefen Empfindungen, die du spüren darfst, zu verdrängen, desto mehr manipulieren sie dich aus deinem Unterbewusstsein heraus. Stelle eine intime Freundschaft mit deinen Emotionen her, stehe für sie ein und lerne, sie in deinen Beziehungen offen und ehrlich zu artikulieren, auch wenn dich das vielleicht Überwindung kostet. Jeder von uns wäre manchmal gerne unkomplizierter, rundum easy, vielleicht ein bisschen verkopfter, alles in allem kompatibler mit unserem Umfeld. Fakt ist: Als hochsensibler Mensch findest du nur im Fühlen die Freiheit und die Liebe, nach der du dich sehnst. Je bewusster und achtsamer du mit deinen Gefühlen umgehst, je sorgfältiger du den Lektionen lauschst, die dich lehren möchten, desto besser verstehst du dich selbst und bist in der Lage, in Selbstliebe Kraft und Klarheit Rahmenbedingungen für deine Beziehungen zu schaffen, die dir gut tun. Und ja: Du hast es dir wirklich verdient, endlich mal Beziehungen zu führen, in denen du dich entspannen darfst, ganz du selbst sein kannst.

 

2. Lerne zwischen deinen eigenen und den Emotionen anderer zu unterscheiden!

Als hochsensible Seele spürst du die Gefühlsregungen deiner Mitmenschen oft genauso wie deine eigenen! Du kennst das Gefühl, wenn du bei deinen Mitmenschen intuitiv Disharmonien wahrnehmen kannst, obwohl nach außen eine makellose Fassade gewahrt wird, oder? Diese Gabe ermöglicht dir ein hohes Maß an Empathie, führt aber oft dazu, dass du dich in den Emotionen anderer zu verlieren neigst und nicht mehr unterscheiden kannst, ob es wirklich deine eigenen sind oder ob du dir die Last anderer auf die Schulter gepackt hast. Vielleicht hegst du manchmal auch Schuldgefühle, weil du den Schmerz deiner Mitmenschen auf dich selbst projizierst und unterbewusst Verantwortung für ihr Leiden übernimmst. Mache dir in diesen Momenten bewusst: Es ist nicht deines! So gerne du es manchmal auch tätest, bist du nicht in der Lage, deinen Mitmenschen ihren Schmerz abzunehmen oder ihren Weg für sie zu gehen. Allen Neigungen zum Helfer-Syndrom zum Trotz solltest du dich von der Vorstellung verabschieden, deine Mitmenschen, vor allem auch deine Partner heil machen zu wollen. Fokussiere dich stattdessen auf deinen eigenen Weg, auf deine eigene Heilung und übe dich darin, gesunde Grenzen zu setzen. Du wirst staunen, wie viel mehr du offenen Herzens zu geben hast, wenn du lernst, ganz bei dir zu bleiben anstatt mit anderen Menschen „mitzuleiden“.

 

3. Betrachte deine Partner als „Spiegel“!

Wenn es etwas gibt, was wir hochsensiblen Seelen in diesem Leben zu lernen haben, dann ist es die Aufgabe, radikal Eigenverantwortung für unsere Gefühle zu übernehmen, anstatt die Schuld für unser Leiden bei anderen zu suchen. Das heißt nicht, dass wir inakzeptables Verhalten unserer Mitmenschen gut heißen müssen. Im Gegenteil. Indem wir uns ganz auf unseren Schmerz und dessen Heilung fokussieren, wenn wir in Beziehungen verletzt werden, erlangen wir Selbstermächtigung und treten aus der emotionalen Abhängigkeit aus, in die wir uns oft begeben, weil wir uns tiefsten Herzens wünschen, geliebt zu werden für das, was wir sind. In der Fähigkeit des tiefen Fühlens steckt ein riesengroßes Heilungspotenzial, wenn wir uns trauen, in die Tiefen unserer Seele zu blicken. Und anerkennen, dass es unsere eigenen emotionalen Muster, destruktiven Glaubenssätze und Gefühle des Minderwertes sind, die anderen Menschen die Erlaubnis geben, uns zu verletzen. Tatsächlich ziehen wir immer jene Partner in unser Leben, die als Spiegel unserer eigenen Innenwelt fungieren. Und uns dadurch jenen Spiegel oft auf schmerzvolle Art und Weise vorhalten. Nutze diesen Spiegeleffekt, so weh er auch manchmal tut, um Heilung und Bewusstheit zu finden.

 

4. Halte dich von toxischen Beziehungen fern!

Dies heißt aber keineswegs, dass du des Heilungspotenzials wegen in Beziehungen verharren musst, die dir nicht gut tun. Wir hochsensitiven Menschen sind wahrlich ein Magnet für toxische Beziehungen, die uns Schmerz bereiten, anstatt das Gefühl von Liebe und Geborgenheit zu vermitteln. Woran das liegt? Einerseits haben wir, wie erwähnt, diese stark ausgeprägte Tendenz, unser Umfeld, ja unsere Partner heil machen zu wollen, was übrigens auch eine großartige Ablenkung dafür sein kann, sich selbst nicht heil machen zu müssen (was allerdings das einzig Sinnvolle ist!). Zum anderen fällt es uns aufgrund unserer Feinfühligkeit in der Regel schwer, gesunde Grenzen zu setzen und andere abzulehnen. Ja, oftmals verletzen wir lieber uns selbst, stagnieren in einem permanenten Zustand der Selbstaufopferung, um unsere Partner nicht zu verletzen und um Disharmonien und Unfrieden zu vermeiden. Lernen wir über kurz oder lang nicht, in unserer Kraft anzukommen, uns gesund abzugrenzen und gleichzeitig unsere Bedürfnisse zu kommunizieren, machen wir uns immer wieder zu Opfern jener Beziehungen, die uns in Wahrheit nie glücklich machen werden. Klassischer Fall: Jene „On-Off“-Geschichten, in denen wir sehnsüchtig auf Liebe warten, dieses ungesunde Warten mit Leidenschaft verwechseln und schlussendlich doch immer wieder auf Distanz gehalten werden.

 

5. Übe dich in emotionaler Klarheit!

Wenn du all das, was in deiner Gefühlswelt geschieht, sehr intensiv spürst, kannst du dir keine emotionale Unklarheit leisten – sie wird an deiner Kraft zerren und unnötiges Drama in dein Leben bringen. Es ist unglaublich wichtig, dass du für dich einen guten Kontakt zu deiner inneren Stimme, deinem Bauchgefühl, deiner Intuition herstellst, die sich wie ein strahlender Funken der Kraft und der Klarheit unter der Flut der Emotionen befindet, die es dir oft erschwert, deine Gefühle einzuordnen. Schaffe dir hierfür genügend Freiräume in deinem Leben, die ganz deiner Innenwelt gewidmet sind. Lerne, die heilsame Kraft des Alleinseins zu schätzen, die dir ermöglicht, ganz in deinem Körper anzukommen und dich selbst mit samt deiner inneren Wahrheit zu spüren. Vielleicht hast du auch Lust auf Yoga, Meditation, Energiearbeit, Tanz oder andere Formen der Körpertherapie! Alles, was dir gut tut, ist wundervoll! Erschaffe dir dadurch ein Fundament an Bewusstheit und Achtsamkeit mit dir selbst, auf dem du in deinen Beziehungen klar und souverän agieren kannst anstatt in emotionalem Drama zu versinken. Habe ich erwähnt, dass Natur unglaublich heilsam sein kann?

 

Ich möchte dir zum Schluss einen Satz mit auf den Weg geben, der mir immer wieder ein Lächeln ins Gesicht zaubert, wenn ich ihn selbst für mich aufsage und tief in mir verinnerliche. Es ist ein Satz, der genau das ausdrückt, was wir in diesem Leben lernen dürfen, aller Selbstzweifel und Gefühlen des Minderwerts zum Trotz, um wahrhaftige Erfüllung in uns selbst und unseren Beziehungen zu finden.

DU BIST DAS BESTE, WAS DIR JE PASSIERT IST!

Mit allem Licht. Und allem Schatten. Allen euphorischen wie auch niederschmetternden Gefühlen, die sich aus deiner Innenwelt auftun.

 

Wenn du spirituellen Themen gegenüber offen bist, deine Liebesfähigkeit zum Leuchten bringen willst und dich nach Heilung und tiefer authentischer Verbundenheit mit dir selbst und deinen Mitmenschen sehnst, möchte ich dich zu unserem Healing-Workshop „Open Hearts – Connected Souls“ in Hamburg, München und Köln einladen. Ein Workshop, in dem wir all die Mauern der Angst sprengen, die wir um unser Herz gebaut haben und uns liebevoll einlassen. Auf uns selbst, unsere Gefühle und Bedürfnisse.

Weitere Infos und Details zur Anmeldung findest du hier.

Happy Healing!
Dein Ludwig

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