Du lässt mich einfach nicht los – wenn es über Jahre hinweg wehtut

Sechs Jahre unglückliche Beziehung hatte ich hinter mir, als ich dich das erste Mal sah. Ich war sofort fasziniert von dir und auf unserer zweistündigen gemeinsamen Autofahrt völlig in deinen Bann gezogen. Nicht nur dein Äußeres, es war deine charmante, witzige, nette aber gleichzeitig sehr selbstbewusste Art.

Bis heute kann ich mich nach viereinhalb Jahren noch an jedes Wort bei unserm ersten Aufeinandertreffen erinnern. Ich war völlig euphorisch und erzählte gleich meiner Familie und Freunden von dir. Ich war wirklich hin und weg. Den nächsten Tag meldetest du dich schon bei mir mit einer SMS – wir schrieben und kurz daraufhin teiltest du mir mit, du hättest eine Freundin, wärst aber auf der Suche nach Spaß.

Ich schwebte, obwohl ich wusste, du nutzt mich nur für rein sexuelle Zwecke, auf Wolke 7.

Ich hatte bis dahin immer die Auffassung, ich würde niemals im Leben etwas mit einem vergebenen Mann eingehen, geschweige denn mit jemandem schlafen, mit dem ich nicht in einer Beziehung bin, aber da habe ich wohl falsch gedacht. Du warst einfach viel zu faszinierend für mich, um dir einen Korb zu geben. Und so trafen wir uns auch gleich am nächsten Tag und schliefen miteinander. Ich schwebte, obwohl ich wusste, du nutzt mich nur für rein sexuelle Zwecke, auf Wolke 7.

Mit der Zeit schrieben wir immer mehr und redeten über persönliche Dinge, über Gott und die Welt und lernten uns immer besser kennen und verstehen. Du warst mein erster Gedanke am Morgen und mein letzter am Abend, und ich denke bis heute, es war bei dir auch so. Du hast keine Gelegenheit verpasst, mich anzurufen, mich zu treffen oder mich aufzubauen, wenn es mir schlecht ging. Egal, was in deinem Leben passierte, ich war immer die erste Anlaufstelle, nie deine Freundin.

Anfangs störte „sie“ mich nicht, auch nicht die Tatsache, dass du Weihnachten und Silvester mit ihr verbracht hast. Aber nach und nach kam ein immer bitterer Beigeschmack, wenn ich wusste, ihr verbringt jetzt gemeinsame Tage. Diese waren bei euch, da ihr eine Fernbeziehung führtet, sehr selten.

Nach knapp sechs Monaten waren wir so weit, dass wir uns täglich trafen. Du hattest den Schlüssel zu meiner Wohnung – alles war, wenn auch geheim –, wie in einer echten, perfekten Beziehung. Ich war schon viele Jahre nicht mehr so glücklich und genoss die gemeinsame Zeit mit dir, so gut ich konnte. Wir verstanden uns blind, alles war perfekt. Keiner von uns hat jemals über unsere Situation gesprochen oder darüber, ob du dich trennen willst.

Wie oft habe ich daran gedacht, es aber nie auszusprechen gewagt – aus Angst, das perfekte Zusammensein könnte bröckeln.

Wie oft habe ich daran gedacht, es aber nie auszusprechen gewagt – aus Angst, das perfekte Zusammensein könnte bröckeln. Tief in mir drin stellte ich mir aber immer die Fragen: Was möchte er? Wie wird es weiter gehen mit uns? Verlässt er seine Freundin vielleicht? Hat er sich womöglich verliebt? Warum würde er sonst so viel Zeit mit mir verbringen?

Ich beantwortet mir meine Fragen selbst, indem ich mir einredete, er müsse etwas für mich empfinden, sonst könnte er sich nicht so verhalten, und schob meine Eifersucht gegenüber seiner Freundin somit in die Ferne – dachte ich zumindest.

Bis zu dem Tag, als du vor mir standst und sagtest, du seist jetzt 14 Tage weg, du verreist mit deiner Freundin. Dieser Satz, der eigentlich irgendwann kommen musste, traf mich wie ein Schlag ins Gesicht und ich merkte, wie sich in mir Trauer, Eifersucht und Wut anstauten. Ich konnte meinen Gefühlen nicht widersprechen und offenbarte dir, dass ich das nicht könne. Ich könnte den Gedanken nicht ertragen, du machst jetzt mit ihr zwei Wochen auf heile Welt und ich sitze hier und warte. Ich bat dich deshalb zu gehen und nie wieder zu kommen.

Du gingst – aber schriebst mir noch am selben Abend, dass du verliebt bist in mich und es nicht beenden willst. Auch ich konnte dich nicht loslassen, somit begannen die ersten 14 Höllentage für mich, die sich dann über Jahre weiterzogen. Du warst im Urlaub und ich beschloss, auch mit einer Freundin wegzufahren. Ich dachte, so verginge die Zeit schneller. Aber nichts da, das Bild von dir und ihr – händchenhaltend am Meer spazierengehend und abends verliebt im Bett beim Austausch von Zärtlichkeiten – ging nicht aus meinem Kopf.

Alles schien perfekt, nur diese Eifersucht und ein leichter Hass auf deine Freundin wuchsen immer mehr in mir.

Ich zählte die Tage, bis du wiederkamst und es kam mir vor wie Wochen, Jahre – eine Ewigkeit. Als der Tag endlich da war, nahmst du mich so fest in Arm wie noch nie und ließt mich nicht mehr los. Es folgte ein schöner Sommer mit vielen Spaziergängen, Unternehmungen und gemeinsamen Nächten. Alles schien perfekt, nur diese Eifersucht und ein leichter Hass auf deine Freundin wuchsen immer mehr in mir.

Jeder Besuch von ihr brachte mich zum ausflippen. Ich fing an, dir in der Zeit immer öfter zu schreiben, wollte jeden Schritt, den du tust, wissen, nur um sicher zu sein, ihr zwei seid nicht gerade alleine im Bett. Ich dachte irgendwann, wenn du mir immer schreibst, wird doch auch sie Verdacht schöpfen. Aber dem war nicht so – das Einzige, was ich erreichte, war, dich langsam aber sicher von mir wegzuschieben, da mein Kontrollwahn dich verständlicherweise nervte. Doch das begriff ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Wenn deine Freundin weg war, lebten wir wieder in unserem Paradies. Ich wusste alles über deine Freunde, nur war nie mit dabei. Es fühlte sich zwar so an, als ob ich an deine Seite gehörte und alles miterlebt habe, aber das war alles nur meine Einbildung. Es vergingen zwei Jahre so. Du kauftest eine Wohnung, ich richtete diese mit dir ein, so als ob wir ein ganz normales Paar wären, und in meinem Kopf stellte ich mir schon vor, wie ich mit dir dort einzog. Aber die Rechnung machte ich ohne dich.

Als du dort einzogst, kam deine Freundin immer häufiger und für längere Zeit vorbei. Es wurde für mich immer unerträglicher. Ich konnte die Nächte, in denen sie da war, kaum überstehen und das ließ ich dich durch zahlreiche Nachrichten merken. Ich hatte solche Schmerzen, als ob mir jemand mein Herz aus der Brust reißt, aber ich war den Schmerzen und auch der Situation hoffnungslos ausgeliefert.

Es fühlte sich ein wenig so an wie Sterben, zumindest stelle ich mir das Gefühl so vor.

Ich kam an einen Punkt, an dem ich dir sagte, ich würde es nicht mehr ertragen. Und statt um mich zu kämpfen, erwidertest du nur, dass wir es dann lieber lassen sollten – die Zeit wäre gekommen, es zu beenden, da du und deine Freundin langsam aber sicher auch die Zukunft planen würden. Der nächste Schlag in die Fresse. Es fühlte sich ein wenig so an wie Sterben, zumindest stelle ich mir das Gefühl so vor.

Du gabst dir nicht mehr so die Mühe um mich wie am Anfang. Da ich mir ein Leben ohne dich aber absolut nicht mehr vorstellen konnte, kämpfte ich umso mehr um dich und rammte mir das Messer immer tiefer in meine Brust. Anfangs wirkte es, du kamst überraschenderweise wieder auf mich zu, es entstand ein nervenraubendes Hin und Her zwischen uns. Aber ich konnte irgendwann einfach nicht mehr und stellte dich vor die Wahl: Du trennst dich oder ich zerbreche an der Sache.

Zu meinem Wohl wähltest du Variante 1 und trenntest dich wirklich von deiner Freundin – wolltest dafür auch keinen Kontakt mehr zu mir. Aber beides war nur für kurze Dauer. Nach acht Jahren Beziehung ließ sie dich natürlich nicht einfach gehen. Für sie warst du genau wie in meinen Augen der perfekte Mann, mit dem man einmal vor dem Traualtar stehen möchte und der der Vater der Kinder werden solle. Ein Haus, Kinder, Hund, Garten, Baum – genau dafür warst du für uns beide gemacht.

Sie kämpfte um dich und es dauerte nicht lange und ihr kamt wieder zusammen. Warum auch immer, die Frage stell ich mir bis heute, kam der Kontakt bei uns auch wieder zustande. Bis heute behauptest du, dass ich dir leid getan hätte. Aber waren da nicht vielleicht doch Gefühle im Spiel? Ich werde es wohl nie erfahren.

Langsam aber sicher rückte Weihnachten näher und ich wusste genau, das überstehe ich nicht. Du mit ihr und der Familie unter dem schön geschmückten Baum. Das Fest der Liebe. Der Gedanke daran zerriss mich innerlich. Es kam wieder die Situation, in der ich dich unter Druck setzte. Entweder du sagst es ihr oder ich. Ich konnte und wollte so einfach nicht weiter machen. Wir stritten, diskutierten bis du schlussendlich sagtest, du würdest dich endgültig von ihr trennen, aber sie solle von allem nichts wissen. Gut, auch wenn ich sie hasste mittlerweile, konnte sie ja irgendwie nix für die Affäre.

Dieser Zustand, dich verloren zu haben und zu wissen, von dir abgrundtief gehasst zu werden, belasteten mich ungemein.

Du trenntest dich und hasstest mich dafür. Du hättest wegen mir deine große Liebe aufgegeben und wünschtest mir den Tod. Dieser Zustand, dich verloren zu haben und zu wissen, von dir abgrundtief gehasst zu werden, belasteten mich ungemein. Ich stand am Ende meiner Kräfte und wusste wirklich nicht mehr, wie ich weiter leben sollte. Mein Kopf überschlug sich vor Fragen, dein Verlust brachte mich den ganzen Tag zum Weinen und ich war, so kann man wirklich sagen, kaum noch überlebensfähig.

Die Jahre hatten mich schon so zermürbt, dass dieser Schlag mich gesundheitlich und seelisch fast ins Grab gebracht hatte. Aber auch dir ging es nicht besser, wie ich mitbekam. Dass du sie verlassen musstest, belastete dich ungemein. Mein Gewissen meldete sich, ich wollte mich für alles bei dir entschuldigen, obwohl du der Fremdgänger warst und mir eigentlich viel mehr Schaden zugefügt hast. Es war ein Hin und Her und schlussendlich hatten wir doch wieder Kontakt.

In meinem Kopf tanzten gleich wieder die rosaroten Herzen. Kommen wir nun endlich zusammen? Aber nein, immer wenn wir uns annäherten, zogst du dich gleich wieder zurück. Es ging mir zwar wieder besser, weil ich dich an meiner Seite hatte, ohne deine Freundin sogar, aber die Ungewissheit versetzte mich dennoch immer wieder in Unruhe. Du wolltest wieder gehen – ich kämpfte erneut um dich – du kamst plötzlich wieder. Wir konnten beide keinen endgültigen Cut machen.

An diesem Tag stellte sich ein Schalter in mir um und ich wusste, es ist vorbei

Es vergingen sechs Monate bis zu dem einen Tag, an dem ich erfuhr, dass du eine neue Freundin hast. An diesem Tag stellte sich ein Schalter in mir um und ich wusste, es ist vorbei. Es tat fürchterlich weh zu wissen, all das Kämpfen hat nichts gebracht, aber ich musste es akzeptieren. Noch einmal schaffte ich das alles nicht, mit einer anderen Frau an deiner Seite, und ich wusste, du wolltest es auch nicht. Unsere Wege trennten sich nun erstmals im Einvernehmen. Seither ist ein Jahr vergangen.

Bis heute haben wir noch ab und zu Kontakt, was meine Fragen im Kopf nicht unbedingt besser beantwortet. Warum haben wir überhaupt noch Kontakt? Warum hast du das alles getan? Hat es mit uns vielleicht doch noch eine Zukunft? Fragen über Fragen, die einfach nicht verschwinden wollen.

Ich habe in diesem Jahr verschiedene Männer kennengelernt, doch keiner kann dir das Wasser reichen. Ich bin eigentlich wirklich sauer auf dich, dafür, dass du mir das alles angetan hast und ich so leiden musste und bis heute noch ein kleines bisschen leide. Aber tief in mir liebe ich dich immer noch – du lässt mich einfach nicht los.

TyKa geht knapp auf die 30 zu, ist immer noch Single, dabei lebt sie für die Liebe und ist der festen Überzeugung, dass diese der Sinn des Lebens ist. Wenn sie nicht gerade einem Mann hinterhertrauert, liebt sie es, mit ihren Mädels auszugehen und einen drauf zu machen und zu reisen. Denn die Hoffnung, dass es mit der Liebe noch etwas wird, stirbt bekanntlich zuletzt und bis dahin sollte man sein Leben in vollen Zügen genießen.

Headerfoto: Brooke Cagle via Unsplash. („Gedankenspiel“-Button hinzugefügt.) Danke dafür!

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1 Comment

  • Wow, beim lesen dieses Textes war es die ganze Zeit so, als wenn ich meine eigene Geschichte lese und auch wie du am Ende mir immer noch die gleichen Fragen stelle.
    Und nun sind sie wieder da die Gedanken an diese eine Person, mit der man aber nie mehr zusammen sein kann. Das schmerzt.

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