Es weihnachtet und Du bist einsam

Weihnachten macht Dir dieses Jahr echt zu schaffen. Auf jeder Weihnachtsfeier sitzen an den Nachbartischen mindestens drei knutschende Pärchen. Sie verschlingen sich schon im Restaurant mit ihren Blicken. Lassen die Finger nicht voneinander. Stecken sich gegenseitig die Gabeln und die Zungen in den Mund. Mit wachsender Übelkeit sitzt Du, einsam und innerlich zerrissen, daneben und prostest Deiner Eifersucht zu. Dessen sicher, dass sie, Deine treue Begleiterin, Dir heute Nacht auch die Haare halten wird.

Es ist ein Phänomen. Willst Du ein Baby, siehst Du überall Schwangere. Willst Du einen Mann, stehen sie überall – die knutschenden und glücklichen Pärchen, die nichts und niemand mehr trennen kann.

Doch leider übertrifft nichts die Weihnachtsfeiern der Söhne vom Fußballverein. Sie sind überall. Diese scheiß perfekten Familien. Diese Superdaddys in ihren „Superheldenoutfits“. Ihrer vorgespielten Konsequenz und dem Vater-Sohn-Turnier, bei dem einer ein größerer Fußballprofi als der andere ist. Die Mütter sitzen Glühwein trinkend am Spielfeldrand und tätscheln Dir ab und an mitleidig die Hand.

„Mmhhhh … ja … Mitleid. Darf ich mich paar Minuten an Deine Schulter lehnen und Du streichelst mir bisschen übers Haar?“ Ach nein. Das übernimmt ja auch Deine Eifersucht. Deine beste Freundin. Längste Konstante Deines Lebens.

Nächstes Jahr wird alles gut.
Nächstes Jahr wird alles besser.
Er wird kommen.
Der Eine für Dich.
Du weißt es.
Du musst Dich beeilen.
So viel Zeit hast Du nicht mehr.
Noch ein paar Tage. Dann ist es da. Das nächste Jahr.
Er hat sich bestimmt schon auf den Weg zu Dir gemacht.
Du weißt es.

Und dann bist endlich mal Du dran. Du kannst den Jahresurlaub mit Ihm planen und buchen. Verreisen. Zusammen. Nicht wegrennen. Du nimmst Ihn mit auf das Sommerfest Deines Sohnes und im Superheldendaddyoutfit mit auf die Weihnachtsfeier.

Bald. Noch nicht jetzt. Jetzt ist noch das alte Jahr. Jetzt sitzt Du auf der Weihnachtsfeier. Betrunken von der beseelten Liebe am Nachbartisch und den fünf Bechern Glühwein.

Du prostest Deiner Eifersucht zu und sie tätschelt Dir die Hand.

Insa Winter glaubt nach wie vor an die Liebe und noch mehr an ihren bestens funktionierenden Verdrängungsmechanismus. Des öfteren rennt sie weg – davon überzeugt, dass nach meiner Rückkehr die Ordnung wieder hergestellt ist und ihre Welt sich weiter dreht. Außerdem arbeiten prinzipiell alle technischen Geräte in ihrem näheren Umfeld gegen sie.

Headerfoto: Talon Kasmai via Creative Commons Lizenz!

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