Du und deine Bindungsangst

Ich kam, sah und verliebte. Verliebte mich in dich. Ich seh dich noch heute da stehen. Deine Augen. So schön. So groß. Dein Blick. So interessiert. So durchdringend. Dein Mund, meist ein wenig offen. So schön. Neugierig blickst du in die Welt. Fixierst mich mit deinen Augen. Dein Papa hat dir gesagt, schau die Frau an, mit der du sprichst. Ich erröte. Kann deinem Blick kaum standhalten. Du machst mich nervös. Du hast so viel Stil.

Dein Geruch, so ohne Parfüm. Echt. Du. Ich habe dich vom ersten Moment riechen können. Dein Mundwerk. So lose. So witzig. So überlegt. Deine Art. So unkompliziert. So frech. So lebenslustig. So gewinnend. Du wirkst so selbstsicher, erwachsen. Dir möchte man folgen. Egal wohin. Du wirst schon wissen, wo´s langgeht. Schlagfertig bist du. Dein Humor. Ohne Worte. Dein Lachen. Fesselnd. Deine Klappe. Riesig. Laut.

Und dann bist du weich, sensibel. Echt. Sprichst aus, was du denkst. Gibst zu, dass du schwach bist. Ich möchte dich halten. Aber ich kann nicht. Erreiche dich nicht.

Du hältst mich, fest in deinem Arm, die ganze Nacht. Liegst einfach so auf mir. Bist mir nah, als würdest du mich verschlingen wollen. Und doch bist du frei. Fern. Irgendwie nicht hier.

Du nimmst mich in deinen Arm. Nach dem ersten Bier. Wir sitzen in der Bar. Alle schauen Fußball. Du schaust nur mich an. Nimmst meine Hände. Berührst mich. Fixierst mich. Gewinnst mich. Wir radeln durch die Stadt. Betrunken vom Bier und berauscht von unseren Gefühlen. Ich fühle mich so frei. Glücklich. Lass uns in die Zukunft radeln. Du und ich.

Ehrlich. Das warst du von Anfang an. Hast gesagt, dass du dich nicht binden kannst. Angst hast. Davon läufst. Arschig bist. Ich wollte nicht hören. Wollte es nicht glauben. Dachte, bei mir wird es anders. Dachte, du kannst gar nicht anders, als dich in mich zu verlieben.

Und dann stehen wir auf der Straße. Nachts. Du nimmst meine Hand. Wir laufen zusammen. Ich möchte nicht ankommen, dich wieder loslassen. Und dann tanzen wir. In deiner Wohnung. Nachts. Du singst laut mit. Ich möchte dich nicht loslassen.

Am nächsten Morgen trennen sich unsere Wege. Ich weiß, dass du jetzt wieder fern bist. Ich dich nicht erreiche. Ich versuche es nicht. Trau mich nicht.

Du bist fern. Nicht hier. Immer wieder.

Du. Nur du bist in meinen Gedanken. Es kam, wie es kommen musste. Du bist weg. Schützt mich. Sagst, dass es besser so ist für mich. Dass du mir nicht geben kannst, was ich brauche. Du hast recht.

Ich leide. Bin allein. Da bist du. Du in meinen Gedanken. Du in meinem Herzen. Gleich neben dem Schmerz.

Tattoos. Ich mag sie eigentlich nicht. Deine schon. Und meines. Das auf dem Herzen. Das du hinterlassen hast. Es trägt deinen Namen. Das ist was bleibt. Der Kopf hat es schon fast begriffen. Das Herz nicht. Es ist bei dir. Will dich halten. Will nicht loslassen.

Ich wollte nicht hören, also muss ich jetzt fühlen. Es soll nicht sein. Egal wie stark ich auch wäre, ich kann dich nicht halten. Du bist frei. Ich gefangen. Gefangen in meiner Sehnsucht. In meinem Traumschloss. Das ich mir mit dir aufgebaut habe.

Ich kann es noch nicht kaputt machen. Will noch festhalten. Will leiden. So kann ich dir noch nah sein.

Du. Nur du. Schön. Umwerfend. Frei. Weg. Aus. Vorbei.

Eva glaubt fest an die Liebe. Hat Angst vor ihr. Wohnt in München. Freut sich am Leben. Fällt oft hin, steht aber immer wieder auf. Love is louder.

Headerfoto: Liza Agsalud (Gedankenspiel imprint added) via Creative Commons Lizenz 2.0!

imgegenteil_Eva
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5 Comments

  • Und wenn man dann Nachts im Bett liegt. Mit diesem Stein im Magen. Mit diesem riesigen Elefanten im Raum.
    Und man ist so müde. Müde von all dem was passiert ist oder auch nicht.
    Aber an Schlaf ist nicht zu denken. Egal wie erledigt man ist. Und dieser Stein wird zu Säure und ätzt sich immer tiefer ein. Genau wie der Gedanke an dich.
    Du. Du. Sonst nichts. Die bittersüßen Momente. Die Versprechungen.
    All das brennt sich in meinen Kopf. Und ich kann nichts tun. Ich kann nicht essen. Du hast dich in mein Herz geschlichen und überall deine Spuren hinterlassen. Sie quasi hinein geritzt. Wann. Wann ist all das bloß vorbei. Dieser Albtraum. Dieses Drama.

  • Dieser Text hätte von Anfang bis Ende von mir stammen können. Ich kenne dieses Gefühl und diesen Schmerz nur zu gut. Ich fühle ihn aktuell noch immer.
    Man möchte einfach nicht loslassen. Man möchte hoffen, dass es doch anders kommt. Weil doch alles passt. Weil es sich so gut, echt und richtig anfühlte. Man hofft, dass die Einsicht noch kommt. Es ist ein schreckliches Gefühl. Und irgendwie auch nicht richtig. Denn will man wirklich jemanden haben, der einen nicht wirklich möchte? Der von Anfang an zweifelte? Der nicht das Gleiche emfpindet? Hat man nicht mehr verdient?
    Und doch ist es so schwer loszulassen.
    Ich wünsche Dir, dass du das bald schaffst.!

  • autsch. aua. kenn ich. das gefühl. das schlimmste ist nicht etwas das „gebrochene herz“, sondern die gebrochene, zerstörte seele… ‚gefangen in der sehnsucht‘, ‚im herzen eintätowiert‘, könnt von mir sein. herzzerreißend, aber wunderschön geschrieben. merci

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