Du bist genau, was ich brauche

Ich stehe eigentlich auf große Typen. Groß, mit starker Persönlichkeit, also oft mit extrovertierten und egozentrischen Eigenschaften, obwohl sie augenscheinliche Gutmütigkeit besitzen. Sie machen ihr eigenes Ding, nicht selten polarisieren sie Gruppen, und heimlich finden viele Frauen sie toll. Und doch habe ich mit noch keinem von ihnen eine richtig gute Geschichte geschrieben. Sie haben mich zwar alle weiter gebracht im Leben, aber schön ist es trotzdem nie gewesen.

Darum meine Frage: Warum er? Er passt genau in dieses vage Schema, das mir den Kopf verdreht und meinen Körper elektrisiert. Aber dieses Mal habe ich von Anfang an dagegen gekämpft, habe es zuerst hinterfragt und als die Spannung nicht mehr zu leugnen war, habe ich versucht, das alles zu ignorieren. Letztlich eingestanden war es doch wieder nur eine traurige Geschichte von „es hätte werden können“, statt „ich bin bei ihm angekommen“.

Unzählige Lieder und lyrische Stücke erzählen von dieser intensivsten Verliebtheit, ja schon Betörung, die einem den Boden unter den Füßen weg zieht und mich an nichts anderes mehr denken lässt. So sehr ich mich auch sträube. Er reißt meine Aufmerksamkeit an sich, ich kann mich nicht dagegen wehren. Doch wie gut tut mir dieses brennende, verzehrende Gefühl?

Er reißt meine Aufmerksamkeit an sich, ich kann mich nicht dagegen wehren. Doch wie gut tut mir dieses brennende, verzehrende Gefühl?

Es ist ein tolles Hochgefühl, wenn es sich entwickelt, doch wenn es dann ums Ausleben geht, habe ich noch keinen positiven Mehrwert erfahren. Eher müssen die Scherben mühsam aufgesammelt, gezählt und mit zittrigen Fingern zusammen geklebt werden.

In der Hoffnung, dass das so nicht noch mal passiert und man sich irgendwann wieder auf etwas Neues einlassen kann. Und jetzt ist es wieder passiert und ich will das letzte Mal auf keinen Fall wiederholen. Also weiterhin schön Abstand halten; zwar weiter gemeinsam scherzen, aber alles auf die leichte Schulter nehmen.

Dann, ganz plötzlich, nähert sich schleichend ein anderes Gefühl, es zieht mir nicht den Boden unter den Füßen weg, sondern ist mehr ein beständiges warmes Kribbeln im Bauch. Es lässt mich auftauen, lädt mich freundlich dazu ein, etwas von mir Preis zu geben und mich darauf einzulassen. Es gibt mir Wertschätzung zurück, bemüht sich um meine Aufmerksamkeit und lässt mich einfach wissen, dass es da ist.

Bei Dir muss ich mich nicht mit dem Kopf voraus in ein waghalsiges Abenteuer stürzen, sondern werde von Dir langsam abgeholt, wo ich stehe.

Bei Dir muss ich mich nicht mit dem Kopf voraus in ein waghalsiges Abenteuer stürzen, sondern werde von Dir langsam abgeholt, wo ich stehe. Durch jede Deiner Investitionen in mich wächst mein Vertrauen zu Dir und du schaffst es, dass ich mich Dir öffnen möchte. Du liegst gerade nackt neben mir, bist schon längst eingeschlafen und greifst immer wieder schlaftrunken nach meiner Hand, wenn sie aus Deiner rutscht.

Du bist genau das, was ich brauche. Genau jetzt. Dabei bist Du gar nicht viel größer als ich.

Es gibt vielleicht diese viel besungene reißende Liebe, von der alle träumen, doch in Wirklichkeit schreibt die Beständigkeit viel bessere, bescheidenere Geschichten für die Zukunft. Aus „der ist nicht mein Typ“ könnte ein „bei ihm bin ich angekommen“ werden.

Junikorn ist eine Mitt-Zwanzigerin aus Berlin, die zwischen Studium, Arbeit und bewegungsreicher Freizeit am Thema Männer leider nicht vorbei kommt. Dafür philosophiert sie gerne darüber und lässt sich vom Leben immer wieder mit neuen Erkenntnissen freudig überraschen.

Headerfoto: Schwarz-weißes Pärchen (Stockfoto) via David MG/Shutterstock. (Gedankenspiel-Button hinzugefügt.) Danke dafür!

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