Die Möhre vor der Nase

Dein Name steht neben meinem auf dem Klingelschild und ich frage mich, wie es sich wohl anfühlt, wenn ich mit Bleistift einen Bindestrich dazwischen mache. Nur ganz kurz, wie etwas Verbotenes, was nicht sein darf.

Ich habe ein Luxusproblem mit Dir, hat Steffi gesagt. Aber Steffi ist auch erst 22 und Du bist 30. Ich bin weiter von Dir entfernt, als Steffi von Dir. Nach oben. Du bist komisch, aber auf eine gute Art. Gerade hast Du mich gefragt, wo die kleine Leiter ist und ich habe gefragt, ob Du die große meinst. Und Du hast geantwortet: „Du meinst höchstens medium.“ Ganz anders als ich bist Du und ich bin verrückt danach. Du findest, dass Eiswürfel selbst zu produzieren verschwendete Zeit ist und beschließt, das Eis bereits effizient gefroren von der Tankstelle zu besorgen.

Seit ich Dich nach den Apfelkitschen (für Berliner: Apfelgriebsch) im Kühlschrank gefragt habe, weiß ich, dass dies ein unvermeidbarer Prozess ist. Denn woher sollst Du vorher wissen, wann Du genug gegessen hast, später ist auch noch Zeit. Du meinst es ernst. Ketchup suchst Du nach der Farbe aus und auch sonst sind Farben ein außergewöhnliches Ereignis, speziell wenn es Deinen Kleidungsstil betrifft. Ist der Klodeckel hochgeklappt bin ich glücklich, bedeutet es doch, dass Du da bist. So jemanden wie Dich hab ich auf der ganzen Welt noch nicht getroffen und ich habe wirklich in sehr, sehr viele Winkel geschaut.

Und jetzt wohnst Du bei mir. Du bezahlst mich sogar dafür. WG nennt sich das. Schuld hab ich selbst. Die rote Unterwäsche zu Silvester und die Bestellung beim Universum gehen auf mich. Wer hätte gedacht, dass das Universum beim Kleingedruckten mitmacht. Ich habe geschrieben, dass ich in einer Beziehung leben will und das tun wir ja. Doof, jetzt hängst Du wie eine Möhre vor meiner Nase und ich traue mich nicht es Dir zu sagen. Seit Du Dein Essen wiegst, rauche und trinke ich nicht mehr und auch das Laufen hab ich wieder angefangen. Du bist so herrlich perfekt unperfekt. Wie Du da mit Deinem hellblauen Stirnband in den Haaren stehst und Schokolade zwischen meinem Sexspielzeug versteckst. Die Ruhe mit der Du anfängst zu kochen, wenn ich Dir sage, dass gleich eine Überraschungsparty für Dich stattfindet und ich Deine Hilfe dafür benötige. Um dann doch in Panik auszubrechen, als Du feststellst, dass wir nicht genug Stühle und Teller für alle haben.

Wir sind ein tolles Team, so wie Batman und Robin. Wie Du hat noch keiner mein Herz berührt. Der Seelenstriptease in den ersten Nächten im WG-Flur und die Liebesbriefe, die Du mir für eine andere vorgetragen hast, haben mich zu Tränen gerührt. Die besten Pommes habe ich von Dir bekommen, selbstgeschnitzt morgens um 4. Dein Name steht neben meinem auf dem Klingelschild und das fühlt sich verdammt gut an.

 Die Auftrags-Chillerin ist Käsebrot-Affineuse, Tough-Mudder-Aspirantin und schwer abhängig vom Import japanischer Kosmetikprodukte ihrer Bloggerfreundin Annika. Sie hofft darauf, dass endlich mal Schokoküsse ohne Schoko erfunden werden und nachts versehentlich mal im Baumarkt eingeschlossen zu werden, damit sie endlich ausgiebig zum Stöbern kommt. In der Sauna muss sie lesen, sonst hält sie es nicht lange in de Hitze aus. Außerdem ist sie eingefleischte Vegetarierin mit Hang zur Ausnahme – zumindest wenn ihre beste Freundin ihre Spaghetti Bolognese kocht.

Headerfoto: Brett Forsyth via Creative Commons Lizenz! (Bild beschnitten.)

DieAuftragsChillerin

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