Die Zeit zurückdrehen

Ich wünsche mir manchmal,
die Zeit zurückzudrehen.
Dann könnte ich alles besser machen,
wir würden noch jetzt bestehen

Lass uns aufhören uns so anzusehen
als würden wir einander die Welt bedeuten.
Lass uns aufhören uns gegenseitig zu verstehen,
weil wir sowieso alles falsch missdeuten.
Lass uns aufhören im selben Takt zu singen,
denn unser Rhythmus ist asynchron.
Lass uns aufhören einander Freude zu bringen,
unser Ende nahte bereits lange schon.
Lass uns aufhören uns Mühe zu machen,
es ist bloß verschwendete Energie.
Lass uns aufhören miteinander zu lachen,
was bleibt ist Dysphorie.

Schon lange hatte es mit uns
den Sinn bereits verloren.
Auch wenn es anfangs so schien,
als seien wir füreinander geboren.

Und ich wünsch‘ mir wieder einmal,
die Zeit zurückzudrehen.
Dann könnte ich alles besser machen,
wir würden noch jetzt bestehen.

Lass uns aufhören uns in die Augen zu schauen,
keine Schmetterlinge mehr im Bauch.
Lass uns aufhören einander zu vertrauen,
denn es endet im Missbrauch.
Lass uns aufhören uns an die Hand zu fassen,
da auch das rein gar nichts bringt.
Lass uns aufhören uns an uns anzupassen,
als ob uns das jetzt noch gelingt.
Lass uns aufhören nach „Wie geht’s?“ zu fragen,
weil es uns nicht wirklich interessiert.
Lass uns aufhören das weiter zu ertragen,
Heuchelei ist hier bloß deplatziert.

Warum halten wir daran fest,
obwohl es uns nur Schaden bringt?
Und ich muss mir eingestehen,
das „Wir“ war wohl nur zeitbedingt.

Und ich wünsch‘ mir wieder einmal,
die Zeit zurückzudrehen.
Dann könnte ich alles besser machen,
wir würden noch jetzt bestehen.

Lass uns aufhören im selben Schritt zu gehen,
weil sich unsere Wege bereits trennen.
Lass uns aufhören, uns eingestehen,
die Wahrheit, die Realität erkennen.
Lass uns aufhören eine Zukunft zu planen,
die nur zum Scheitern verurteilt ist.
Lass uns aufhören mit bunten Farben zu malen,
denn vor uns ist alles grau und trist.
Lass uns aufhören alles schön zu reden,
weil es inzwischen nichts Schönes mehr gibt.
Lass uns aufhören mit der Verleugnung der Schäden.
Hast du mich überhaupt mal geliebt?

Ich rede mir das wohl alles nur ein.
Vielleicht sollte es mit uns nicht sein.
Vielleicht muss ich einfach akzeptieren,
dass wir doch nicht zusammengehören

Und ich wünsche mir auf einmal,
die Zeit zurückzudrehen.
Dann hätte ich dich nie kennengelernt
und es würde mir jetzt nicht so dreckig gehen.

Thuy ist ein Mädchen voller Gegensätze und einem Kopf voller Unsinn. Versucht herauszufinden, was die Welt im Innersten zusammenhält (Ja, hier wird gerade wirklich Goethe zitiert) und scheitert kläglich daran. Deshalb studiert sie wohl Psychologie, um wenigstens die ganzen Menschen um sich herum zu analysieren und zu durchschauen. Ansonsten liebt sie es, sich künstlerisch auszutoben oder auch über dies das zu philosophieren. Mehr von Thuy gibt es auf ihrem Blog.

Headerfoto: Caro (Gedankenspiel imprint added) via Creative Commons Lizenz!

imgegenteil_Thuy

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