Du bist mein Fehler im System, meine Schwachstelle

Du und ich, wir sind eine Geschichte. Eine Geschichte voller Unklarheiten und unausgesprochener Worte. Aber auch eine Geschichte voller Freundschaft und vermutlich auch Liebe. Wenn unsere Namen miteinander genannt werden, dann klingt das so, als gehören sie schon immer zusammen.

Romeo und Julia. Bonnie und Clyde. Du und ich. Und irgendwie stimmt es auch – seit wir uns kennen, gehören wir zusammen.

Aber nicht auf diese Art, sondern auf eine andere. Wir führen keine Beziehung, sondern eine verkorkste, komplizierte Freundschaft. Eine Freundschaft, die mehr ist als nur eine Freundschaft, aber irgendwie auch nicht.

Wir haben uns unzählige Male in den Armen gehalten, aber nie miteinander geschlafen. Wir haben Besitzansprüche, die wir versuchen zu verbergen, was uns aber nur selten gelingt. Und wir sind eifersüchtig – zumindest bin ich es. So sehr, dass ich schreien möchte, wenn ich dich mit einer anderen Frau sehe. Aber ich bleibe stumm.

Ich bin nur ein Mädchen, das du anderen Frauen als deine beste Freundin vorstellst.

Denn wer bin ich schon? Ich bin nur ein Mädchen, das du anderen Frauen als deine beste Freundin vorstellst. Vermutlich, um dir den potenziellen Flirt nicht zu versauen. Denn neben mir, da stehen noch andere. Mit manchen schläfst du. Mit machen nicht.

Aber so bist du und so warst du immer. Wer versucht, dich zu halten, dem entgleitest du. Du springst von einer Emotion zur anderen. Mal willst du mich nicht mehr loslassen. Mal willst du mich nicht mehr sehen. Deine Gefühle haben ihre eigenen unerklärlichen Regeln. Regeln, an denen ich zugrunde gehe.

Und das, obwohl ich eigentlich gar nicht so ein Mädchen bin. Denn eigentlich bin ich stark und unabhängig. Ich gebe meinen Freundinnen Tipps und sage ihnen, dass sie für sich selbst einstehen sollen, aber widerspreche jedem meiner eigenen Worte durch dich. Du bist mein Fehler im System. Meine Schwachstelle. Mein ganz persönlicher wunder Punkt.

Du bist mein Fehler im System. Meine Schwachstelle. Mein ganz persönlicher wunder Punkt.

Und trotzdem schaffe ich es manchmal fast. Ich schaffe es, Abstand von dir zu nehmen und die Mauern um mich herum Stück für Stück wieder aufzubauen. Aber immer, wenn ich meine, dass es mir diesmal vollends gelingt, dann passiert etwas. Irgendetwas, eine Nachricht oder ein Treffen, das mich zurückwirft und aus der Reserve lockt. Und dann stehe ich wieder bei null. Genauso ratlos, verletzt und gebrochen wie vor meinem Versuch, mich von dir zu entfernen.

Natürlich könnte ich ehrlich zu dir sein. Ich könnte dir sagen, wie es mir geht und dass ich das alles nicht mehr kann. Dass ich dich will, entweder ganz oder gar nicht. Aber ich habe Angst. Angst, dass du dich dann auf eine der Emotionen festlegst, zwischen denen du normalerweise springst.

Und zwar auf die, in der du mich nicht mehr sehen willst. Und ich muss mir selbst eingestehen, dass ich dafür noch nicht bereit wäre. Denn trotz all den Schmerzen und dem Wissen, dass ich es eigentlich ohne die schaffen muss, fehlst du mir, wenn du nicht da bist.

Egal wie groß das Chaos um uns herum ist, durch dich fühle ich mich zuhause.

Du fehlst mir, weil du natürlich nicht immer nur dieser schlechte Typ bist. Ganz im Gegenteil – die meiste Zeit über bist du fabelhaft. Wir lachen gemeinsam, laut und aus vollsten Herzen und jedes Wort, das du sprichst, geht in mir auf. Du hältst mich im Arm, den ganzen Abend über, und egal wie groß das Chaos um uns herum ist, durch dich fühle ich mich zuhause.

Aber diese guten Momente werden weniger, weil da die Wahrheit ist, die anklopft. Und diese vernichtende Wahrheit, die weh tut, ist, dass du mich nicht so siehst, wie ich dich sehe. Dass ich dir zwar etwas bedeute, aber eben nicht genug.

Vielleicht stimmt es, wenn sie sagen, dass du irgendwann aufwachen und erkennen wirst, wer ich bin und was ich für dich war, aber darauf kann ich nicht mehr warten. Ich muss mich beschützen. Zu mir selbst stehen, so wie ich es anderen predige.

Und deswegen muss die Mauern Stein für Stein um mein Herz ziehen.

Und deswegen muss ich von vorne beginnen und die Mauern Stein für Stein um mein Herz ziehen. Und wenn du sie wieder einreißt, werde ich sie wieder aufbauen. So lange und so oft, bis der Schmerz mich nicht mehr lähmt und ich fertig bin, bevor ich schwach werden kann.

Und dann werde ich glücklich sein. Von Herzen glücklich. Ganz ohne dich.

Seven ist laut und auffällig, aber in ihren Texten das genaue Gegenteil: leise und anonym. Denn manchmal gibt es Sachen, die selbst aufmüpfige Mittzwanzigerinnen nicht so leicht über die Lippen bringen. Und wer weiß – vielleicht gibt sie sich nicht zu erkennen, weil sie dich in all ihren Texten meint?

Headerfoto: Still Thinking via Creative-Commons-Lizenz. („Gedankenspiel“-Button hinzugefügt.) Danke dafür.

1 Comment

  • Markourt sagt:

    STOP! in the name of love.
    Sags ihm, verdammt, nun mach schon. Wenn du denkst, dass du ohne ihn glücklich sein kannst, mach keinen Hollywood-Film daraus. Lass das Ende nicht offen. Do it, denn dein High ist nur geborgt. Die Welt braucht mehr Klarheit. Überall.

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